Der Mann ist jung, verfügt über unternehmerisches Geschick und hat Ideen. Die Rede ist von Stefan Sander, Inhaber des Großhandels World of Games sowie eines Einzelhandelsgeschäfts. GamesMarkt.de hat ihn besucht und zeichnet die Geschichte seiner noch jungen Firma nach.

Gevelsberg ist eine mittelgroße Gemeinde mit rund 34.000 Bürgern im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Stadt verfügt über sehr gute Verkehrsverbindungen zu den benachbarten Zentren Düsseldorf, Dortmund, Wuppertal oder Hagen. Im Zentrum von Gevelsberg befindet sich seit Spätsommer dieses Jahres der Firmensitz des Großhändlers World of Games, dessen Inhaber und Geschäftsführer Stefan Sander ist.

Der gelernte Büro- und Informationselektroniker mit einem ausgeprägten Faible für Games hat sich mehr zufällig zu einem Vollblutunternehmer gewandelt. Vor einigen Jahren überzeugte er einen Freund, der sich mit einem Plattenladen selbständig gemacht hatte, eine Shop-in-Shop-Lösung für Games zu integrieren. Verantwortlich für diesen Bereich: Stefan Sander. Als das Experiment mit der Musik scheiterte, ergriff Sander die Gelegenheit beim Schopfe. Mit dem notwendigen Mut zum Risiko übernahm er das 160 Quadratmeter große Geschäft in der Iserlohner Einkaufsstraße, tauschte das CD-Sortiment gegen Computer- und Videospiele aus und ergänzte diese vor zwei Jahren mit DVD-Video.

Vollsortimenter bei PC- und Videospielen

Der Erfolg gab ihm Recht. Der Laden läuft. Neben dem Einzelhandelsgeschäft betreibt Sander seit gut zwei Jahren zusätzlich den Großhandel World of Games. Ein Vollsortimenter: Neben PC-Software führt er Videospiele, die dazugehörige Hardware, Zubehör und DVD-Video. Die Anfänge dieses Geschäftsbereichs reichen in die Zeit zurück, als Sander für den Plattenladen seines Freunds den Gamesbereich organisierte. Jener war damals Mitglied einer Einkaufskooperation für Tonträgerhändler. Einige kooperierte Händler hatten Wind davon bekommen, dass sich da beim Kollegen in Iserlohn ein Mitarbeiter mit Computer- und Videospielen auskannte. Da sie mit dem eigenen Gameslieferanten unzufrieden waren, trat man an Sander mit der Bitte heran, auch für sie Spiele einzukaufen. Sander willigte ein, womit der Grundstock für den Großhandel gelegt war. Heute beliefert World of Games rund 60 Händler dieser Kooperation, 30 davon mit Games und 30 mit DVD Video. Das sind natürlich nicht die einzigen Handelskunden, die über World of Games ordern.

Erfolgreich mit Exklusivprodukten

Seit Sander im März dieses Jahres den blauen PlayStation-Turm vermarktet, der mit Softwaretiteln zum EVP-Preis bis 29,99 Mark bestückt ist, hat das Großhandelsgeschäft einen qualitativen Sprung gemacht: "Der Turm kommt sehr gut an. Mehr als 200 Stück davon haben wir derzeit bundesweit im Handel platziert, weitere 150 Türme wollen wir bis nächstes Jahr noch verkaufen. Zu den Abnehmern zählen unter anderem der Lebensmittelhandel und Videotheken", sagt Sander. Die "Turm"-Produkte sind teils Restposten, die World of Games bei der Industrie einkauft, teils aber auch Titel, die exklusiv für den Turm produziert werden. "Der Turm ist nicht für Freaks gedacht", erläutert Sander das Vermarktungskonzept: "Die haben die im Turm angebotenen Spiele ohnehin schon. Deshalb zielen wir damit auch nicht in erster Linie auf den Gameshandel. Aber selbst dort verkaufen sich die Produkte sehr gut", betont Sander. Das gesamte Großhandelsgeschäft entwickelte sich jedenfalls so positiv, dass das Handelsvolumen eine Größenordnung annahm, die Sander nicht länger aus den Geschäftsräumen seines Iserlohner Einzelhandelsgeschäftes heraus bewältigen konnte.

Großhandel ist und bleibt Risikogeschäft

Ein eigener Standort musste her. In Gevelsberg wurde er fündig. Im August fand der Umzug statt. Das Gebäude einer alten Metallbaufirma war frei, mit ausreichend Büro- und Lagerfläche, wie geschaffen für ein Großhandelsunternehmen. Auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes befindet sich sogar eine Laderampe für Spediteure. Perfekt. Inzwischen beschäftigt Sander acht Mitarbeiter in Gevelsberg, zwei davon im Außendienst. Zwei weitere Mitarbeiter führen den Gamesstore in Iserlohn. Darüber hinaus arbeitet Sander noch mit der Firma POS zusammen, die für World of Games Telesales anbietet. Dieses Jahr peilt Sander einen Gesamtumsatz von zehn Millionen Mark an, im Jahr 2000 lag dieser noch bei vier Millionen. Auch wenn Sanders unternehmerischer Weg bisher sehr positiv verlaufen ist, geht er bei seinen Planungen sehr überlegt vor. Der Mann verfügt über eine gesunde Portion Bodenhaftung: "Der Großhandel ist und bleibt ein Risikogeschäft. Man muss viel Geld anpacken, da die Waren sehr teuer sind und die Margen eher gering ausfallen. Zudem wird das Retourenrecht seitens der Industrie immer weiter eingeschränkt. Wenn man dann mal danebengreift, muss man ein Vierteljahr arbeiten, um das wieder rauszuholen.

Vermarktung des roten PC-Turms startet

Also heißt die Devise: Schrittweises Wachstum, denn alles will gut finanziert sein", sagt Sander. Auch um mögliche Missgriffe, vor denen niemand verschont bleibt, auf ein Minimum zu reduzieren, führt Sander sein Einzelhandelsgeschäft weiter: "Mit dem Iserlohner Laden haben wir sozusagen das Ohr am Kunden und bekommen ein Gefühl dafür, was er will und was nicht. Den Turm zum Beispiel, der auf kleinstem Raum ordentlich Umsatz bringt, nimmt der Kunde an." Was sich letztendlich auch in der erfolgreichen Vermarktung dieses Produkts widerspiegelt. Grund genug jedenfalls für Sander, neben dem blauen PlayStation-Turm Ende November auch einen roten PC-Turm in den Markt zu bringen, der mit Softwaretiteln in einer hochwertigen DVD-Verpackung zum VK-Preis von acht bis zehn Euro bestückt ist. Mit solchen exklusiven Produkten im Rücken entwickelt sich auch die Neukundenakquise aus Sicht des Großhändlers sehr positiv: "Allein in der letzten Zeit haben wir rund 60 neue Handelspartner gewonnen", sagt Sander. Diese werden täglich mit dem Neuheitenfax über aktuelle Angebote informiert. Natürlich bietet World of Games auch die Möglichkeit, online zu bestellen. Auf der Homepage www.letsplayit.de, über die Sander auch ein Versandgeschäft betreibt, gibt es einen passwortgeschützten Händlerbereich, über den man Preislisten downloaden und ordern kann. Aufträge, die bis 15 Uhr in Gevelsberg eingehen, werden noch am selben Tag ausgeliefert, sofern die Ware verfügbar ist.

Rosige Aussichten verspricht sich Sander auch von der DVD Video. Auch wenn es ein hartes Geschäft sei, da große Handelsstrukturen vielfach sehr preisaggressiv vorgingen, was einem Einzelhändler oder auch Großhändler nicht immer das Leben erleichtere. Dennoch sei hier etwas möglich. Der Verkauf der 18er-Versionen etwa laufe insgesamt sehr gut. Nicht zu vergessen, die inzwischen optimierte Abspielmöglichkeit von DVD-Video auf der PlayStation 2, in Kombination mit dem neuen Preispunkt der Plattform. "Davon dürfte noch einmal ein richtiger Schub ausgehen." Außerdem kommt im März ja auch noch die Xbox von Microsoft auf den Markt, die optional auch die DVD-Abspielbarkeit biete. Grundsätzlich ist Sander vom Erfolg der Xbox überzeugt. Der Preis sei zwar recht ordentlich: "Er wird die Endverbraucher aber nicht vom Kauf abschrecken. Die angekündigten 100.000 Units zum Day One werden ihre Käufer garantiert finden.

Xbox-Preis schreckt Käufer nicht ab

Alles Weitere hängt dann von der Qualität der Software ab." Alles in allem ist World of Games ein aufstrebender Großhändler, der mittels Vermarktung eigener exklusiver Produkte seinen bislang erfolgreichen Weg konsequent weiter verfolgen wird. "Da sind wir sehr zuversichtlich", betont Inhaber Sander.

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