Obwohl erst seit kurzem aktiv, hat Indigo Pearl bereits ansehnliche Etatgewinne erzielt. Die drei Erfolgsfaktoren für den Senkrechtstart heißen: paneuropäisches Netzwerk, Branchenerfahrung und Fullserviceangebot.

Erst seit September 2001 ist Indigo Pearl in Hamburg aktiv. Nur kurze Zeit später formierten sich gleichnamige Gesellschaften in London und Paris. Damit war die Idee eines echten, paneuropäischen Agenturnetzwerks mit Schwerpunkt Spielebranche realisiert. Wo bei anderen Agenturen der Aufbau des Kundenstamms oft nur schleppend voranschreitet, konnte Indigo Pearl gleich mehrere Etatgewinne vorweisen: Gibcom Multimedia, die neue Firma des "Addy"-Erfinders Roland Oskian, setzt ebenso auf Indigo Pearl wie Infogrames, die die PR-Betreuung von "Civilization III" an die Hamburger ausgelagert haben.

Drei Faktoren für den Erfolg

"Wir dachten, dass in den ersten sechs Monaten nur wenig Aufträge reinkommen und wir die meiste Zeit nur mit dem,Pitchen" verbringen würden", sagt Reza Abdolali, Mitgründer und Mitgeschäftsführer von Indigo Pearl. Einer der Hauptgründe, warum es anders kam als erwartet, ist die Branchenerfahrung aller Beteiligten. Torsten Oppermann, Partner von Abdolali, bezeichnet die Marktexpertise gar als größtes Alleinstellungsmerkmal.

Neben der langjährigen Erfahrung der Gründer und Mitarbeiter von Indigo Pearl spielt laut Abdolali auch die Tatsache, als europäisches Agenturnetzwerk auftreten zu können, eine wichtige Rolle. Als dritten, entscheidenden Vorteil sieht Abdolali den Fullservicecharakter von Indigo Pearl: "Wir bieten nicht nur PR an, sondern auch Marketing-, Trade Marketing- sowie Vertriebs-Consulting und über unsere Partner auch Hilfe bei der Lokalisation oder Customer Support." Auf diese Weise kann Indigo Pearl als komplett ausgelagerte Marketingabteilung auftreten. Dieser Service, den z. B. Gibcom Multimedia nutzt, ist vor allem für Unternehmen gedacht, die zwar international präsent sein, ihre Firmenstrukturen aber möglichst schlank halten wollen.

Doch trotz des glanzvollen Starts üben sich die Hanseaten in Bodenständigkeit. Die Frage, ob weitere Niederlassungen in europäischen Kernmärkten geplant sind, wiegelt Oppermann ab: "Eins nach dem andern." Natürlich würde Indigo Pearl die Tür nicht zuschlagen, falls Angebote von teamkompatiblen Personen kommen sollten, jedoch nur "sofern wir einen unserer Eckpfeiler, nämlich wirtschaftlich gesund zu wachsen, nicht gefährdet sehen", hält sich Oppermann jede Option offen.

Nachgefragt

GamesMarkt.de: Indigo Pearl gibt es auch in UK und Frankreich. Wie wirkt sich das auf die Kundenakquise aus?

Reza Abdolali: Wir können internationalen Kunden einheitliche Lösungen anbieten - getreu dem Konzept "think global, act local".

GM: Und wie wirkt sich dies auf die Planung paneuropäischer Kommunikationsstrategien aus?

Torsten Oppermann: Auf der strategischen Ebene ist der größte Vorteil, dass wir quasi alle "eine Sprache sprechen"; will heißen, der Kunde braucht nur eine Person zu briefen, und wir sorgen intern dafür, dass die Strategien in alle Länder transportiert werden. Große Vorteile hat der Kunde insbesondere auf der taktischen Seite, und zwar spezifisch bei der Kreation von PR-/Promotion-/Marketingmaterialien. Hier braucht nicht jedes Land das Rad neu zu erfinden, sondern man produziert nur einmal Materialien und lokalisiert sie dann.

Reza Abdolali: Wir wollen uns aber hier auch nichts vormachen: Wenn wir zum Beispiel über klassische PR reden, spielt sich natürlich alles auf lokaler Ebene ab, deshalb ist es ja auch so wichtig, einzelne lokale Spezialisten in den Key-Ländern zu haben.

GM: Die PR-Arbeit ist bei den derzeit steigenden Produktionskosten und sinkenden Medienbudgets entscheidend. Was hat sich dadurch in der PR-Arbeit verändert?

Oppermann: Vor gar nicht allzu langer Zeit saß ein lokaler Product Manager zumeist in einem kleinen Office einer internationalen Company oder beim Distributor und betrieb PR-Arbeit, indem er hier und da mal eine Vorversion verschickte. Durch die Entwicklung hin zu einem Massenmarkt mit zig Millionen PCs und Konsolen ist das Ganze natürlich aus den Kinderschuhen herausgewachsen, und gezielt eingesetzte PR gehört einfach als eine der wichtigsten Zutaten des Marketingmix in jeden Marketingplan. Doch meiner Meinung nach könnten viele Publisher hier noch aktiver agieren, statt, wie es oft der Fall ist, nur zu reagieren, wenn ein Journalist anruft. Vor allen Dingen muss man weg von dem Gedanken, dass PR nur "Muster raussenden" bedeutet - eine starke, gezielt eingesetzte PR-Kampagne mit dem Einsatz aller zur Verfügung stehenden Instrumente kann den Umfang an redaktioneller Berichterstattung vervielfachen.

Abdolali: Umfangreiches Coverage in den wichtigsten General Interest-Magazinen und on Top einige Zwei-, Drei- Minutenberichte im TV - rechnen Sie das mal in den Mediawert um, und Sie werden ganz schnell merken, dass es sich verdammt lohnt, in PR zu investieren und eine Agentur mit der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Erreichung der Kommunikationsziele sowie zur Maximierung der Berichterstattung zu beauftragen.

GM: Wie wird erfolgreiche PR-Arbeit im Spielebereich also künftig aussehen?

Abdolali: Genauso, wie sie schon seit Jahren in vergleichbaren endverbraucherorientierten Medien aussieht. Wir werden mehr und mehr zu Stories kommen müssen. Die reine Produktvorstellung des x-ten 3D-Shooters - so gut er auch sein mag - ist zwar für Special Interest relevant, nicht aber für "Stern", "Focus" und Co. Unser Job ist es, den Produktnutzen und das Produkt in mediengerechte Stories zu verpacken - und zwar gezielt für jedes Medium, um das Maximale für den Kunden und das Produkt zu erreichen.

Share this post

Written by

Game Studies Watchlist #48
Rudolf Thomas Inderst; Professor for Game Studies & Game Design (HNU); Founder & Host of the Podcast Channel "Game Studies" (New Books Network); Section Head "Digitalspielkultur" (TITEL kulturmagazin); Expert Advisory Board "Digitale Spiele" (DFJV) © Inderst

Game Studies Watchlist #48

By Team Gamesmarkt 3 min read
Game Studies Watchlist #48
Rudolf Thomas Inderst; Professor for Game Studies & Game Design (HNU); Founder & Host of the Podcast Channel "Game Studies" (New Books Network); Section Head "Digitalspielkultur" (TITEL kulturmagazin); Expert Advisory Board "Digitale Spiele" (DFJV) © Inderst

Game Studies Watchlist #48

By Team Gamesmarkt 3 min read