Ladenhüter Game Boy Advance?
Mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, liegt der Game Boy Advance nach einer aktuellen Onlineumfrage von GamesMarkt.de mittlerweile wie Blei in den Regalen. Von weit über 3000 Umfrageteilnehmer bezeichneten 76,9 Prozent den Abverkauf als "katastrophal". Schuld an der Misere sei größtenteils die überteuerte Software.
Mit weit über 100 Millionen verkauften Stück hat der Nintendo Game Boy dieser Tage seinen Platz als das erfolgreichste Videospielsystem in den Geschichtsbüchern bereits eingenommen. Seit Markteinführung 1989 zeichnet sich das tragbare Spielsystem durch starke Markt- und Markenpräsenz aus und erfreut sich immenser Popularität. Doch die Verkaufskurve im Handel nimmt kontinuierlich ab. Seit 22. Juni letzten Jahres ist mit dem Game Boy Advance der jüngste Spross aus Nintendos Handheldportfolio im deutschsprachigen Raum erhältlich.
Doch trotz neuester Technik und breiter Unterstützung durch Third-Party-Publisher setzt sich der Negativtrend weiter fort. Zwar spielt natürlich einerseits die verstärkte Konkurrenz durch Handy, PDA & Co. eine Rolle. Andererseits sind viele mit dem Game Boy Advance verbundene Probleme hausgemacht. Sorgenkind Nummer eins ist dabei nach Aussage vieler Händler die Software. Sie ist zwar in großen Stückzahlen und durchaus guter Qualität erhältlich, dennoch hält der derzeit hohe Preispunkt von durchschnittlich 50 Euro viele Kunden vom Kauf ab. Im Rahmen der Onlineumfrage von GamesMarkt.de, an der weit über 3000 Personen teilgenommen haben, bezeichneten unter anderem deshalb 79,6 Prozent den Abverkauf des GBA als "katastrophal". Mit den Attributen "schlecht" und "konstant" verbanden insgesamt 4,5 Prozent aller Teilnehmer den derzeitigen Stand der Dinge.
"Dickfelligkeit hilft nicht weiter"
"Gut" im Geschäft mit dem portablen Videospielgerät sind 15,9 Prozent aller Befragten. In seinem Statement zur aktuellen Umfrage zählt sich unter anderem Heimo Schnalzger zur Riege derjenigen Händler, die unter den niedrigen Abverkäufen zu leiden haben. "Der Game Boy Advance verkauft sich katastrophal",klagt der Geschäftsführer der Play Art Software Großhandels Ges.m.b.H. aus dem östereichischen Rankweil.
"Es ist wirklich schade um dieses tolle Gerät, da eigentlich genügend hervorragende Softwaretitel vorhanden wären. Es hilft aber nichts, wenn man das Grundgerät preislich reduziert. Das Problem liegt bei der Software, die viel zu teuer ist." Holger Mirbach, Geschäftsführer der Game World GmbH in Bremen, schließt sich dem an. Wie man bereits am Umfrageergebnis unschwer erkennen könne, sei "der Game Boy Advance kein funktionierendes Produkt im Hinblick auf einen guten Produktzyklus". Zwar ist laut Mirbach die Qualität in Ordnung, der Absatz aber katastrophal. Seine Konsequenzen hat der Bremer Ladenbesitzer bereits gezogen: "Wir verzichten schon seit Monaten auf Lagerbestände und bieten unseren Kunden nur noch ausgewählte Titel an. Der GBA wird ein Nischenprodukt bleiben, da hilft auch Nintendos bekannte,Dickfelligkeit" bei der Produkt-, Lizenz- und Preisgestaltung nicht weiter."
"Der GBA hat durchaus seine Fans"
Es gibt aber auch weniger kritische Stimmen, wie etwa die von Stefan Maruhn. Aus Sicht des Geschäftsführers von World of Illusion/McMedia in Suhl läuft der Game Boy Advance nicht schlechter als sein Vorgänger Game Boy Color. "Der GBA hat durchaus seine Fans und damit eine Daseinsberechtigung", sagt Maruhn. Die Qualität sei jedenfalls gut genug für verwöhnte Konsolenspieler. "Nur", lenkt Maruhn ein, "wird der Preis eben schwer akzeptiert." Spiele, die älter als zehn Jahre sind, haben im Markt einen Wert, der gegen Null tendiert. "Aber genau für diese alten Spiele soll der Kunde jetzt 45 und mehr Euro bezahlen, nur weil sie für den GBA neu erscheinen." Durch die daraus resultierende Kaufzurückhaltung würden auch neue, ausgezeichnete Spiele wie etwa "Golden Sun" oder "Advance Wars" nicht zu absoluten Megasellern avancieren. Über Wasser hielten den GBA aber genau diese Titel, meint Maruhn: "Insgesamt werden diese Spiele schon recht gut angenommen und stehen in etwa im gleichen Verhältnis wie Toptitel für den GBC. Mit Ausnahme der 'Pokémon"-Spiele natürlich." Eine Lösungsmöglichkeit hat der World of Illusion-GF aber parat: "Ich könnte mir durch eine Preiskorrektur bei der Software durchaus lebhaftere Geschäfte vorstellen."
In Sachen Preispolitik ist Nintendo gefordert, stimmt Efthimios Sidiropoulos zu. "Die Preisreduktion der Hardware hat dem Game Boy Advance im Handel sicherlich gut getan", sagt der Produktgruppenmanager von McMedia. "Knackpunkt ist nach wie vor der überhöhte Softwarepreis. Für ein Handheldprodukt sind die Titel einfach zu teuer." Hier sei es jetzt Aufgabe von Nintendo, diesem Missstand entgegenzuwirken: "Mit den First-Party-Titeln lassen sich durch ihren qualitativen Anspruch, verbunden mit einem attraktiven Preis, gute Stückzahlen realisieren. Dagegen stehen die Produkte der Third-Party-Hersteller, die teilweise mit einem Preispunkt von über 50 Euro am Markt nicht funktionieren können."
Einen weiteren Kritikpunkt bringt Anton Dienstler, Geschäftsführer der Media Mühle in Böblingen, vor. Seiner Meinung nach würde vor allem das schlechte Display viele Kunden vom Kauf abhalten. Trotzdem verkaufe sich gerade in seinem Geschäft der Game Boy Advance sehr gut. "Der GBA macht derzeit rund 15 Prozent unseres Umsatzes aus", konstatiert Dienstler. "Das mag allerdings auch daran liegen, dass unser Shop in der Nähe eines Jugendzentrums und einer Kindertagesstätte liegt." Trotzdem gilt auch in diesem Fall das Sprichwort "Ohne Fleiß kein Preis". Seit etwas mehr als drei Monaten setzt die Media Mühle deshalb auf ein neuartiges Verkaufsförderungskonzept. Dienstler erklärt dazu: "In Kooperation mit dem Stadtjugendamt Böblingen und dem Förderverein Road Kids veranstalten wir einmal im Monat einen so genannten Media Zirkel. In diesem Rahmen bieten wir auch unsere Produkte an." Gestärkt durch diese Erfolgsgeschichte, sieht Anton Dienstler jetzt generell sehr gute Chancen für den Game Boy Advance.