Nach dem tragischen Tod von Firmengründer und Vorstand Olaf Hemming hat Ralf Wetzel die Geschicke des Landauer Unternehmens hemming übernommen. GamesMarkt.de sprach mit dem neuen Vorstand über die derzeitige Situation und mögliche Zukunftspläne.

GamesMarkt.de: Wie geht es nach dem tragischen Tod von Olaf Hemming mit dem Unternehmen hemming weiter? Wer zeichnet jetzt, neben Ihrer Person, bei hemming verantwortlich?

Ralf Wetzel: Zunächst werde das nur ich sein, im Vorstand wird sich vorerst also nichts ändern. Die primäre Aufgabe liegt darin, die Konsolidierungsphase für das Unternehmen einzuleiten. Olaf Hemming hat mit seinem Namen und seiner ganzen Person das Unternehmen sehr stark geprägt. Die Neubesinnung wird nun unsere volle Konzentration fordern. In absehbarer Zeit wird aber sicherlich ein zweiter Vorstand notwenig werden. Wir werden im Laufe des Geschäftsjahrs hierzu eine Entscheidung fällen.

GM: Wie viele Mitarbeiter sind im Moment bei hemming beschäftigt? Es gab Gerüchte über zahlreiche Entlassungen…

Wetzel: Es gab sehr viele Veränderungen im Mitarbeiterstamm, das ist richtig. Zum einen hing dies natürlich mit den wirtschaftlichen Erwägungen zusammen. Nach dem vertagten Börsengang sah unsere wirtschaftliche Situation nicht mehr so rosig für uns aus wie zuvor angenommen. Kurzum: Das erhoffte Wachstum hat sich nicht eingestellt, in der Folge mussten viele Mitarbeiter gehen. Zum anderen muss man ehrlich zugeben, dass es zwischen Firmengründer Olaf Hemming und zahlreichen Mitarbeitern Spannungen gegeben hat. Mittlerweile sind aber, und darüber bin ich sehr froh, viele Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen hätten, davon überzeugt worden, zu bleiben.

GM: Sie haben es bereits angesprochen: Stichwort Börsengang. Wie ist der Stand der Dinge?

Wetzel: Unser ursprünglich für den Börsengang vorgesehener Termin ist ja genau in die Phase gefallen, in der das gesamte Börsenumfeld am Neuen Markt abzubauen begann. In der Folge haben wir gemeinsam mit der Landesbank entschieden, den Börsengang - trotz erheblicher bereits geleisteter Investitionen - nicht zu realisieren. Auch unsere aktuellen Planungen sehen in nächster Zeit keinen Börsengang vor. Die Mittel, die wir uns durch das Going Public ausgerechnet hatten, fehlen uns natürlich, sprich: die Grundlage unserer ursprünglichen Zukunftsplanungen ist ins Wanken geraten. Wir wenden uns deshalb wieder mit voller Konzentration unserem eigentlichen Kerngeschäftsfeld Budgetbereich zu.

GM: Was bedeutet das genau? Sie haben ja auch einen, sagen wir mal, nicht unerwähnenswerten Anteil an der Entwicklerfirma TopWare Programy in Polen.

Wetzel: Wir halten 49 Prozent an TopWare Programy. Derzeit stehen wir in Verhandlungen über einen Verkauf dieses Anteils. Es hat strategisch keinen Sinn, an der Beteiligung festzuhalten. Ein Unternehmen, das sich heute im Vollpreissegment bewegen will, muss ein starkes finanzielles Rückgrat haben, das wir heute in diesem Umfang einfach nicht vorweisen können. Ich bin nicht willens, ein High-Price-Produkt zu finanzieren. Der Zeitraum zwischen Programmierauftrag und der Vermarktung eines Spiels ist für uns nicht überbrückbar. Hätten wir in einem vernünftigen Rahmen den Börsengang hinter uns gebracht, müssten wir uns heute nicht darüber unterhalten - vergleiche etwa die Entwicklung von CDV.

GM: Bedeutet die von Ihnen angesprochene Rückbesinnung auf das Kerngeschäftsfeld gleichzeitig auch die Rückbesinnung auf den deutschen Sprachraum?

Wetzel: Nein. Wir wollen unsere Tätigkeit im Ausland stärker forcieren. Im Laufe dieses Geschäftsjahrs ist eine eindeutigere Marktpositionierung in Frankreich geplant. Wir waren im Nachbarland schon immer erfolgreich, haben dies aber nicht mit einer fließenden Penetration von Produkten belegt. Dies wird sich ändern. Wir haben in diesem Zusammenhang auch einen für Frankreich geltenden Vertriebsdeal mit S.A.D. geschlossen. Für das nächste Jahr planen wir dann den Marktauftritt in England und Spanien. Wir wollen in der Lage sein, in diesen Märkten eine Budgetvermarktung in einem wirtschaftlich sinnvollen Rahmen hinzukriegen. Insgesamt wollen wir gegenüber dem Handel unsere Kontinuität zum Ausdruck bringen, uns in den Märkten Frankreich, England und Spanien etablieren und langfristig eine feste Größe im Markt sein.

GM: Herr Wetzel, wir bedanken uns für das Gespräch.

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Aldamami's Bloodletter: Competing for Attention in Turn-Based Games
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