1. R.I.C.-Kongress 2002
Ein Jahr R.I.C., ein halbes Jahr davon im aktiven operativen Geschäft - die Zwischenbilanz des Interfunk- und Ruefach-Joint-Ventures fiel positiv aus. Ein klares Betriebstypenkonzept und die Positionierung der Handelsmarken sollen die Kooperation nun weiter nach vorn bringen.
Vorstände und Aufsichtsräte der R.I.C. Electronic Communication Services GmbH hatten sich im Vorfeld des ersten Kongresses des Joint-Ventures zwischen Interfunk und Ruefach auf so einiges eingestellt. Auf schlechte Stimmung bei den Mitgliedern und Klagen über die lahmende Konjunktur zum Beispiel und daraus folgend auch auf ein schleppendes Börsengeschäft.
Vieles davon scheint ausgeblieben zu sein, denn Vorstand und Sprecher Werner Winkelmann zeigte sich nach sechs Tagen Kongress erleichtert: "Die letzten Tage waren sehr erfolgreich, wir hatten einen erheblichen Zuspruch durch unsere Mitglieder." Diese kamen immerhin zum ersten Mal gemeinsam nach Nürnberg. Getrennt fanden und finden künftig nur noch die jährliche Gesellschafterversammlung der Ruefach und die Generalversammlung der Interfunk statt.
Nach einem halben Jahr gemeinsamen operativen Geschäfts als R.I.C. zog Winkelmann die erste Zwischenbilanz: "Der Kitt zwischen den Mitgliedern beider Kooperationen fängt an zu härten." Dafür wurde auch einiges getan: Einkauf, Zentralregulierung und Zentrallager sind als Gemeinschaftswerk "optimal organisiert", ein gemeinsames Konditionssystem soll den Mitgliedern gleiche oder bessere Bonus- und Ertragsergebnisse bescheren. Ruefach- und Interfunk-Händler sind außerdem immer auf dem gleichen Wissenstand, denn die Infosysteme PowerNet und Infoline wurden harmonisiert. Ehe die endgültige Integration beendet ist, werden noch weitere sechs Monate vergehen, erwartet die R.I.C.-Führung. Wohl auch deshalb sind von den über 30 Projektgruppen, die zur Zusammenführung gegründet wurden, noch 13 mitten in der Arbeit.
Die bereits etablierten Händlermarken, Master's bei Ruefach und Red Zac bei Interfunk, versteht die R.I.C. als Pfund, mit dem es sich zu wuchern lohnt. In den kommenden Monaten wolle man deshalb das Hauptaugenmerk auf die Positionierung und Weiterentwicklung legen. Für Red Zac bedeutet dies den Start einer deutschlandweiten "Qualifizierungsoffensive" im Herbst, die der Marke am PoS "mehr Durchsetzungskraft" verschaffen soll.
Die R.I.C. will dazu einerseits weitere Händler von Red Zac überzeugen, richtet sich andererseits aber durch eine einfachere Darstellung, z.B. in der Werbung, auch klar an den Endverbraucher. Auch für Master's sollen präzise zugeschnittene Werbemaßnahmen bisher brachliegendes Potenzial ausschöpfen. Winkelmann ist überzeugt: "Bei Red Zac und Master"s kommt es darauf an, dass die Umsetzung am Verkaufsort 100-prozentig stimmt. Deshalb wollen wir am PoS noch stärkere Akzente setzen und die Händler weiter qualifizieren." Um die insgesamt 3232 Fachgeschäfte wettbewerbsfähig zu halten, können die Händler von der Zentrale angebotene "Quality Checks" durchführen lassen, nach denen Stärken und Schwächen eines Outlets deutlich werden.
Um den Kooperationsmitgliedern zu zeigen, dass man "alle Bedürfnisse und Größenordnungen" abdecken kann, ist die R.I.C. zum ersten Kongress mit einem klaren Betriebstypenkonzept in Form eines Handbuchs an den Start gegangen. Deutlich unterschieden wird künftig zwischen einem "Electronic Shop", dem "Electronic Store" und der "Company". Fachgeschäfte mit Serviceorientierung und einer Durchschnittsfläche von 110 Quadratmetern gelten als "Shop", der Vollsortimenter mit 244 Quadratmeter Fläche darf sich "Store" nennen, und mit "Company" sind die Fach- und Flächenmärkte mit über 1000 Quadratmetern gemeint. "Wir demonstrieren den Händlern damit anschaulich, wie sie ihre Flächen- und Umsatzrentabilität deutlich erhöhen können", erklärte Winkelmann den Sinn des Handbuchs.Trotz dieser Maßnahmen erwartet niemand große Umsatzsprünge im ersten R.I.C.-Geschäftsjahr. Nach Ansicht der Kooperationsspitze wird der im Herbst prognostizierte Gesamtverkaufsumsatz der Mitglieder von 3,3 bis 3,4 Mrd. Euro "nicht ganz erreicht" werden. Grund dafür ist zum einen das momentane Marktumfeld, zum anderen aber auch der Mitgliederschwund innerhalb des Joint-Ventures. Denn im letzten Geschäftsjahr (2000/2001), das zum 30. September letzten Jahres endete, verlor die Ruefach 150 und die Interfunk 30 Mitglieder.
Ein großer Teil davon resultiert aus Geschäftsaufgaben, einige Mitglieder sind zu anderen Verbundgruppen gewechselt. Winkelmann gibt zu: "Die R.I.C.-Neueintritte sind im Vergleich zu den verlorenen Mitgliedern relativ gering." Natürlich betreibe man aktive Mitgliederwerbung, jedoch ohne Abwerbekonzept. "Auf der R.I.C.- Deutschlandkarte gibt es noch weiße Flecken, die wollen wir füllen", so der Vorstand. Außendienstmitarbeiter der Kooperation sind deshalb in "dünn besiedelten" Gebieten unterwegs und "schauen, welcher Händler zu uns passt".
Umsatzentwicklung R.I.C. 2000/2001