Abgesang auf eine ungeliebte Konsole: Das Ende von NeoGeo
Der japanische Soft- und Hardwarehersteller SNK hat seine Geschäftsaufgabe bekannt gegeben. SNK steht vor allem für die NeoGeo-Videospielsysteme, unter anderem für den Handheld NeoGeo Pocket Color. GamesMarkt.de bietet Ihnen einen kurzen Überblick über die Geschichte von SNK und seine "ungeliebten Konsolen".
Die Shin Nihon Kikaku Corporation (SNK) wurde im Jahr 1978 gegründet. Das Kerngeschäftsfeld des japanischen Unternehmens war lange Zeit ausschließlich der Arcade-Bereich. Erfolgreich war man unter anderem mit den Spielhallenhits "Ikari Warriors" und "Prehistoric Island". Im Mai 1990 veröffentlichte SNK das Arcade-System NeoGeo MVS (Multi-Video-System). NeoGeo MVS war zum Zeitpunkt seiner Markteinführung ein voller Erfolg. Der Grund dafür war die seinerzeit revolutionäre Idee, Spiele auf Modulen auszuliefern und nur noch die zum Spielen notwendige Grundhardware im Automaten selbst zu belassen. Arcade-Betreiber mussten somit nur noch ein Spielmodul austauschen, statt, wie bis dato üblich, eine ganze Platine. Ein weiterer Vorteil neben der deutlich preisgünstigeren Lösung war die Zeitersparnis beim Wechseln eines Spiels. Das MVS war über Jahre hinweg in der Arcade-Szene weit verbreitet. Laut Aruze, Mutterfirma von SNK, gibt es weltweit immer noch rund 1,8 Mio. MVS-Systeme in Spielhallen.
Zeitgleich zum MVS-Arcade-System brachte SNK auch eine NeoGeo-Heimkonsole auf den Markt - in etwa eine verkleinerte 1:1-Kopie des MVS. Mit dem 24-Bit-System NeoGeo kam gleichzeitig die erste Memory Card in den Handel. Diese erlaubte es dem User, Spielstände auf eine spezielle Datenkarte zu speichern. Somit ist SNK und nicht, wie vielfach angenommen, Sony der "Erfinder" der ersten Memory Card. SNKs Memory Card ist ungefähr 2 KB groß und bietet Platz für rund 27 Spielstände. Die Memory Card eröffnete ferner die Möglichkeit, Arcade- und Heim-Videospiel zu verknüpfen, indem bei Original-MVS-Automaten ein Memory Card Slot vorhanden war und dort Spielstände von Zuhause aus geladen oder, umgekehrt, Spielstände für Zuhause gespeichert werden konnten. Die Module selbst waren nicht kompatibel, was durch verschiedene Gehäuseformen und eine andere Pinbelegung begründet ist. Mit der Einführung der NeoGeo CD-Konsole wurde die Produktion der Memory Card allerdings eingestellt.
Die NeoGeo CD kam im Jahr 1994 auf den Markt. Mit Einführung eines CD-ROM-Formats für die Heimkonsole sank der Preis für die Spieletitel erheblich. Im Gegenzug musste der Endkunde allerdings teilweise astronomisch lange Ladezeiten in Kauf nehmen. Der Preispunkt des Cartridge-NeoGeo lag zur Markteinführung immerhin bei rund 650 Dollar. Die Spiele für das NeoGeo kosteten pro Titel ungefähr 200 Dollar. Mit der NeoGeo CD trat die Preisfrage etwas in den Hintergrund. SNKs zweites Heimvideospielsystem kostete etwa 250 Dollar, die Software lag preislich etwa zwischen 50 bis 70 Dollar. Erfolgreich waren beide Konsolen fast ausschließlich in Nischenmärkten. Vor allem Freunde von Fight-, Shoot- und Sporttiteln fanden bei SNK ihre Erfüllung.
Sowohl das NeoGeo als auch die NeoGeo CD verfügen unter anderem über einen Motorola-Prozessor mit 12 MHz, unterstützen eine Auflösung von 320x224 Pixel und können maximal 65.536 Farben darstellen. Die NeoGeo CD verfügt zudem über ein 1x-CD-ROM-Laufwerk. Ausschließlich in Japan erschien später zudem das NeoGeo CDZ, das über ein 2x-CD-ROM-Laufwerk verfügt.
Am 28. Oktober 1998 veröffentlichte SNK in Japan den ersten, auf dem NeoGeo-System basierenden Handheld, das NeoGeo Pocket. Im technikbegeisterten Japan war der NGP ein immenser Erfolg. Für die Vermarktung in den USA überarbeitete SNK das Design des Handhelds und entwickelte die Technologie deutlich weiter. Resultat war der 16-Bit-Handheld NeoGeo Pocket Color (NGPC), der am 1. Juni 1999 seine US-Premiere feierte. Das NGPC verfügt über einen 45 mal 48 Millimeter großen LCD-Bildschirm und über das so genannte "Pocket Menü". Der Menübildschirm wird eingeblendet, wenn kein Spiel eingelegt ist. Neben einer Weltuhr mit Alarmfunktion gehören zu den Features auch ein Kalender und ein "Horoskop-Generator".
"Heißer" Gegenspieler für Nintendos Game Boy
Die 1985 gegründete SNK Corp. of America ging die Markteinführung des NGPC trotz aller Vorbereitungen und Ambitionen allerdings nur sehr zurückhaltend an. Am 1. Juni standen der Handheld für knapp 70 Dollar und die Software für knapp 25 bzw. knapp 35 Dollar nicht im Handel, sondern waren nur über die SNK-Webseite unter www.snkusa.com verfügbar. Ihr Eintritt ins "wirkliche Leben" sollte erst einige Monate später stattfinden.
Mit dem NeoGeo Pocket Color wollte sich SNK ursprünglich als "heißer Gegenspieler" für Nintendo und dessen Game Boy Color präsentieren. Mit den Schlagworten "handlicher, größer, schneller" wurde der NGPC unter anderem mit einem größeren LCD-Bildschirm, batterieschonendem Verbrauch und einer Farbenpalette von 4096 Farben bei einer simultanen Darstellung von 146 Farben angepriesen.
"Mit dem Debüt des NeoGeo Pocket Color zu einem Preis von 69,95 Dollar geben wir den Spielern erstmals einen kleinen Einblick in das, was wir für unseren Next-Generation-Handheld alles auffahren werden", kommentierte Stacey Sujishi, seinerzeit Director of Marketing bei SNK. "Wir haben bei SNK eine lange Tradition hinsichtlich Innovationen. Wir stehen hinter unseren Produkten, bieten exzellente Software und lang währenden Customer-Service. Die Unterstützung für den NGPC wird dem in nichts nachstehen." Der NGPC war zur Markteinführung in sechs verschiedenen Farben erhältlich. First-Party-Titel waren unter anderem "King of Fighters R-2", "Metal Slug - First Mission" und "Fatal Fury - First Contact".