"Allem gegenüber offen"
Rhianna Pratchett, Tochter des berühmten Autors Terry Pratchett, schrieb das Script zu "Overlord II". Ein echtes Gamebabe im Gespräch.
GameShop.de: Woher beziehen Sie Ihre Inspiration?
Rhianna Pratchett: Wie die meisten Autoren lasse ich mich von eigentlich allem inspirieren, das mir begegnet: Bücher, Filme, das Fernsehen, Nachrichten, Freunde, Familie, Gespräche, Politik, Artikel in Magazinen und Zeitschriften usw. Kreative Leute sind wie große umherlaufende Schwämme, die alles aufsaugen. Man kann vorher nie wissen, welche Idee man einmal gebrauchen kann, also ist man allem gegenüber offen.
Was fasziniert Sie so sehr an Videospielen?
Ich spiele schon, seit ich 6 Jahre alt bin - mein erstes Spiel war "Mazogs" auf dem ZX81. Games sind also schon seit vielen Jahren mein Hobby. Ich arbeitete als freie Autorin und kam eher durch Zufall an meinen ersten Job, der direkt mit einem Spiel zu tun hatte: Ich schrieb die Story zu "Beyond Divinity". Meine Faszination für Games habe ich also erst zum Hobby und dann zum Beruf gemacht.
Warum sind Sie nicht in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten und haben viele Fantasy-Romane geschrieben?
Ich finde die Werke meines Vaters wundervoll. Aber der Pfad, den er gegangen ist, ist mittlerweile ziemlich ausgetreten. Ich will lieber meinen eigenen Weg finden.
Werden wir in Zukunft noch mehr Spiele-Skripts von Ihnen sehen oder konzentrieren Sie sich eher auf andere Gebiete?
Ich habe bereits einige Kurzgeschichten verfasst, was mir durchaus Spaß gemacht hat. Fantasy-Romane werde ich aus dem gerade genannten Grund aber nie schreiben. Die Arbeit an Spielen macht mir einfach viel Spaß. Durch "Mirror's Edge" hatte ich daneben auch die tolle Gelegenheit, im Comic-Bereich etwas zu machen - für DS Comics schrieb ich eine sechsteilige Mini-Serie zu "Mirror's Edge". Comics reizen mich schon sehr, deshalb würde ich in dem Rahmen gern noch mehr machen.
Welches der Spiele, an denen Sie gearbeitet haben, hatte die komplexeste Story?
"Heavenly Sword" behandelte viele tiefgründige Themen, die es sehr komplex machten. Vor allem in Hinblick auf familiäre Beziehungen und die Themen Glaube und Vertrauen. Aber auch "Overlord II" ist sehr komplex, auch wenn ich denke, dass die Story in sich stärker zusammenhängt als beim ersten Teil. Die Dialoge im Spiel umfassen 50.000 Wörter - das ist so viel wie in zwei kompletten Film-Drehbüchern!
Wie stark sind die Vorgaben bei Ihrer Arbeit an Spielen? Können Sie dabei schreiben, was Sie wollen?
Es wird schon ein gewisser Rahmen vorgegeben, was das Gameplay und die Einweisung des Spielers anbelangt. Wie ich das dann umsetze, ist mehr oder weniger mir überlassen, auch wenn ich von den Programmierern natürlich Feedback bekomme. Bei Cut-Scenes muss man darauf achten, dass alles eine bestimmte Länge hat. Insgesamt gibt es beim Schreiben für ein Spiel durchaus viele Beschränkungen - es kommt darauf an, diese Grenzen konstruktiv für die eigene Kreativität zu nutzen.
Werden Sie auch Overlord-Romane verfassen?
Persönlich hätte ich kein wirkliches Interesse, Romane zu schreiben. Aber prinzipiell hat Overlord ganz sicher Potenzial für Umsetzungen in anderen Medien, wie z.B. Comics oder Animations-Serien.
Wie viel Arbeitszeit muss man investieren, um das Skript für ein Spiel wie Overlord zu schreiben?
Während man die Geschichte erschafft, schreibt man auch sehr viel, das nicht ins Skript kommt - vor allem ganz am Anfang des Schaffens-Prozesses, also in der Pre-Production. Dazu gehört das Entwickeln der Spielwelt, Story-Ideen, das Erzählen des Wegs, den der Spieler nimmt, oder auch Charakterprofile. Für die Projekte, an denen ich bisher beteiligt war, brauchten wir mit dem Skript immer so zwischen einem und anderthalb Jahren.