Amazon, Tencent und die Einstellung des Herr-der-Ringe-MMOs
Die Einstellung des Herr-der-Ringe-MMOs im vergangenen Jahr hing damit zusammen, dass die Zusammenarbeit zwischen Amazon und Tencent nicht funktionierte. Amazon-Games-Präsident Christoph Hartmann erklärte im Nachgang, dass die Übernahme von Leyou durch Tencent letztendlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.
Im Fahrwasser des Launches der Amazon-Prime-Serie "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht" hat sich Amazon Games etwas genauer zu den Gründen der Einstellung des geplanten Herr-der-Ringe-MMOs geäußert. Gegenüber GameSpot erklärte Christoph Hartmann, Präsident von Amazon Games, dass letztendlich die beiden Unternehmen Amazon und Tencent zu groß für eine Partnerschaft bei diesem Projekt waren. Damals hieß es, die Partnerschaft sei aufgrund von Vertragsstreitigkeiten gescheitert.
Im Juli 2019 kündigte Amazon Games an, mit Leyou Technologies beziehungsweise der Leyou-Tochterfirma Athlon Games ein MMO auf Basis von Herr der Ringe entwickeln zu wollen. Das Spiel sollte weit vor den Ereignissen der ersten Film-Trilogie spielen und dürfte damit zeitlich an die aktuelle Serie angelehnt gewesen sein, wodurch sich Spiel/Serie-Synergien ergeben hätten. Das Vorhaben wurde dann im April 2021 eingestellt, nachdem Leyou von Tencent für 1,3 Milliarden Dollar übernommen hatte.
"Die Frage war, ob man nicht vielleicht mit Tencent zusammenarbeiten könnte, um gemeinsam ein Spiel zu entwickeln, aber ich denke, dass wir als Unternehmen zu groß sind, um wirklich zu Partnern zu werden, die gemeinsam ein Projekt entwickeln, für das sie die Lizenz besitzen und wir das Spiel entwickeln", erklärte Hartmann. "Also haben wir beschlossen, dass es besser ist, in dieser Hinsicht nicht zusammenzuarbeiten. Dann haben wir versucht, eine Lösung für beide Seiten zu finden, aber ich glaube, es hat sich einfach zu lange hingezogen." Dennoch ist Hartmann der Ansicht, dass sie genug "Fantasy" hätten und mit "Lost Ark" und "New World" gut aufgestellt seien. Sie wollen weiter in beide Spiele investieren.
Eine Klausel in der damaligen Vereinbarung mit Middle-earth Enterprises - ein Tochternehmen der Saul Zaentz Company, das die Herr-der-Ringe-Lizenz besitzt und verwaltet - besagte, dass der Vertrag gekündigt werden könnte, wenn einer der Partner übernommen werden würde. Die Option hatte Middle-earth Enterprises nach der Leyou-Übernahme entsprechend gezogen und das Vorhaben eingestellt.
Letzten Monat kaufte dann die Embracer Group die weltweiten Rechte an "Herr der Ringe", nachdem Saul Zaentz Company Anfang 2022 verkündet hatte, die Tolkien-Rechte verkaufen zu wollen. Embracer-CEO Lars Wingfors freut sich bereits über die "transmedialen Möglichkeiten". Apropos Herr der Ringe: Electronic Arts kündigte im Frühjahr 2022 an, dass sie ein Mobile Game ("Heroes of Middle-earth") auf Basis der Lizenz entwickeln würden, während das Online-Rollenspiel "Lord of the Rings Online" aus dem Jahr 2007 noch immer aktiv ist und mit Inhalten versorgt wird. Und bei Daedalic Entertainment entsteht bekanntlich "Der Herr der Ringe: Gollum".
Marcel Kleffmann