Antike Action in moderner Technik
Die Macher der populären "Total War"-Reihe verlassen ihre bevorzugte Plattform und ihr Lieblingsgenre: Statt Echtzeitstrategie auf PC gibt's furiose Action auf Konsole.
Die jüngsten Nachrichten rund um Creative Assembly mögen eingefleischten PC-Taktikern nicht besonders geschmeckt haben: Nach den drei hochgelobten Echtzeitstrategietiteln der "Total War"-Reihe (zuletzt "Rome - Total War") kündigten die kreativen Engländer im Frühjahr mit "Spartan - Total Warrior" kurzerhand ein actionlastiges Konsolenspiel an.
Und als kurz darauf auch noch die Übernahme durch Sega verlautbart wurde, wähnten Windows-Generäle bereits das nahende Ende ihrer heiß geliebten strategischen Schlachtengemälde.
Allein ist der Kämpfer
Zu Unrecht: Segas Einkauf ist Teil einer Produktstrategie, die verstärkt auf Computerspiele setzt, weshalb Creative Assembly auch weiterhin den PC-Markt bedienen wird - mit "Barbarian Invasion" erscheint im Herbst ein erstes Add-on zu "Rome". Als Pendant zu "Total War" wollen die Engländer mit "Total Warrior" nun auch auf allen aktuellen Konsolen ihre Kriegskünste beweisen.
Der Spieler mimt allerdings nicht den gottgleichen General, der mit einem Fingerzeig hunderte Soldaten in den Tod schickt, sondern nur einen einzigen Kämpfer: Spartan. Der muss seine namensgebende Heimatstadt gegen das machthungrige römische Imperium verteidigen, das mit aller Macht und Dutzenden Legionen zum finalen Schlag gegen die Hellenen ausholt.
Schneisen-Hacken
Trotz sprichwörtlicher spartanischer Zähigkeit kämpft der muskelbepackte Held nicht allein gegen die römischen Invasoren, sondern hat meist eine Vielzahl Kameraden an seiner Seite. Die unterstützen den Helden zwar nach Leibeskräften, der Ausgang der Schlacht liegt aber zu hundert Prozent in den geschickten Händen des Spielers.
Mit Nah- oder Fernwaffen werden Schneisen in die Reihen des Gegners geschlagen, ein Schild blockt Angriffe und wuchtet Feinde zu Boden. Mit etwas Übung hackt sich der Spieler mittels nahtloser Kombination diverser Attacken dynamisch durch die größten Gegneransammlungen.
Während Spartans Säbelei herrscht um ihn herum dichtes Kampfgetümmel - bis zu 180 fein animierte Freunde und Feinde bringen die selbstentwickelten Grafikroutinen gleichzeitig auf den Bildschirm.
Abwechslung regiert
Die Technik von "Spartan: Total Warrior" beeindruckt: Selbst auf der betagten PS2 sorgen unzählige Details für epische Sandalenfilm-Atmosphäre, und das ohne Ruckeln, Nebel oder Popups. Schön auch die Abwechslung, die man bei der Massenkeilerei-Konkurrenz meist schmerzlich vermisst: Spartan gewinnt im Lauf der Zeit an Fähigkeiten und Ausrüstung, bedient sich auf effektvolle Weise magischer Attacken und tritt etlichen mythischen Kreaturen gegenüber.
Zudem bieten die über ein Dutzend Missionen nicht nur tumbes Hack&Slay - die Aufgaben sind so abwechslungsreich wie die Szenerien: Mal werden in Skelettkrieger-verseuchten Katakomben Wege freigesprengt, mal muss ein römischer Koloss durch Katapultattacken fallen, bevor er die Tore der Stadt durchbricht.
Unterbrochen wird die Action von deutsch synchronisierten und optisch ansprechenden Zwischensequenzen. Sie runden den Eindruck ab, dem sich selbst Antiken- und Massenschlachtskeptiker beugen müssen: Mit "Spartan " liefert Creative Assembly ein hochprofessionelles wie spielenswertes Konsolendebüt ab.
Nachgefragt bei Sophie Blackmore, Spieldesignerin bei Creative Assembly
» Weshalb haben Sie für Ihr erstes Konsolenprodukt einen antiken Hintergrund gewählt?
Wir haben uns für diese Zeitepoche entschieden, weil wir mit ihr durch die Arbeit an "Rome - Total War" bereits gut vertraut waren. Es handelt sich um eine großartige Ära, schließlich stammen aus dieser Zeit fantastische Legenden und Mythen, die von der spielerischen Perspektive her äußerst innovativ sind - die Fähigkeit der Medusa, Leute zu versteinern, gibt z.B. eine hervorragende Spielmechanik ab.
» Wie unterscheidet sich "Spartan" von Massenschlachten à la "Dynasty Warriors"?
Bei "Spartan" dreht sich alles um riesige Schlachten und epischen Kampf - viele gegen viele. Konkurrenzprodukte haben bei weitem nicht so viele Soldaten auf dem Bildschirm. Bei uns sind es 180, jeder mit eigener KI, eigenen Waffen und Strategien. Zudem haben wir Verbündete, die unglaublich wichtig für das Spiel sind.
» Creative Assembly ist berühmt für seine Strategiespiele - wo findet sich diese Erfahrung in "Spartan" wieder?
"Spartan" ist kein Strategiespiel. Man mimt nur einen Mann in einer ganzen Armee und kämpft Seite an Seite mit seinen Verbündeten gegen riesige Heere in filmreifen Schlachten. Es gibt taktische Elemente: Wissen, wo man gebraucht wird und was die Kameraden tun, sich der Taktiken des Feindes bewusst sein etc. Es gibt Augenblicke, in denen man sorgfältig über die weitere Vorgehensweise grübeln muss.
» Wieso entwickeln Sie im Gegensatz zu anderen Drittherstellern auch für GameCube?
Es wäre nicht fair, GameCube-Fans dieses Spiel vorzuenthalten. Der GameCube kann alles, was wir brauchen, um dieses Spiel zu inszenieren, und wir konnten sogar einige seiner einzigartigen Features ausnutzen.