Blockbuster auf vier Rädern
Nach dem eher enttäuschenden dritten Teil der "Driver-Reihe" gelobt Publisher Atari im neuen Ableger zahlreiche Besserungen.
Der Vorgänger "Driv3r" ruckelte der Konkurrenz eindeutig hinterher: Zu viele Fehler hatte das unfertig wirkende Game, insbesondere die Missionen, die Hauptfigur Tanner zu Fuß absolvieren musste, machten das Spiel zu einem zweifelhaften Vergnügen. Schlechte Wertungen waren die Folge und enttäuschte Fans.
Fehler, die Atari und Reflections Interactive beim mittlerweile vierten Teil der Serie vermeiden wollen. "Back to the Roots" lautet das Motto der PS2- und Xbox-Version, die im Frühjahr erscheint. Viel Ballast wurde dementsprechend über Bord geworfen. Spielelemente, die nicht funktioniert haben, wurden abgeschafft, darunter die oft kritisierten Missionen außerhalb des Fahrzeugs.
Zurück in die 70er
Der deutlichste Bruch mit der Vergangenheit besteht jedoch im Wechsel von der einen Seite des Gesetzes zur anderen: Der altgediente Undercover-Cop Tanner spielt keine Rolle mehr. Im Mittelpunkt steht vielmehr der aufstrebende Ganove und begnadete Fluchtwagenpilot "The Kid", kurz TK.
Im New York der 70er-Jahre, wo Musik noch handgemacht und Liebe frei waren und Drogen zum Fliegen einluden, bahnt sich der Spieler in der Rolle von TK seinen Weg durch etliche Missionen die Karriereleiter nach oben. Den Groove der Zeit vermitteln dabei nicht nur angesagte PS-Boliden der 70er, wie etwa der kultige Dodge Challenger, insbesondere der lizenzierte Soundtrack sorgt für echtes Seventies-Feeling.
Großes Kino
Die hollywoodreife Inszenierung und die Zwischensequenzen in Blockbusterqualität lassen den Spieler schließlich gänzlich in die Welt der rasenden Ganoven eintauchen. Der zweite Teil des rund 35 Missionen umfassenden Games spielt in der heutigen Zeit, nachdem TK bei einem Auftrag geschnappt wurde und 28 Jahre hinter schwedischen Gardinen verbringen musste.
Wenig geläutert durch den Knast-Aufenthalt und mittlerweile absolut unbekannt in der New Yorker Unterwelt, macht sich der Protagonist sofort daran, das zu tun, was er am besten kann: Rennen fahren und Prestige gewinnen.
Insgesamt stehen dem Gamer hierzu gut 80 Fahrzeuge zur Auswahl, die in Aussehen und Leistung getunt werden dürfen. Wichtig ist den Entwicklern dabei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen authentischer Fahrzeugphysik und Spielspaß, wenn es durch die Straßenschluchten von New York geht. Manhattan, Brooklyn und Teile von New Jersey bilden die Schauplätze von "Driver: Parallel Lines".
Freude am Fahren
Doch während im Vorgänger Städte wie Miami oder Nizza originalgetreu abgebildet waren, haben sich die Entwickler diesmal dazu entschlossen, die Stadt umzubauen, sie an die Anforderungen des actionreichen Spiels anzupassen. Denn den Machern geht es nicht um städtebauliche Präzision, sondern vor allem um eins: Freude am Fahren. Diese Freude darf erstmals auch geteilt werden, wenn bis zu acht Konsoleros gegeneinander um die Wette rasen.
Die Veränderungen gegenüber "Driv3r" tun dem neuesten Teil alles in allem offenbar sehr gut. Besonders der Soundtrack mit zahlreichen Originalstücken, die gelungene Auswahl an Fahrzeugen und die reichhaltigen Tuningoptionen könnten in der Tat dafür sorgen, dass "Driver: Paralell Lines" das beste "Driver" seit Bestehen der Serie wird.
Im Gespräch: Gareth Edmondson, Mitbegründer von Reflections Interactive und einer der Väter der "Driver"-Reihe
» Für "Driv3r" hagelte es teils schlechte Kritiken. Wie will der neueste Teil überzeugen?
Vor allem in den USA ist "Driv3r" sehr schlecht weggekommen, schlechter als verdient. Sicher hatte das Spiel seine Fehler. Aus denen haben wir gelernt und erkannt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das ist bei der "Driver"-Reihe das Fahren. Deshalb wird es bei "Driver: Parallel Lines" keine Missionen mehr zu Fuß geben. Auch das Schießen wird nur noch selten vorkommen.
Zusätzlich haben wir den Einstieg für Anfänger einfacher gestaltet. Beispielsweise hat der Spieler gerade anfangs häufig Schwierigkeiten damit, den Wagen zu beherrschen und Missionen zu erfüllen. Deshalb sind zu Beginn die Straßen recht leer, was sich aber im Verlauf des Spiels ändert.
» Nachdem in "Driv3r" Städte wie Nizza komplett nachgebaut wurden, ist New York in Teil vier weniger genau dargestellt.
Das ist richtig. Eine Stadt wie New York ist ein spannende Kulisse, allerdings nicht durch und durch. Manche Straßen sind für ein Spiel schlichtweg überflüssig. Wir wollten "Driver" nicht an die Stadt anpassen, sondern umgekehrt: die Stadt ans Game. Wahrzeichen und besondere Bezirke wird man wiedererkennen. Die langweiligen Teile haben wir einfach rausgelassen.
» Der Musikuntermalung widmen Sie große Aufmerksamkeit. Welche Pop- oder Rockidole sind mit von der Partie?
Ob das, was wir bei der Präsentation gehört haben (Jimi Hendrix; Anm. d. Red.), auch wirklich im Spiel vorkommt, kann ich nicht sagen. Wir befinden uns diesbezüglich noch in Verhandlungen. Aber natürlich gehört die richtige Musik ins Spiel, um das dazugehörige Lebensgefühl wiederzugeben. Das ist für die Siebziger einfacher als für die heutige Zeit: Wir wissen nicht, was angesagt sein wird.
Deshalb haben wir versucht, neben Klassikern aus den Siebzigern New Yorker Bands zu finden, die 2006 wahrscheinlich den Durchbruch schaffen. Mal sehen, ob uns das gelungen ist.