Mit "Atlas Fallen" wurde auf der gamescom Opening Night Live das nächste große Projekt von Deck13 enthüllt. Im GamesMarkt-Interview mit Jan Klose spricht der Managing Director über den langen Weg und die Erfolge des Frankfurter Studios, das aus der deutschen Gameslandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Von der Gründung über die Akquisition durch Focus Entertainment bis hin zur eigenen Investition in Indie-Studios.

Focus Entertainment hat die große Bühne der gamescom Opening Night Live genutzt und mit "Atlas Fallen" das neue Spiel von Deck13 aus Frankfurt präsentiert, ohne dabei aber allzu viel zu verraten. In dem Action-Rollenspiel mit halboffener Spielwelt, das 2023 auf PlayStation 5, Xbox Series und PC erscheinen wird, befreit man die Menschheit aus der Unterdrückung der Götter. Sand wird in dem Spiel eine wichtige Rolle spielen, da sich aus ihm Waffen formen lassen. "Erschaffe deinen eigenen Spielstil, indem du die Essenz deiner Gegner aufnimmst, schmiede in einer packenden Geschichte ein neues Zeitalter der Menschheit - allein oder gemeinsam im kooperativen Modus", heißt es in der Ankündigung. Nach "The Surge" (2017) und "The Surge2" (2019) wagt sich das Studio also an ein gänzlich neues Projekt. Passend dazu konnte GamesMarkt kurz vor der gamescom mit Managing Director Jan Klose über das traditionsreiche deutsche Studio sprechen, das aus der deutschen Gameslandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Themen waren die Gründung des Unternehmens, die Veränderung des spielerischen Fokus in den Folgejahren und natürlich auch die Übernahme durch Focus Entertainment im Juni 2020.

GamesMarkt: Wie begann alles bei und mit Deck13? Allem Anschein nach hat Artex Software etwas damit zu tun, da die URL noch immer auf Deck13 linkt.

Jan Klose: "Deck13 hat seine Ursprünge in den Schulzeiten der Gründer in Frankfurt, dort hatten Florian und Jan sich kennengelernt und "Zeug mit Computern" gemacht, unter anderem ein paar erste Adventure-Ideen verfolgt. Richtig los als GmbH ging es dann gemeinsam mit den Programmierern Frank und Armin im Jahr 2001. Nein, kein Schreibfehler, der Laden ist wirklich schon so lange dabei. Komisch, dass wir alle noch so ... jung sind."

GM: Wie erklären Sie den "spielerischen" Wandel des Studios? Deck13 hat mit Adventures wie "Ankh" oder "Jack Keane" angefangen. Danach folgte 2014 mit "Lords of the Fallen" die Spezialisierung auf herausfordernde Action-Rollenspiele, wobei es vorher schon "Venetica" und "Blood Knights" gab.

JK: "Venetica war unser erstes Action-Rollenspiel. Rollenspiele und Adventures sind sich ja näher, als man manchmal denkt. Beide haben Quests, Dialoge, ein Inventar? aber Adventures sind um ein Vielfaches leichter zu produzieren und machen trotzdem Spaß, von daher haben wir mit Adventures angefangen. Aber es hat uns schon immer zu größeren Produktionen hingezogen, und wir wollten Welten erschaffen, in denen die Spieler spektakuläre Erfahrungen sammeln und ihre eigene Story erleben können. Von daher waren wir glücklich, als CI Games unsere Idee zu einem großen Action-RPG annahm und Lords of the Fallen finanzierte.

GM: "Lords of the Fallen 2" wurde nicht mehr in Zusammenarbeit mit CI Games realisiert. Weshalb haben sich da die Wege getrennt?

JK: "Eigentlich war es der Plan, dass wir gemeinsam mit CI Games an einem Nachfolger arbeiten, aber wir konnten uns dann nicht auf eine gemeinsame Vision einigen und auch beim Budget hatten wir unterschiedliche Vorstellungen. Die Zusammenarbeit mit CI Games war nicht immer einfach, aber ein wichtiger Schritt für unser Team, da wir viel gelernt und eine einzigartige Chance erhalten haben."

GM: Die Zweigstelle Deck13 Hamburg setzte sich bekanntlich aus Mitarbeiter:innen von Cranberry Production nach der dtp-Insolvenz zusammen. Welche Rolle spielt die Zweigstelle in der Vergangenheit (TransOcean-Reihe) und heute?

JK: "Deck13 Hamburg hat insgesamt drei Wirtschaftssimulationen für astragon und ein Serious Game für einen Industriekunden produziert, gute Arbeit geleistet und erfolgreiche Produkte produziert. Da wir uns strategisch aber weiter auf große Multiplattform-Produktionen fokussieren wollten, haben wir Ende 2018 entschieden das Studio zu schließen und wir haben allen Mitarbeitern einen Job in Frankfurt angeboten. Die Deck13 Hamburg GmbH wurde übrigens in Deck13 Spotlight GmbH umbenannt und der Firmensitz nach Frankfurt verlegt. Über die Spotlight betreiben wir heute unser Indie-Publishing Business."

GM: Was führte 2016 zum Wechsel in der Führungsspitze des Studios?

JK: "2013 verstärkte Mathias Reichert das Führungsteam von Deck13. Ich denke, das war eine gute Perspektive für Florian Stadlbauer, das Studio einige Zeit später verlassen zu können, in dem Wissen, dass die Dinge in guten Händen waren. Florian hatte einfach den Wunsch, außerhalb der Gamesbranche zu arbeiten. Wir haben uns seinerzeit im Guten getrennt und stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Mit Mathias haben wir Deck13 dann konsequent weiterentwickelt und dabei unsere Werte und Philosophie beibehalten."

GM: Die Übernahme von Deck13 durch Focus Home Interactive (damaliger Name, heute Focus Entertainemt) kam überraschend. Gab es noch andere Übernahme-Interessenten und weshalb hat Focus den Zuschlag bekommen?

JK: "Mit Focus hatten wir bereits zwei Spiele gemeinsam entwickelt (The Surge Teil 1 und 2) und kannten uns daher gut. Focus war (und ist) auf Expansionskurs und suchte eine engere Bindung zu guten Partnern. Nach vielen Gesprächen schien eine Übernahme von Deck13 ein guter Weg für beide Seiten zu sein, um sich weiterzuentwickeln: Focus erhielt ein Studio, mit dem sie schon erfolgreich gearbeitet hatten, und das Team von Deck13 erhielt mehr Sicherheit und finanzielle Freiheiten. Es gab mehrere Übernahme-Interessenten, aber es wäre für uns nicht infrage gekommen, einen Investor ins Boot zu holen, mit dem wir noch nicht zusammengearbeitet haben."

GM: Hat sich seit der Übernahme etwas Gewichtiges verändert?

JK: "Was die Entwicklung von Projekten angeht, hat sich nicht viel geändert: Wir sind für die Entwicklung zuständig und Focus hilft uns, unser Potential voll auszuschöpfen und bessere Spiele zu machen. Wir haben unser Top-Management breiter aufgestellt und mit international erfahrenen Mitarbeitern besetzt, um qualitativ und personell weiter wachsen zu können. Auch das mittlere Management wurde verstärkt und trägt mehr Verantwortung. Inzwischen arbeiten Leute aus allen Teilen der Welt bei Deck13 und bringen ihre eigenen Erfahrungen aus anderen Studios mit ein, sowie auch ihre Kultur, was uns vielfältiger macht."

GM: Deck13 betreibt ja noch weitere Büros, unter anderem im kanadischen Montreal. Inwiefern ist diese Zweigstelle in die Projekte mit einbezogen?

JK: "Wir freuen uns sehr über unsere Studiogründung in Montreal. Derzeit arbeiten Frankfurt und Montreal gemeinsam an der Fertigstellung unseres neues Projektes. Montreal wird in der Zukunft strategisch eine wichtige Rolle spielen, da es dort unfassbar viel Talent gibt und die Wirtschaftsförderung perfekte Bedingungen bietet, aber für größere Ankündigungen ist es aktuell noch zu früh."

GM: Wie kam es dazu, dass Deck13 als Publisher tätig wurde? Zumal ja auch die deutsche Indie-Szene mit der Investition in Just2D aus Magdeburg gezielt gestärkt wurde.

JK: "Als freier Entwickler ist man oft einem einzigen Partner auf Gedeih und Verderb ausgeliefert (was sich dann nicht mehr ganz so frei anfühlt). Wir hatten den großen Wunsch, uns auch andere Möglichkeiten zu eröffnen und das Gelernte auch mal in Zusammenarbeit mit jungen Teams einzusetzen. Warum sollten alle die gleichen Anfängerfehler wiederholen? Zu der Zeit, als wir mit 'Spotlight' anfingen, gab es praktisch noch keine Indie-Publisher, und das wollten wir ändern. Die Beteiligung an Just2D ist der nächste logische Schritt: das ist ein sehr talentiertes Team mit einer klaren Vision und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Deshalb möchten wir mit dem Team sehr langfristig zusammenarbeiten. Just2D soll auch nicht unsere einzige Beteiligung bleiben - perspektivisch möchten wir in weitere Indie-Startups investieren."

GM: Was können wir in nächster Zeit von Deck13 erwarten? Schließlich werden im Focus-Geschäftsbericht zwei Games von Deck13 aufgeführt, die zwischen zehn und 50 Millionen Euro umsetzen könn(t)en. Eines der Spiele ist mittlerweile angekündigt worden: "Atlas Fallen".

JK: "Das ist das Tolle, wenn man Teil einer Studio-Familie ist! Wir brauchen nicht mehr nur bis zum nächsten Pitch und der nächsten Vertragsunterzeichnung planen, sondern wir können zusammen mit unserer Muttergesellschaft Focus eine Strategie für die nächsten Jahre aufbauen. Unser Team wird wachsen und auch unsere Projekte. Klar werden wir unserem Markenkern treu bleiben. Aber, wie anfangs erwähnt, es gibt eine große Spannbreite an Ideen, die uns und unser Team begeistern! Es werden also auch ein paar Überraschungen auf die Spieler zukommen, und wir hoffen, es wird sie freuen."

Marcel Kleffmann

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Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience. (marcelDOTkleffmannATgamesmarktDOTde)
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By Pascal Wagner 2 min read