Im Januar vermeldete der BIU eine Handvoll Neuzugänge in seinen Netzwerken, darunter auch die Game-Design-Abteilung der Firma Gauselmann, eines der größten Unternehmen im Glücksspielbereich Deutschlands. Nach eine hitzigen Debatte auf Facebook folgte die Trennung. Ein Kommentar von Stephan Steininger

Das noch junge Jahr 2017 hat seinen ersten Gamesskandal. Und - ganz ehrlich - er ist so unnötig wie ein Kropf. Nach einer ziemlich hitzigen Facebook-Debatte über die Aufnahme Gauselmanns in das Netzwerk BIU.Dev hat der neue Verbandsgeschäftsführer Felix Falk schlussendlich die  von dem Neumitglied bekannt gegeben. Soweit die Kurzfassung.

Doch was steckt dahinter? Die Verkettung wirklich unglücklicher Umstände und Unaufmerksamkeiten? Die über Jahre ausgetragene Fehde zwischen BIU und GAME? Beides? Keines? Im Grunde ist es auch egal, denn wie schon eingangs gesagt: Es war unnötig.

Es war unnötig das Glücksspielunternehmen Gauselmann überhaupt aufzunehmen, selbst wenn man nur den Bereich "Game-Design" aufnehmen wollte. Es war auch deshalb unnötig, weil durchaus der Eindruck entsteht, dass der BIU sein ".Dev"-Netzwerk auf "Teufel komm raus" erweitern will, um dem GAME das Wasser abzugraben.

Es war zudem unglücklich, dass die Entscheidung - so wie es kommuniziert wird - für die Aufnahme im Dezember und damit unter einem Geschäftsführer Maximilian Schenk fiel, die Kommunikation aber erst 2017 stattfand unter einem Geschäftsführer Felix Falk. Und es war vielleicht nicht unnötig, aber unglücklich, dass die Facebook-Diskussion ausgerechnet von Hendrik Lesser initiiert wurde, der bis April 2016 noch GAME-Vorstand war und nach wie vor eine aktive Rolle im GAME-Verband innehat.

Nicht unnötig hingegen war das klare Statement von Felix Falk gegen eine Verbindung von Games und Glücksspiel. Falk ging damit auf die nötige Distanz, um zu verhindern, dass Branchengegner die Games-Industrie wieder in die Schmuddelecke drücken können, in der sie jahrelang verhaftet war. Denn auch wenn es viele vergessen haben: 1985 war es das neugefasste Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit (JÖSchG), einem Vorläufer des heutigen Jugendschutzgesetz, das in §8 Abs. 3 die Aufstellung von Arcade-Automaten auf Flächen verbot, die für Kinder und Jugendliche frei zugänglich waren.

Diese Regelung führte zur Verbannung der Arcade-Automaten in die Glücksspielhallen der Republik. Und auch wenn es dafür keinen empirischen Beleg gibt, für mich trug die Regelung einerseits zum schlechten Image von Videospielen bei, und andererseits verhinderte sie wohl auch, dass in Deutschland eine Szene an Arcadegames- und damit später auch Videospielentwicklern entstand. Sie prägte den deutschen Videospielmarkt gewissermaßen bis heute negativ.

Übrigens, noch etwas ist in Felix Falks Statement nicht egal. Er schrieb auch: "Gleichzeitig gilt nach wie vor, dass der BIU für Netzwerk-Mitglieder, unabhängig ob BIU.Dev oder BIU.Net, generell keinen Vertretungsanspruch gegenüber Politik oder Gesellschaft wahrnimmt." Anders gesagt: Wer nicht zum exklusiven Kreis der BIU-Vollmitglieder gehört, sondern nur zum Netzwerk, der darf seine Ideen zwar einbringen, seine Interessen vertritt der BIU aber nicht. Da muss er schon zum GAME gehen. Aus BIU-Sicht ist Falks Offenheit ein unnötig hoher Preis für ein offenbar unbedachtes Abschiedsgeschenk von Maximilian Schenk.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.