Gemeinsam mit den Studienleitern hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, die Ergebnisse der sogenannten "BLIKK"-Medienstudie vorgestellt. Sie stellt vor allem die Gefahren einer zu intensiven Mediennutzung zusammen, bleibt konkrete Fallzahlen aber schuldig.

"Für mich ist ganz klar: Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen!" Mit deutlichen Worten warnt die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Marlene Mortler, über die Folgen übertriebener Nutzung digitaler Medien bei der Vorstellung der finalen Ergebnisse der "BLIKK"-Medienstudie. Die Studie wurde unter der Schirmherrschaft Mortlers und mit Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt. Studienleiter waren Prof. Dr. Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln, sowie Dr. med. Uwe Büsching, Kinder- und Jugendarzt sowie Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder -und Jugendärzte. Ob es sich bei der Studie um eine repräsentative Auswahl handelt ist weder aus der Pressemitteilung noch den dazugehörenden Unterlagen ersichtlich.

Befragt wurden für die Studie 5573 Eltern und deren Kinder, aus 15 Bundesländern. Die Befragungen fanden in insgesamt 79 Kinderarztpraxen statt und zwar parallel zu den gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen, sodass auch die körperliche und entwicklungsneurologische Verfassung dokumentiert wurde. Bei der regionalen Verteilung zeigt sich, dass aus Bremen keine Praxis beteiligt war und in den östlichen Bundesländern nur sehr vereinzelt Praxen mitmachten.

Die dokumentieren Ergebnisse geben dabei durchaus Anlass zur Sorge. Allerdings bleiben die Herausgeber auch wichtige Antworten schuldig. So heißt es in der Begleitpräsentation zwar, dass es "signifikante Zusammenhänge" gibt zwischen "Fütter- und Einschlafstörungen von Säuglingen, wenn die Mutter während der Säuglings-Betreuung parallel digitale Medien nutzt". Fallzahlen oder Quoten werden aber ebenso wenig genannt, wie eine Erläuterung, warum dies als "Hinweise auf Bindungsstörungen" zu interpretieren ist.

Bei den Acht- bis 13-Jährigen wiederum stellt die Studie fest, dass eine "tägliche digitale Bildschirmnutzung" zu einem erhöhten Genuss von Süßgetränken und Süßigkeiten führt. Auch der Body-Mass-Index sei erhöht. Konkrete Fallzahlen und Belege bleiben die Autoren jedoch erneut schuldig.

Etwas konkreter wird die Studie bei den Zwei- bis Fünfjährigen. Hier hat die Studie bei einer täglichen Smartphone-Nutzung von mehr als 30 Minuten eine um den Faktor 3,5 höhere "Prävalenz" für motorische Hyperaktivität festgestellt. Konkrete Fallzahlen bleiben die Autoren aber auch hier schuldig. Zumindest führen sie aber einen Vergleich mit dem TV ins Feld. Die Prävalenz für motorische Hyperaktivität bei Zwei- bis Fünfjährigen, die täglich mehr als 30 Minuten Fernsehen, sei um den Faktor drei erhöht. Ähnliche Ergebnisse nennte die Studie auch im Hinblick auf Konzentrationsstörungen und der Sprachentwicklung.

Sowohl die Drogenbeauftragte, als auch die Studienleiter sehen aufgrund der Ergebnisse die Notwendigkeit zu mehr "digitale Fürsorge", wie es Mortler ausdrückt. Und Uwe Büsching sagt: "Gerade, wenn das Verhalten oder die Entwicklung auffällig ist, sollte immer auch ein unangebrachter Umgang der Eltern wie der Kinder mit Medien in Betracht gezogen werden. Eine Medienanamnese und eine qualifizierte Medienberatung muss zukünftig die Früherkennungsuntersuchungen ergänzen."

Interessanter Fakt am Rande: Bereits im November gab es eine Pressemitteilung mit durchaus ähnlichen Ergebnissen, nachdem allerdings erst rund 3000 Kinder und Eltern befragt waren.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.