E3 - Eine Welt für sich
Auf der achten E3 prognostizierte IDSA-Präsident Douglas Lowenstein der Branche zweistellige Umsatzzuwächse in den nächsten Jahren. US-Marktforscher untermauerten dies mit einer hervorragenden Quartalsbilanz. Und die E3 verlängerte ihren Vertrag mit Los Angeles um zehn Jahre.
"Ab 2003 wird die E3 zu einer Drei-Wochen-Show!" So begrüßte Douglas Lowenstein, Präsident des US-amerikanischen Branchenverbands Interactive Digital Software Association (IDSA), die Messegäste bei seiner Eröffnungsrede. Die erste Woche stehe ganz im Zeichen von Gerüchten und Dementis, in der zweiten Woche folgten die offiziellen Ankündigungen und in der dritten Woche finde dann die eigentliche Show statt.
60.000 Besucher, 400 Aussteller
Lowenstein spielte damit auf die beiden Wochen vor der diesjährigen E3 an: Nach einigen Spekulationen seitens der Fans, Medien und Analysten verkündeten die drei Konsolenhersteller eine Woche vor Showbeginn zum Teil deutlich gesenkte Preise für ihre Plattformen, allerdings nur für den US-Markt. Die "Big News" waren also draußen, noch bevor der erste Messebesucher über die mehrere Zentimeter dicken Teppiche der Hallen des Los Angeles Convention Center gestolpert war. Dem Interesse an der Messe hat die Pre-Show-News-Schlacht wenig geschadet: Während der drei Veranstaltungstage zählten die Organisatoren etwas mehr als 60.000 Besucher aus 70 Ländern.
21,4 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2005
Die E3 2002 verfehlte somit den Vorjahreswert um 2000 Besucher. Doch blieben einige vielleicht dem Event fern, weil die Show dank des Memorial Day-Wochenendes von Mittwoch bis Freitag und nicht wie bisher üblich von Donnerstag bis Samstag stattfand. Bis auf den leichten Besucherrückgang zeigten sich die Verantwortlichen, typisch amerikanisch, optimistisch und siegessicher. Lowenstein ließ es sich nicht nehmen, eine Marktprognose der Jefferies Company, einem US-amerikanischen Investmentunternehmen, zu zitieren. Allein in Nordamerika werde die Spielebranche im Jahr 2005 21,4 Mrd. Dollar umsetzen, so das Kernergebnis der Studie. Schade nur, dass Lowenstein selbst an einer anderen Stelle in seinem Vortrag über die oftmals falschen Erwartungen von Marktforschern und Konsorten witzelte: So habe eine Expertenfirma für 2005 einen Umsatz mit Onlinegames in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar prognostiziert - allerdings hätten die gleichen Marktforscher bereits vor fünf Jahren dem Online-Gaming-Markt 1,5 Mrd. Dollar Umsatz prophezeit, und zwar für 2002.
Doch unabhängig von der Genauigkeit der einzelnen Prognosen stehen die Zeichen in der Spielebranche auf Wachstum. Der Umsatz werde in den nächsten Jahren wieder zweistellige Zuwachsraten verzeichnen. Einen zusätzlichen Umsatzschub könne die Branche laut Lowenstein erreichen, wenn man das globale Piraterieproblem eindämmen oder gar in den Griff bekommen könnte. Fast schon wie bestellt, veröffentlichten dann auch die US-Marktforscher der NPD Group ihre Bilanz zum ersten Quartal 2002 im US-Markt. Allein in den ersten drei Monaten seien 1,9 Mrd. Dollar mit dem Verkauf von Videospielhardware, -software und -zubehör in den USA umgesetzt worden. Das entspricht einem Umsatzplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die größten Sprünge im ersten Quartal konnte die US-Branche beim Verkauf der Konsolen- und Handheldsoftware erzielen. Die Werte stiegen um 25 bzw. 30 Prozent auf 895 und 179 Mio. Dollar.
Bis 2012 bleibt die E3 in Los Angeles
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2001 wurden in Deutschland nur 1,08 Mrd. Mark, nicht Euro, mit beiden Softwarearten zusammen umgesetzt. Es gibt also viel Potenzial, über das man sich auch in Zukunft in Los Angeles informieren muss. Denn die Messe, auch das eine News der E3, wird bis 2012 in der Hauptstadt des Entertainment bleiben und nicht, wie von vielen erhofft, in die Hauptstadt des Gaming, Las Vegas, ziehen. Jim Hahn, der Bürgermeister von L.A., verkündete persönlich die Vertragsverlängerung, die der Stadt nächstes Jahr in der Woche ab 12. Mai wieder etwa zwölf Mio. Dollar Umsatz bescheren wird. So viel geben nach Schätzungen die Besucher der E3 jedes Jahr für Kost und Logis aus.