EA setzt mit 50-Prozent-Anspruch Akzente
Auf der GC - Games Convention hat Electronic Arts eine ehrgeizige Strategie für das Herbstgeschäft angekündigt und für Diskussionen gesorgt. Mit dem Anspruch auf 50 Prozent des Einkaufbudgets und der Fläche des Handels ist das Konzept auch Kampfansage an alle anderen Softwarepublisher.
Mit dem so genannten "50 + 50 + 50"-Konzept hat Electronic Arts auf der GC - Games Convention für Diskussionsstoff gesorgt. "EA will im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2002 50 Prozent des Einkaufsvolumens des Handels und 50 Prozent der Regalfläche des Handels realisieren, um gemeinsam mit dem Handel 50 Prozent Marktanteil umzusetzen", erklärt Oliver Kaltner, Marketing Director EA Central Region, das Konzept. Es sei in der Wirkung nach außen, aber auch intern ein sehr ehrgeiziges Projekt.
Kampf um Fläche beginnt
Doch die Auftritte auf der E3 sowie auf der GC hätten gezeigt, dass das Produktportfolio in diesem Jahr so umfangreich und stark ist, dass das Ziel realisierbar sei. Zudem habe EA ausreichende Rahmendaten zusammengetragen, die die Kalkulierbarkeit, Messbarkeit und Erreichbarkeit dieses Projekts belegen würden. "Bei,50 + 50 + 50" handelt es sich nicht um eine Marketingseifenblase, dahinter steckt vielmehr ein wirtschaftlicher Ansatz", sagt Kaltner. Zumindest ist der Anspruch, den Electronic Arts erhebt, auch eine Kampfansage an alle anderen Publisher. Vor allem in einem Jahr, in dem die Releaselisten aller Publisher so manchen potenziellen Blockbuster von "Age Of Mythology" über "Tomb Raider" bis hin zu "Turok" zu bieten haben.
"In Leipzig wurde meines Erachtens das stärkste Line-up unserer Branche gezeigt, das es jemals zu Weihnachten gab", sagt auch Dr. Dietrich Meutsch, GF THQ Deutschland. Er sehe daher bei der hohen Anzahl sehr guter Titel einen starken Wettbewerb um die Flächen im Handel auf die Branche zukommen. Was EAs Ziele betrifft, so hat Meutsch seine Zweifel an der Machbarkeit. "Ich kann nicht für den Handel sprechen, aber ich persönlich glaube nicht, dass dieser sich zu 50 Prozent von Electronic Arts abhängig machen möchte oder wird", so Meutsch. Auf Nachfrage von GamesMarkt.de waren verschiedenen Handelsfirmen jedoch nicht bereit, die Pläne von Electronic Arts zu kommentieren. "Jeder muss sich Ziele setzen", meint hingegen Manfred Gerdes, GF Sony Computer Entertainment Deutschland (SCED), "und wenn das Potenzial für einen Marktanteil von 50 Prozent vorhanden ist, dann ist es auch gerechtfertigt, diesen Anspruch zu kommunizieren." Allerdings sei Fläche allein für den Verkaufserfolg nicht entscheidend. Der Konsument sei viel besser über die Produkte informiert, wenn er in den Handel geht, als in anderen Branchen. "Natürlich wollen wir als Sony Computer Entertainment Deutschland vom Handel eine gewisse Fläche, aber nicht allein für unsere Produkte, sondern für die gesamte Plattform", erklärt Gerdes. SCED erhebe auch keinen Anspruch auf einen bestimmten Prozentsatz innerhalb des PS2-Bereichs. "Sind die entsprechenden Topprodukte vorhanden, wird der Handel die Fläche ohnehin zur Verfügung stellen." Aus Marketingsicht, so Gerdes, sei das Vorhaben von EA sicherlich nachvollziehbar und mit dem vorliegenden Produktportfolio auch gerechtfertigt. "Electronic Arts hat definitiv eine sehr gute Position im Markt, und sie haben sehr starke Titel", räumt auch Odile Limpach, GF von Ubi Soft Entertainment, ein.
Fläche allein für Erfolg nicht entscheidend
"Ich halte es jedoch für gefährlich, sich auf eine Firma zu konzentrieren", formuliert Limpach Bedenken aus dem Handel. Die Publisher würden sich über die Konzentration auf Handelsseite beklagen und umgekehrt. Sie könne sich deshalb nicht vorstellen, dass der Handel mit nur einer Firma 50 Prozent seines Umsatzes generieren wolle. "Dies wäre auch für den Wettbewerb von Nachteil", gibt Limpach zu bedenken. Tendenziell würden viele Publisher auch eher versuchen, keinen zu starken Druck am PoS aufzubauen. Zwar sei eine gute Präsenz am PoS bei starken Titeln notwendig, man müsse dem Handel aber auch Erfolgserlebnisse garantieren. "Verkauft ein Händler 200 von insgesamt 500 Units, dann sieht er optisch im Laden keine Veränderung. Verkauft er jedoch 200 von 300 Units, wird er sofort nachbestellen", ist Limpach überzeugt. Dieses Vertrauen in den Abverkauf will Ubi Soft dem Handel wiedergeben. "EA ist dafür bekannt, aggressiv an den Markt heranzugehen, meistens auch mit Erfolg", beurteilt Limpach die Offensive ihrer Branchenkollegen. "Aber die Herausforderung nehmen wir gern an."