Editorial
Bedrohliche Pläne aus Berlin
So sehr die Politik im Wahljahr mit den Informationsmedien liebäugelt, mit den Unterhaltungsmedien scheint sie auf Kriegsfuß zu stehen. Vor allem mit der Spielebranche. Während die möglichen Folgen des neuen Jugendschutzgesetzes noch nicht absehbar sind, bringt die Regierung einen Gesetzentwurf zum Urheberrecht in den Bundestag ein, der zwar die Umgehung von Kopierschutzmechanismen verbietet, die digitale Privatkopie jedoch zulässt.
Die Gamespublisher fürchten zu Recht um ihre Pfründe. Machte die Sicherungskopie in Zeiten anfälliger Disketten noch Sinn, so ist die Lebensdauer von CD- oder DVD-ROMs bei entsprechender Behandlung heute länger, als ein PC oder eine Konsole aktuell ist. Das Argument, es gehe hier um Verbraucherschutz, lässt sich somit nur schwer verstehen. Genauso schwer ist zu verstehen, warum unterschiedliche Inhalte auf einem Datenträger unterschiedlichen Regelungen unterliegen sollen.
Der Wert geistigen Eigentums wird dadurch noch schwerer vermittelbar, als er es durch frühzeitige Zweitvermarktungen von Spielen oder Zahlungen von Millionenbeträgen an Künstler für die Nichterfüllung von Plattenverträgen ohnehin schon ist.
So bleibt zu hoffen, dass die Einwände der Spiele-, aber auch der DVD-Branche nicht auf taube Ohren stoßen und der Entwurf überdacht wird. Ansonsten wird sich die Industrie durch immer neue Trägermedien zumindest ein kleines Zeitfenster gegenüber der jeweiligen Brennerausstattung teuer erkaufen müssen. Denn auch in Zukunft wird ein Kopierschutz schneller geknackt als entwickelt sein.
Stephan Steininger Redakteur [mailto:s.steininger@e-media.de@@@s.steininger@e-media.de]