Erste Reaktionen aus der Branche
Microsoft hat mit der Bekanntgabe der unverbindlichen Preisempfehlung für die Xbox hohe Wellen in der Branche geschlagen. GamesMarkt.de dokumentiert erste Reaktionen von seiten des Handels und der Industrie.
Das Startsignal von Xbox ist sicherlich in keinster Weise eine Bedrohung fürs Geschäft mit PlayStation 2, da der Preisabstand der Hardware, der Software und des Zubehörs vom Konsumenten nicht akzeptiert wird. Manfred Gerdes, Geschäftsführer Sony Computer Entertainment Deutschland
Wir stehen der Xbox völlig neutral gegenüber. Nintendo ist ein Videospiel-, Microsoft eher ein Technologie-orientiertes Unternehmen. Generell sind wir der Meinung, Produkte brauchen einen Massenmarkt fähigen Preis, den wir auch in einer anderen Dimension definieren. Das jetzige Announcement können wir nicht angemessen beurteilen, da uns keine weiteren Informationen zur Vermarktungsstrategie von Microsoft vorliegen. Für eine Positionierung im UE-Bereich ist der Preis nicht unbedingt problematisch. Dies stellt sich allerdings anders dar, falls Microsoft Xbox im Spielwarenhandel positionieren will. Dort sind Produkte auf Grund der Budgetgrößen im Einkauf ab einem bestimmten Preispunkt nur schwer platzierbar. Zudem sehe ich in der Größe der Hardwareverpackung ein Problem. Es ist anzunehmen, dass eine Xbox-Verpackung fast schon die Größenordnung eines PCs haben wird. Der Spielwarenhandel und insbesondere die vielen Independents, die sehr wichtig für den Markt sind, haben aber nur sehr wenig Fläche für sehr viele Produkte zur Verfügung. Die Produktgröße könnte aber auch im Elektronikfachhandel zu Problemen führen, da es auch dort nur wenige Möglichkeiten gibt, solche Produktgrößen darzustellen, und die Platzierung mehrerer Paletten gleichzeitig nur schwer vorstellbar ist. Für mich hat Xbox als Videospielkonsole keine Daseinsberechtigung, da sie anspruchsvoll im Preis und die Software zwar sehr gut, aber nicht revolutionär ist. Sie hat aber ihre Daseinsberechtigung auf Grund ihrer Onlinefähigkeiten, die für die Online-Gaming-Community von Interesse sind. Allerdings darf hier auch der PC nicht vergessen werden, der in der Kernzielgruppe bereits sehr weit verbreitet ist. Axel Herr, Managing Director Sales/Marketing Deutschland bei Nintendo of Europe
Microsoft betritt einen sehr hart umkämpften Markt mit einer sehr guten Konsole. Wie bekannt, unterstützt EA sowohl Microsoft als auch Sony und Nintendo. Daher machen wir zu den einzelnen Formaten in der Öffentlichkeit generell keine Aussagen Stefan Lampinen, Managing Director EA Central Region
Die Mitteilung müssen wir erst einmal verarbeiten. Der zeit fällt es uns jedoch noch schwer ein endgültiges Urteil über die Wettbewerbsfähigkeit der Xbox abzugeben. Außer Termin, Preis und europäischem Mengenziel liegen uns zum heutigen Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen vor, wie Microsoft die Konsole gemeinsam mit dem Handel vermarkten will. Alles andere werden wir sehen bzw. muss in einem persönlichen Gespräch mit Microsoft besprochen werden! Michel Wedler, Produkt Manager Software Saturn
Wir sind sehr überrascht aus Cannes zu hören, dass die Software nun doch relativ teuer wird. Solange wir jedoch das Third Party Lizenzmodell nicht kennen, wollen wir hierzu auch keine Stellung nehmen. Allerdings dürfte es jedem klar sein, dass es schwer wird, Software, so gut sie auch sein mag, für einen Preis oberhalb von 119,95 Mark für normale Titel bzw. 129,95 Mark für exzellente Titel zu positionieren. Konami ist und war immer schon der Überzeugung, dass nur gute, aber auch bezahlbare Software einer Konsole dauerhaft zum Durchbruch verhelfen kann. Bezüglich des Hardware-Preises, können wir eigentlich nur sagen, dass ein niedriger Preis immer schöner ist, aber eine Wirtschaftlichkeit muss natürlich auch gegeben sein. Microsoft wird selber am besten wissen, welchen Preis sie sich leisten können und welchen nicht. Des weiteren ist kein Preis für die Ewigkeit, wie uns Sony gerade bewiesen hat. Martin Schneider, European Consumer Manager, Konami of Europe
Mit der Preisfestlegung von 479 Euro begibt sich Microsoft auf eine Gratwanderung, was den Erfolg der Xbox in Europa anbelangt. In dieser Preiskategorie wird sich vorerst sicherlich nur die Kernzielgruppe derabsoluten Spielefreaks, die wir auf rund 150.000 bis 200.000 schätzen, für den Kauf der Konsole entscheiden. Für Publisher und Softwareentwickler wird es natürlich schwierig sein, bei einem so geringen Markt exklusive Spieleentwicklungen kostendeckend zu produzieren. Anhand der deutlich gesteigerten Abverkäufe der PlayStation 2-Hardware kann man erkennen, wo sich der massenmarktfähige Preis einpendelt. Erst ab einer installierten Hardwarebasis von mehr als 750.000 Konsolen lassen sich ansehnliche Stückzahlen von Softwaretiteln absetzen. Trotz des anfänglich hohen Preises sind wir sicher, dass Microsoft ein ernst zu nehmender Konkurrent auf dem heiß umkämpften Konsolenmarkt wird. Wir ergreifen die Chance und unterstützen die Xbox bereits zum Launch am 14. März 2002 mit fünf Umsetzungen aktueller Top-Titel. Uwe Fürstenberg, General Manager Acclaim Entertainment
Aufgrund der immens hohen Hardwareinvestitionskosten kann ich die Preislage der Xbox-Konsole durchaus nachvollziehen. Es ist verständlich, dass Microsoft die selbe Philosophie wie alle anderen Hardwarehersteller zuvor auch vertritt, nämlich mit einem hohen Preis in den Markt zu gehen. Im Zubehörgeschäft steht das Brand Microsoft für hochqualitative Produkte in einer dafür angemessenen Preisklasse. Diese im PC-Segment erfolgreiche Strategie beweist, dass viele Konsument bereit sind, höhere Preise für Microsoft-Produkte zu bezahlen. Zudem bin ich überzeugt, dass Microsoft europaweit intensiv Marktforschung betrieben und dabei auch den Verkaufspreis von Xbox analysiert hat. Insofern stehe ich dem Marktstart positiv gegenüber und bin überzeugt, dass die neue Konsole auch in Deutschland eine breite Fangemeinde finden wird. Andreas Stock, Geschäftsführer Activision Deutschland
Wir halten den Preis für angemessen. Es ist wie bei jeder Konsole: Zuerst kommt der hohe Preis und im Zuge der Massenverbreitung gibt es dann eine Preissenkung. Hier kann man gut auf die PS2 verweisen. Die hat immerhin auch mit 869 Mark angefangen und kostet jetzt, nach einem 3/4 Jahr, gerade noch 599 Mark. Ein Preis, der neue Käuferschichten anspricht. Stefan Quisdorf, Sales Director CDV
Für passionierte europäische Videospieler wird es schwierig sein, nachzuvollziehen, warum die Xbox in den USA ein ganzes Stück preiswerter angeboten wird. Mit dem breiten, grundsätzlich interessierten Publikum ist die anfängliche hohe Preisgestaltung ohnehin nicht wirklich kompatibel. Die ersten Monate nach Einführung der PS2 sprechen da ja Bände. Es wird sich zeigen, ob das Xbox-Marketing in der Lage ist, die Besonderheiten der Konsole, die diese so teuer machen, zu vermitteln. Online-Fähigkeit und Festplatte bedeuten im Kampf um die Kundengunst nicht wirklich mehr als abstrakte Spezifikationen. Man darf gespannt sein, wie die internationale Entwicklergemeinde diese Features spielentscheidend in die Software integrieren wird! Grundsätzlich muss ein Großteil des Erfolgs der Xbox vor allem an der Qualität der Software festgemacht werden. Die ersten Titel sehen zwar teils ganz gut aus, rechtfertigen aber im Vergleich zu aktuellen PS2-Spielen noch kaum den höheren Preis sowohl für Hard- als auch Software. Wir stehen dem Markteintritt der Xbox dennoch sehr positiv gegenüber und unterstützen die Plattform mit einigen, teils exklusiven, hochkarätigen Titeln im kommenden Jahr. Allen voran sicherlich das von Argonaut Games entwickelte und häufig im Rahmen von Xbox-Präsentationen gezeigte "malice: kat's tale" und auch unser erstes Spiel zu den sagenhaften "Herr der Ringe"-Bücher, das wir auf der diesjährigen E3 bereits vorstellen konnten! Frank Matzke, Marketing Manager Games Vivendi Universal Interactive
Es gibt zwei Möglichkeiten aus Fehlern zu lernen, den eigenen Fehlern, oder aus den Fehlern anderer... Der Preis von 479 Euro mag vielleicht aus Sicht einer Kosten- oder Amortisationsrechnung richtig zu sein, aus Sicht des Marktes und einer schnellen und erfolgreichen Einführung eines Produktes in dem bestehenden Wettbewerbsumfeld jedoch überdenkenswert. Leider ist durch die verfehlte Kommunikation die volle Aufmerksamkeit statt auf das hervorragende Produkt Xbox auf die 479 Euro abgelenkt worden. Es wird nun schwieriger, den Konsumenten aus der Verteidigungsposition heraus zu überzeugen. Als Optimist glaube ich an die Wandelbarkeit von Aussagen im Hinblick auf neue Gegebenheiten. Heiko tom Felde, Director TDK mediactive
Ein sehr, sehr mutiger Schritt von Microsoft. Probleme sehe ich vor allem im Massenmarkt. Ein klassischer Spielwarenhändler, der z.B. mit dem Game Boy Advance gute Erfahrungen macht, wird sich überlegen, ob er zu diesem Preis die Xbox überhaupt ins Sortiment nimmt. Sehr gewagt finde ich den Schritt, wenn man bedenkt, dass Sonys Playstation 2 mit einem ähnlich hohen Preis eingestiegen ist und zu Beginn mit starken Problemen zu kämpfen hatte. Bei einem Preisunterschied von fast 400 Mark werden wir sehen, wofür sich der Kunde entscheidet, wenn er vor Xbox, PS2 und GameCube steht. Efthimios Sidiropoulos, Produktgruppenmanager McMedia
Wie sich die Xbox im Markt entwickeln wird, entscheidet letztendlich der Endverbraucher. Bei diesen Preisen kann ich mir aber nicht vorstellen, dass die Konsole einen ähnlichen Hype auslösen wird wie die PlayStation 2. Man kann davon ausgehen, dass die Kunden lieber 599 Mark für die PS2 statt über 1000 Mark für die Xbox inklusive DVD-Kit ausgeben werden. Sony wird darüber begeistert sein. Natürlich werden wir die Xbox-Produkte auch zu diesem Preis in den Handel stellen. Aber die Händler werden sich gut überlegen, was sie an der Xbox überhaupt verdienen können. Für den Händler ist dies auch eine Frage der Investition. Denn aufgrund des hohen Preises werden die Händler wohl kaum Stückzahlen in einer Größenordnung von 30 bis 50 Units ordern. Reinhardt Sawatzky, Geschäftsführer Vitrex