Erster Umsatzrückgang im Gamesbereich seit 20 Jahren in China erwartet
Niko Partners hat seine Prognose für den chinesischen Computer- und Videospielemarkt revidiert und geht von einem Umsatzrückgang in diesem Jahr aus. Das wäre der erste Rückgang in 20 Jahren, aber nicht alle Bereiche sind betroffen.
Der Umsatz mit Computer- und Videospielen in China wird in diesem Jahr um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen, dies schreibt Niko Partners in einer revidierten Marktprognose. Es wird geschätzt, dass 45,44 Milliarden Dollar umgesetzt werden. Noch im April gingen die Marktforscher:innen, die sich auf die Märkte in Asien und den Mittleren Osten spezialisiert haben, von einem minimalen Wachstum aus. Der Rückgang wird hauptsächlich auf geringere Ausgaben für Mobile Games zurückgeführt, die teilweise durch ein Wachstum bei PC- und Konsolenspielen ausgeglichen werden.
Makroökonomische Faktoren, restriktive Vorschriften der Regierung bezüglich der Zulassung von Spielen, ein Mangel an neuen Lizenzen und neue Games, die hinter den Erwartungen blieben, haben zu diesem Rückgang beigetragen. Mobile Games machen in China ungefähr zwei Drittel des gesamten Umsatzes mit Spielen aus. Es wird prognostiziert, dass der Umsatz in diesem Jahr um 5,1 Prozent gegenüber 2021 zurückgehen wird, wobei die Marktforscher:innen noch die "App Tracking Transparency" von Apple als zusätzliche Hürde erwähnen.
Der Umsatz mit PC-Spielen wird im Jahresvergleich um 2,1 Prozent steigen. In den vergangenen vier Jahren wurde jeweils ein Rückgang verzeichnet. PC-Spiele machen etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes aller Games in China aus. Gemäß Niko zeigten die wichtigsten Spiele eine "stabile Performance" und es wurde mehr Geld für Titel ausgegeben, die über nicht lizenzierte Plattformen wie Steam vertrieben werden. Im vergleichsweise kleinen Konsolen-Markt soll der Umsatz um 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen.
Bis Ende 2022 soll es in China 701,8 Millionen Spielende geben. Basierend auf Nikos Schätzungen sollen 39 Millionen Jugendliche aufgehört haben zu spielen. Im August 2021 eingeführte Regelungen für jugendliche Spieler:innen (Spielzeitbegrenzung von Online-Games) werden als Hauptgrund für den Rückgang genannt.
"Chinas Wirtschaft, die Null-Covid-Politik, die Auswirkungen der Jugendschutzbestimmungen und der Mangel an neuen ISBN-Lizenzen für Spiele haben zu den negativen Veränderungen auf dem inländischen Spielemarkt beigetragen", sagte Lisa Hanson, Gründerin und Präsidentin von Niko Partners. "Während 2022 ein rückläufiges Jahr für den Mobile-Games-Markt ist, prognostizieren wir eine Erholung und eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 2,6 Prozent von 2021 bis 2026, basierend auf der Erwartung neuer Games, die das Portfolio älterer Titel ergänzen, und auf Anpassungen der Branchenakteure an die Jugendschutzbestimmungen. Wir beobachten eine dynamische Entwicklung in der Wirtschaft, beim E-Sport, beim PC-Gaming und bei der Begeisterung der mehr als 700 Millionen Gamer in China."
Marcel Kleffmann