ESRB kontert NIMF-Kritik
Das in den USA für die freiwillige Alterskennzeichnung von Spielen zuständige ESRB hat die jüngste Kritik der einflussreichen NIMF-Organisation mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Vor allem, da NIMF Daten einer privaten Testfirma nutzt, die ein finanzielles Interesse bei der Bewertung von Spielen verfolgt, stößt unangenehm auf.
Der Streit über die Alterskennzeichnungspraxis bei Spielen in den USA droht zu eskalieren. Ungewöhnlich deutlich hat das Entertainment Software Rating Board (ESRB) auf die Kritik der Familienorganisation National Institute for Media and Family (NIMF) reagiert.
Auslöser war der inzwischen zehnte jährliche Report des NIMF über die Prüfpraxis im Spielegeschäft. Dabei hatte das NIMF dem ESRB die US-Schulnote "F" für die Treffsicherheit der Altersempfehlungen ausgestellt, die schlechteste Note im US-Schulsystem. Das ESRB hat nun seinerseits eine "schulische" Bewertung des Reports aufgestellt und ein "F" attestiert.
Anlass zur Kritik gibt es tatsächlich mehr als genug: Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass sich die eigentlich unabhängige Non-Profitorganisation NIMF auf Alterseinstufungen von PSVratings beruft, um die ESRB zu kritisieren. PSVratings ist jedoch, im Gegensatz zum ESRB, eine privatfinanzierte Organisation, die sehr wohl gewinnorientiert arbeitet und ein geschäftliches Interesse an einer Diskreditierung des ESRB hat.
Auch die mangelnde Erfahrung bei der Alterseinstufung von Spielen hebt die ESRB hervor: PSVratings hat bis dato rund 100 Titel geprüft und eingestuft, das NIMF selbst hat 35 Spieleempfehlungen ausgesprochen. Das ESRB hingegen hat seit Bestehen über 10.000 Empfehlungen vorgenommen. Auch sind die 35 Einstufungen, die vom NIMF vorgenommen wurden, nahezu identisch mit denen des ESRB.
Last but not least wies das ESRB darauf hin, dass das NIMF selbst 16 Monate vor Release des 10. Reports eine Pressemitteilung herausgab, in der dem ESRB "zur Reform seines Ratingsystems" gratuliert wurde. Im Report selbst schreibt NIMF hingegen, dass die jahrelang geäußerte Kritik vom ESRB nie beantwortet oder beachtet worden sei.
Die Kritik des NIMF ist ein weiterer Stein im Mosaik der aktuellen, unterschiedlich motivierten Proteste gegen die Spielebranche in den USA. Vor allem auf politischer Ebene werden immer wieder Verkaufsbeschränkungen für Spiele gefordert, in denen Gewalt dargestellt wird. Bislang konnten die Verbände der US-Spielebranche jede Gesetzesvorlagen gerichtlich stoppen.