EuroShop mit neuem Konzept erfolgreich
Fachbesucher aus 38 Nationen pilgerten zwischen dem 23. und 27. Februar zur EuroShop, der weltgrößten Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels. Über 1600 Aussteller präsentierten die Trends, mit denen der Einzelhandel die kommenden Jahre mehr Umsätze machen soll.
Im Vorfeld sprach nicht unbedingt alles für eine von investitionsfreudigen Händlern gut besuchte Messe. Die Wirtschaft lahmt, die Kunden halten sich zurück und der Euro sorgt immer noch für Verunsicherung. Für Einzelhändler scheint dies jedoch kein Grund zu sein, trübe Stimmung zu verbreiten. Und so wurden auf der 14. EuroShop in Düsseldorf neue Produkte und Konzepte begutachtet, Trends aufgespürt und in Neuerungen investiert. Die aller drei Jahre stattfindende weltgrößte Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels präsentierte sich diesmal in neuem Gewand. Durch die Aufteilung in vier eigenständige, aber dennoch einander ergänzende Bereiche wollte der Veranstalter, die Messe Düsseldorf, den Veränderungen innerhalb des Handels Rechnung tragen.
Unter dem Namen EuroConcept präsentierte sich das Thema Ladenbau nach wie vor als tragende Säule der EuroShop und nahm mit acht Messehallen auch den größten Raum ein. Rund um den Bereich Schauwerbung, Verkaufsförderung und PoS-Marketing informierte der Messebereich EuroSales. Die EuroCis konzentrierte sich auf Kommunikations-, Informations- und Sicherheitstechnik. Messebau, Design und Events waren die Schwerpunkte auf der EuroExpo.
Allem Anschein nach ist der Einzelhandel derzeit dabei, zu seinen Wurzeln, zum Bodenständigen, zurückzukehren. Diesen Trend bestätigte auch Bernd Hallier, Managing Director des EuroHandelsinstituts (EHI), das sich als ideeller Träger der EuroShop versteht. "Nach den Enttäuschungen durch den E-Commerce ist das Ladengeschäft jetzt wieder der Mittelpunkt."
Elektronische Helfer umstritten
Darüber dürften sich die ausstellenden Ladenbauer gefreut haben, die vor allem auf ganzheitliche Konzepte setzen, die aber trotzdem auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten sind. Allzu oft erlebt zumindest der deutsche Kunde keine Überraschungen in puncto Ladeneinrichtung. Durchschnittlich alle sieben Jahre modernisiert der Nonfood-Handel seine Geschäfte, ergab eine Studie des EHI. Für diesen relativ langen Zyklus sind sicherlich die hohen Investitionskosten mit verantwortlich; mit 164 bis 500 Euro schlägt ein neu eingerichteter Quadratmeter Ladengeschäft zu Buche.
Nach Meinung Halliers sollten Einzelhändler künftig nicht am falschen Ende sparen. Steigender Konkurrenzdruck und die Lust des Kunden auf neue Einkaufserlebnisse würden einen rascheren "Kleiderwechsel" nötig machen. Ein weiterer Trend auf der EuroShop: Künftig könnte es mehr elektronische Unterstützung für die Kunden beim Einkauf und für die Händler beim Verkauf geben. Die Aussteller präsentierten ein umfassendes Angebot, das von elektronischer Warensicherung über Videoüberwachung und Zutrittskontrollen bis hin zu speziellen Shoppingassistenten reicht. Allerdings sind die Meinungen zu elektronischen Hilfen für den Kunden geteilt. Deutlich wurde dies zum Beispiel auf dem Kongress "Innovationstag Handel", der begleitend zur EuroShop stattfand.
Susan Sharoodi von der US-amerikanischen Supermarktkette Stop & Shop stellte ein Pilotprojekt vor, den personalisierten Shoppingassistenten. In Form eines drahtlosen Bildschirms, der auf den Einkaufswagen gesetzt wird, soll der elektronische Begleiter Informationen über Kundenverhalten an den Händler liefern, aber auch den Kunden durch den Markt führen und ihn beraten. Deutsche Händler stehen solchen Neuerungen noch skeptisch gegenüber. Kurt Jox, Geschäftsführer Marktkauf: "Bevor man neue Technologien einsetzt, muss man sich immer erst fragen, ob es dafür überhaupt eine Akzeptanz beim Kunden gibt." Nicht zu unterschätzen sei nach wie vor das Bedürfnis der Konsumenten nach persönlichem Kontakt zu Verkäufern beim Einkauf.
Jede Menge Informationsbedarf scheint es innerhalb des Handels noch zum Thema Kundenbindung durch Kundenkarten zu geben - die Messestände der entsprechenden Spezialisten waren gut besucht. Kein Wunder, denn eine Untersuchung des EHI im Vorfeld ergab, dass drei viertel aller Handelsunternehmen nach dem Wegfall des Rabattgesetzes den Auf- oder Ausbau ihrer Beziehungen zum Kunden planen. Im direkten Vergleich räumen Händler den individuellen Kundenbindungssystemen ein höheres Potenzial ein als unternehmensübergreifenden Bonuspunkteprogrammen. Gegen den üblichen Rabatt von drei Prozent bei Bonussystemen wie Payback sprach sich beispielsweise Marktkauf-GF Kurt Jox aus. Seine Supermarktkette versucht Kunden mit einer Treuekarte zu binden. Anders als bei großen Bonusprogrammen gibt es für die Kunden keinen Rabatt, dafür aber die wöchentliche Chance auf einen größeren Geldgewinn. Individuelle Kundenbindung hält auch Klaus Eierhoff, Vorstand der Bertelsmann DirectGroup, für unabdingbar. Beim "Innovationstag Handel" erklärte er, Bertelsmann wolle in Zukunft vermehrt auf persönlich zugeschnittene Angebote setzen. Verwirklicht werden soll dieses Konzept im Rahmen von sehr kleinen Spezialklubs.
Einen Blick in die nahe Zukunft erlaubte die vom EHI präsentierte Sonderschau "Shopping Tomorrow". Individualisierung lautet auch hier das Schlagwort, maßgeschneiderte Lösungen sind gefragt. Präsentiert wurde zum Beispiel die bargeldlose Bezahlung per Radio Frequency Identification-Chip (RFID). Die Daten des in die Kleidung integrierten Chips werden von einem eigens dafür entwickeltem Kassensystem gelesen und auf der Kasse angezeigt.
Die Zukunft im Visier
Durch sie wird anschließend Kontakt zur Bank des Kunden hergestellt und der Betrag der gekauften Ware abgebucht. Das Mitnehmen von Bargeld oder Kreditkarte erübrigt sich damit. Weitere Neuerungen auf der Zukunftsschau der EuroShop waren die Möglichkeit elektronischer Preisauszeichnung oder das Probehören aktueller CDs mit anschließender Bestelloption über Handy. Unter dem Dach der Sonderschau stellte die Metro-Tochter Kaufhof ihre Multimediaservices vor, die nach und nach in allen Galeria-Filialen zum Einsatz kommen sollen. Präsentiert wurden unter anderem ein elektronisches Wegeleitsystem und der Infodesk; beide dienen Kunden zur Vorinformation. Spielefans können sich jetzt schon im so genannten Tech-Lab - ebenfalls ein Multimediaservice - über Hard- und Software für PCs informieren. Klaus Albus, Projektleiter Multimedia-Marketing bei Kaufhof, erklärte gegenüber GamesMarkt.de, durch diese Tools wolle man zwar dem Kunden zu schneller und gezielter Information verhelfen, das eigentliche Verkaufsgespräch aber nicht umgehen. Die Argumentation: Weil Kauffreudige durch die elektronischen Hilfen schneller wissen, was sie konkret suchen, bleibt letztendlich mehr Zeit für gezielte Beratung durch die Verkäufer.
Einen Blick in die Zukunft wagte innerhalb des "Innovationstags Handel" auch Dan Hopping, Chief Retail Consultant der IBM Corporation. Auf die Frage, wo der Einzelhandel in fünf Jahren stehen werde, antwortete er: "Dann wird die Art und Weise eine andere sein, wie sich der Händler mit seinen Kunden in Verbindung setzt. Heute werden sechs Prozent der Geschäfte per Internet abgewickelt. Mit 94 Prozent ist das Ladengeschäft ein Schlüsselelement. Das Internet ist das bequemste Geschäft, aber nicht das profitabelste. Der Kunde muss sich auch künftig im Laden wohl fühlen."