fmx/02 - Kongress für digitale Medienproduktion
Die fmx ist in erster Linie ein Kongress für die "Digital Artists" der TV und Film-Branche. Einen speziellen Spieleschwerpunkt gibt es auf der fmx noch nicht - doch die Verwandtschaft zum Videospiel ist eng.
Manchmal sind Computerspiel und Film wie Mutter und Tochter - man denke an Filme wie "Tomb Raider" oder "Resident Evil". Doch auch wenn die Verwandtschaft nicht immer so direkt ist, liegen die beiden Medien so nahe beieinander, dass es sich für Spieleprogrammierer und -entwickler allemal lohnt, sich auf der fmx umzusehen.
"Was heute im Filmbereich gemacht wird, das ist in wenigen Jahren auch Standard bei den Computerspielen", beschreibt ein junger Spieleentwickler seine Eindrücke nach dem Besuch von Vorträgen weltweit renommierter Visual Effects Supervisors aus den Pixar- oder Disney-Studios. Oder anders gesagt, die Effekte, die in TV- und Kinofilmen in mehreren Minuten pro Frame gerendert werden, sind schon bald in Echtzeit im Computerspiel möglich. Da der Film- und Fernsehmarkt wesentlich größer ist als der Spielemarkt, ist er logischerweise der Schrittmacher, wenn es darum geht, Tools und Techniken voranzutreiben - ob es nun Maya oder 3D Studio max ist. "Visual effects (vfx) sind aus der Film- und Fernsehproduktion nicht mehr wegzudenken," macht fmx-Programmleiter Thomas Haegele den Stellenwert klar. Obwohl Haegele als Leiter des Instituts für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion an der Filmakademie Baden-Württemberg durchaus auch mit den klassischen Techniken wie Puppen- oder Knetanimation zu tun hat, ist der Computer unangefochten Werkzeug Nummer eins der Animations- und vfx-Branche.
Games profitieren von Filmproduktion
Der Rechner wird heute längst nicht mehr nur für spektakuläre Effekte in Filmen wie "Jurassic Park", "Tomb Raider" oder "Die Monster AG" eingesetzt. Vielmehr sind die Effekte heute zu einem großen Teil unsichtbar - und gerade der Blick hinter die Kulissen dieser unsichtbaren Tricks macht die viertägige fmx so spannend. So wurde der erfolgreiche Kinodokumentarfilm "Nomaden der Lüfte" zu einem guten Teil bei der Berliner TVT Postproduction digital nachbearbeitet - wackelnde Kamerafahrten wurden ebenso entfernt wie zum Beispiel die Gischt des Kameraboots.
Ähnlich wie die Technik weist auch die Produktion von Film und Spielen deutliche Parallelen auf. Daniel Dumont, Projektleiter für "Port Royale" bei Ascaron, beschrieb detailliert den Workflow von der Idee bis zur Markteinführung. Ebenso wie bei Filmprojekten läuft er vom Exposé und dem Grobkonzept über die Teambildung bis zur Alphaversion und schließlich zur Marktkommunikation und dem Release. Ascarons neue, im 16. Jahrhundert in der Karibik spielende Wirtschaftssimulation wird Mitte Juni auf den Markt kommen. Die Konzentration, die Dumont auf dem deutschen Spielemarkt beobachtet ("Eine Entwicklung wie die von 'Port Royale" können sich in Deutschland noch rund zehn Firmen leisten"), geschieht übrigens ähnlich auch im Filmbereich, wo sich die großen Produzenten immer stärker auf dem Markt durchsetzen.
Film- und TV-Marktist Schrittmacher
Martin Deppe, Producer bei CDV Software Entertainment AG, nutzte die Gelegenheit, auf das neue Fantasy-Echtzeit- Imperium Galactica III" aufmerksam zu machen. Die gezeigten Trailer sind - wie bei allen Spielen - eigentlich nichts anderes als kleine Filme, die zum Teil von hierauf spezialisierten Dienstleistern produziert werden. Anders als im Fernsehbereich, wo der europäische Markt für die Refinanzierung eines Projekts längst ausreicht, ist für Computerspiele der amerikanische Markt nach wie vor das Maß aller Dinge. CDV hat nicht nur ein eigenes Vertriebsbüro in den Staaten, auch die Entwicklung läuft längst international - "Imperium Galactica III" wurde von einem ungarischen Team entwickelt. 17 Projekte hat CDV zurzeit in der Pipeline. Mit der Unterstützung aus dem neuen Programm "digital content funding" der baden-württembergischen Medien- und Filmförderung MFG entwickelt Jürgen Weyrich mit seiner Stuttgarter Firma Spirit das Action-Adventure-Game "Voodoo Islands".
Mit Koch Media als deutschem Distributor strebt er einen Release Anfang 2003 an. "Mit diesem Spiel haben wir auch Chancen auf dem amerikanischen Markt - wenn wir einen Distributor finden", erklärt Weyrich siegesgewiss. Bevor er in die Spielebranche eintrat, war Weyrich übrigens im TV- und Filmbusiness tätig.
Da gleichzeitig zur fmx die E3 in Los Angeles stattfand, fiel der Bereich Spiele auf dem Stuttgarter Kongress wesentlich kleiner aus als eigentlich geplant. "Im nächsten Jahr werden wir darauf achten", verspricht Organisator Thomas Haegele. Er will dabei keineswegs mit den traditionellen Spielemessen konkurrieren. Dass er es aber ernst meint, die Spielebranche mit ins Boot der fmx zu holen, sieht man an den Aktivitäten an der Filmakademie. Dort sollen sich Studenten im Bereich Content Design auch um Dramaturgie und Look von Spielen kümmern - und sei es nur als Nebenprodukt eines Filmprojekts.