Frankfurter Buchmesse '99
Je mehr Technik Einzug hält, desto weniger werden Inhalte vermutet. Diese Problematik kündigte sich bereits im vergangenen Jahr auf der Buchmesse an und überschattete auch auf der 51. Buchmesse das Get Together der Edutainmentbranche. In diesem Jahr wurde die Multimediahalle vor allem zum Zentrum des Online-Buchhandels.
Nach sechs Tagen Messetrubel war es wieder geschafft: Die 51. Frankfurter Buchmesse schloß am 12. Oktober ihre Pforten. Fast 283.000 Besucher, davon ungefähr die Hälfte Fachpublikum, kamen in die Mainmetropole, um sich über Bücher und neue Medien aus aller Welt zu informieren. 6643 Aussteller aus 113 Ländern präsentierten ihre Neuheiten. Schwerpunktthema auf der diesjährigen Buchmesse war die Autoren- und Verlagslandschaft in Ungarn. Doch im Mittelpunkt des Interesses standen nicht nur die Autorenauftritte von Nobelpreisträger Günter Grass, EX-SPD-Chef Oskar Lafontaine und TV-Sternchen Verona Feldbusch, sondern auch elektronisches Publizieren.
Wie schon in den vergangenen sechs Jahren präsentierte sich die Info-und Edutainmentbranche in der Electronic Media-Halle 4.0. Obwohl alle Anbieter fast einstimmig die Buchmesse weiterhin als absolutes Muß für die Non-Games-Branche bezeichneten, wurde vielerorts auch Kritik an der Positionierung laut. Von veraltetem Konzept, zuviel Technik statt Inhalten und anachronistischer Trennung von Buch und Multimedia war hier die Rede. Nicht ohne Grund zieht es immer mehr Publisher zu ihren Mutterverlagen in die Buchhallen. Andere gründen kurzerhand eine Niederlassung im Ausland, die einen Auftritt in den internationalen Hallen ermöglicht. Hier zeigt sich mehr Laufpublikum, und Buchhändler können über die Inhalte auf das Medium CD-ROM aufmerksam gemacht werden. So war zum Beispiel der Berliner Publisher Tivola sowohl in der Halle 4.0 als auch in der Kinderbuchhalle 6.2 und der Halle 8 für internationale Verlage vertreten.
Große Buchverlage wie Langenscheidt, Brockhaus, Ravensburger, Egmont oder United Soft Media verzichteten ganz auf einen Stand in der Multimediahalle. Cornelsen und Heureka-Klett gehörten zu den wenigen, die sich noch eine Doppelpräsenz in zwei Hallen leisteten. Ubi Softminimierte seinen Auftritt gar auf wenige eigene Quadratmeter am Heureka-Stand. Immerhin ging in diesem Jahr die Zahl der Aussteller mit technischem Equipment zurück, um Anbietern von Online-Diensten Platz zu machen. Erstmals bot die Messe neben dem Länderschwerpunkt auch einen Themenschwerpunkt an: "Buch@Internet". Zu diesem Thema informierten Global Player wie BOL, Amazon und buecher.de die Besucher sowie diverse Vorträge und Workshops zum Thema Online-Buchhandel. Allein in Deutschland wurden '98 Bücher im Wert von 60 Mio. Mark über das Netz verkauft. Sicherlich eine positive Entwicklung auch für die Anbieter von Offline-Produkten.
Dank des neuen Schwerpunkts rückten digitale Medien einmal mehr in den Mittelpunkt des Interesses und lotsten den Besucherstrom auch in die Electronic Media Halle. Bleibt zu hoffen, daß nach dem Rücktritt des langjährigen Messedirektors Peter Weidhaas, der nach einem Vierteljahrhundert die Regie abgibt und in den Ruhestand tritt, sein Nachfolger Lorenzo Basel die Buchmesse und insbesondere die Halle 4.0 im kommenden Jahr für die Multimediabranche wieder attraktiver gestaltet und Highlights schafft. Denn je stärker Messen wie Milia, CeBit Home und IFA die Gamesbranche fokusieren, desto wichtiger wird ein entsprechendes Forum für die Non-Games-Anbieter.