Activision Blizzard hat sich offenbar von Blizzard Präsident J. Allen Brack getrennt. In einem offenen Brief wurden Jen Oneal und Mike Ybarra als seine Nachfolger vorgestellt, Brack jedoch nur in einem Nebensatz erwähnt. Der Blizzard-Chef geriet in den vergangenen Tagen massiv in die Kritik, nachdem der Publisher wegen seiner diskriminierenden und frauenfeindlichen Arbeitskultur angeklagt wurde.

Formal ist es lediglich eine Personalie, wenn auch eine Top-Personalie: Jen Oneal und Mike Ybarra, beide seit fast bzw. über 20 Jahren bei dem US-Top-Entwickler Blizzard tätig, werden Blizzard-Entertainment künftig gemeinsam leiten. Beide kommen aus der Entwicklung. Oneal war zuletzt Executive Vice President of Development, Ybarra war Executive Vice President und General Manager of Platform and Technology. Gemeinsam übernehmen sie die Aufgaben von J. Allen Brack, den bisherigen President von Blizzard, der das Unternehmen verlässt um sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Doch das ist nur die offizielle Lesart. Dass Bracks Ausscheiden in Form eines Briefs von Daniel Alegre, Präsident und COO der Mutterholding Activision Blizzard, verkündet wird, ist ungewöhnlich. Dass Brack mit keinem Wort gedankt und sein Name nur in einem Nebensatz am Ende erwähnt wird, spricht Bände.

Tatsächlich geriet der Blizzard-Präsident in den vergangenen Tagen zunehmend unter Druck, nachdem das Unternehmen wegen seiner diskriminierenden und frauenfeindlichen Firmenkultur verklagt vom Department of Fair Emplayment and Housing von Kalifornien verklagt wurde. Die staatliche Stelle hatte zwei Jahre lang entsprechende Vorwürfe geprüft und untersucht. Die Entscheidung für eine Anklage zeigt, dass man von einem systematischen Problem ausgeht und nicht von Einzelfällen.

In einem ersten Statement verurteilte Brack zwar die Vorfälle und kündigte Maßnahmen seitens des Managements an, nahm aber zugleich auch die MitarbeiterInnen des Konzerns in die Verantwortung. Von Beobachtern wurde sein offensives Statement massiv kritisiert, was wohl auch zu deutlich demütigeren Äußerungen anderer Activision-Blizzard-Manager sowie des ehemaligen Blizzard-President Mike Morhaime führte.

Auch wenn in der Personalie von heute weder die Klage noch die Unternehmenskultur von Blizzard thematisiert wurden, so scheint es doch klar, dass das Konzernmanagement keine Chance für einen Neuanfang oder eine Aufarbeitung der Vorwürfe mit Brack an der Spitze sah.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.
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