Realismus statt Melodramatik: Vermutlich im Juli zeichnet THQ ein erschreckend echtes Bild des Krieges. Zu realistisch für die Kunden?

Für deutsche Publisher empfiehlt es sich, zu manchem Produkt einen Krisen-PR-Plan griffbereit in der Schublade liegen zu haben. In unserem Land sind Video- und Computerspiele immer noch dankbare Sündenböcke für gesellschaftliche Fehlentwicklungen; Publikumspresse und Politik nähren nur allzu gern die Ängste des Volks mit Plattitüden über gewalttätige Spiele und deren skrupellose Hersteller.

"Full Spectrum Warrior" für Xbox ist so ein Fall für eine vorgefertigte Sprachregelung, denn das Strategiespiel der Pandemic-Studios ("Dark Reign 2") ist alles andere als ein reines Unterhaltungsprodukt.

Was Publisher THQ ab Mitte Juli als "Real Life Strategy" anpreisen will, basiert auf einer ultrarealistischen Simulation, die im Auftrag des US-Militärs entwickelt wurde und der Schulung von Infanteristen dient - das Unterrichtsfach: teambasierter Häuser- und Straßenkampf.

Ein Land wird "befreit"

Für die kommerzielle Variante intensiviert Pandemic die Action, verschönert die Optik, bietet temporeichere Aufträge und ein breiteres Waffenarsenal. Im Kern bleibt "Full Spectrum Warrior" aber eine taktikschwere Gefechtssimulation.

Der Einsatzort ähnelt aktuellen Konfliktherden der US-Armee: Im asiatischen Fantasieland Zekistan herrscht der Fundamentalist Al Afad, der antiwestlichen Terroristen Unterschlupf gewährt und sein Volk misshandelt. Nach diversen verpufften UN-Resolutionen entschließt sich die Nato zur bewaffneten "Befreiung" des Lands.

Der Spieler übernimmt die Rolle eines Gruppenführers, der in der Haupstadt Zekistans zwei Teams mit insgesamt acht Infanteristen durch die Straßen dirigiert und einen aufreibenden Kleinkrieg gegen Al-Afad-Schergen und Terroristen führt. Dabei wird nie eigenhändig geballert, ja noch nicht mal ein konkreter Schussbefehl erteilt.

Teams führen statt wild ballern

Trotz vollwertiger, Shooter-ähnlicher 3D-Optik steuert der Spieler nur einen Cursor, mit dem er die Teams zu einer Position befiehlt oder durch den ein Bereich markiert wird, der unter besonderer, schussbereiter Beobachtung liegen soll.

Diese indirekte Steuerung der kleinen Kampfeinheiten, die eher an Echtzeit-Strategie als 3D-Action erinnert, erfordert Höchstleistungen der Entwickler in puncto Künstliche Intelligenz: Die Soldaten müssen sich wie Menschen verhalten - gehorsam gegenüber dem Befehlshaber, aber dennoch clever genug, die jeweilige Lage selbst einschätzen zu können.

"Rules of Engagement"

Und natürlich besitzen die acht Männer eigene Wesenszüge, die je nach Bedrohungssituation unterschiedlich zum Tragen kommen. Dass die Untergebenen Charakter haben, dient noch einem weiteren Zweck: Der Spieler soll sich als Kommandant für seine Leute verantwortlich fühlen - Hasardeure werden durch Misserfolg und schlechtes Gewissen bestraft.

Zudem folgt das Spiel den offiziellen "Rules of Engagement" der US-Armee, soll heißen: kein blindwütiges Ballern, Vermeidung von Kollateralschäden, Beachtung kultureller und sozialer Besonderheiten des Landes.

Dieser extreme Realismus von Szenario und Design ist die größte Stärke von "Full Spectrum Warrior", aber auch ein gewaltiges Problem: Skepsis und Ablehnung in der Öffentlichkeit wären ob der aktuellen Lage im Irak nur allzu verständlich.

Nachgefragt:

Wir sprachen mit Achim Kürten, Marketing Director THQ Entertainment, über die besonderen Merkmale von "Full Spectrum Warrior".

» "Full Spectrum Warrior" ist ein realistisches Kriegsspiel. Befürchten Sie nicht öffentliche Kritik?

"FSW" ist kein Kriegsspiel, sondern die realistischste Militärsimulation auf dem Markt für PC- und Videospiele. Bei "FSW" geht es nicht wie bei vielen anderen Spielen um das Bekämpfen und Töten eines Gegners als primäres Ziel. Vielmehr steht die richtige Strategie im Vordergrund, die ähnlich einem Echtzeitstrategiespiel ausgearbeitet werden muss. Der Spieler macht sich Gedanken darüber, wie er mit seinen Jungs die Mission erfüllt und - ganz entscheidend - sie wieder heil nach Hause bringt. Hierbei sind die Form der Darstellung und die Inhalte selbst so gehalten, dass wir derzeit von einer USK-16-Einstufung ausgehen.

» Wie stark ist der Einfluss US-Militärangehöriger auf die Entwicklung des Spiels?

"FSW" ist das Ergebnis der kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen dem US-Militär und dem Entwickler Pandemic. Zuerst wurde die Armyversion unter der Prämisse höchsten Realismus entwickelt. Daraufhin hat THQ diese Version auf ihre Umsetzbarkeit als authentischste Militärsimulation für PC und Konsole analysiert und letztlich realisiert.

» Was hebt "Full Spectrum Warrior" von den erfolgreichen Strategieballereien eines Tom Clancy ab?

Im Gegensatz zu "Rainbow Six" steht bei "FSW" die gemeinsame Bewältigung von realistischen militärischen Situationen im Vordergrund. Die Teammitglieder sind kein Mittel zum Zweck, sondern gleichberechtigte Menschen, auf die der Spieler achten muss. Ein Verlust der Teammitglieder ist in jedem Fall zu verhindern und führt letztlich zum Abbruch der jeweiligen Mission.

» Dürfen Spieler auf zusätzliche Karten und Missionen als Xbox-Live-Downloads hoffen?

Ja, wir werden die Attraktivität des Titels mittels Downloads weiter erhöhen und somit den Grundstein für "FSW" als Longseller legen. Über die genauen Features, die wir zum Download anbieten werden, werden wir die Spielergemeinschaft in den kommenden Wochen bis zum Produktrelease noch ausführlich informieren.

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