Die Preisreduzierungen von PS2 und Xbox wurden grundsätzlich positiv aufgenommen. Auch wird von einer Marktbelebung durch die neuen Preise ausgegangen. Vielen ging der Schritt jedoch nicht weit genug, auch weil Nintendo mit einem Preisvorteil von weiterhin 50 Euro nicht unter Druck gerät.

Am Pressetag der GC - Games Convention, 24 Stunden vor Messebeginn, purzelten die Preise für PlayStation 2 und Xbox in Deutschland. Ab dem frühen Morgen liefen bundesweit Radiospots von Saturn, in denen die PS2 für einen Verkaufspreis von 249 Euro angepriesen wurde. Nachmittags um 13.50 Uhr bestätigte Manfred Gerdes auf der Pressekonferenz von Sony Computer Entertainment Deutschland in Leipzig den neuen empfohlenen Verkaufspreis.

Branche hat mehr erwartet

Knapp eine Stunde zuvor hatte auch Hans Stettmeier, Director der Home and Retail Division von Microsoft Deutschland, nur etwa 50 Meter Luftlinie entfernt vor knapp 100 Pressevertretern gestanden. Und auch er kündigte einen neuen empfohlenen VK von 249 Euro an. Dieser trat allerdings nicht sofort in Kraft, sondern erst am 30. August, zwei Tage nach der Pressekonferenz. Eine echte Überraschung war das Manöver jedoch nur für branchenfremde Journalisten. Schon im Vorfeld kursierten entsprechende Gerüchte. Nicht zuletzt weil die Konstellation zweier parallel stattfindender Messen mit GC und ECTS eine idealen Anlass für eine Preisreduzierung darstellen.

Die allgemein verbreitete Vorahnung, dass es zu einer Preisrunde kommen würde, war aber nicht der einzige Grund, warum die Reaktionen seitens Industrie und Handel optimistisch, aber nicht euphorisch ausfielen. Die Branche hatte mehr erwartet. "Mit ihrer jeweiligen Preisreduzierung haben Sony und Microsoft positive Akzente gesetzt. Aber der Handel hat mit einer höheren Preissenkung gerechnet", bringt es Kai Stüwe, Produktmanager bei Flashpoint, auf den Punkt. Es bleibe abzuwarten, ob Sony und Microsoft damit Erfolg haben werden. "Eine höhere Preisreduzierung wäre für den Handel vorteilhafter gewesen", sagt Stüwe. In eine ähnliche Richtung geht auch die Reaktion von McMedia. "Zwar haben wir erwartet, das in nächster Zeit etwas passiert, haben uns aber einen eindeutigeren Schritt erhofft", kommentiert Produktgruppenmanager Efthimios Sidiropoulos die Maßnahme. Nun sei man bei McMedia gespannt, was Nintendo unternehmen wird.

Doch genau da liegt die Krux. Die Maßnahme von SCED und Microsoft zwingt die Großostheimer nicht unmittelbar zu einer Reaktion. "Zwischen PS2/Xbox und GameCube liegt immer noch eine Preisdifferenz von 50 Euro", resümiert Nicolaus Fäustle, GF Electronics Boutique AG. Auch er sieht keinen direkten Handlungsbedarf: "Ich denke, dass Nintendo vorerst die Finger von der Preisschraube lässt." Verständnis für den "kleinen Schritt" der beiden großen Anbieter zeigt Stefan Sander, GF World of Games: "Man muss bedenken, dass 50 Euro bereits ein großer Schritt sind. 199 Euro wären wirklich ein Kampfpreis gewesen." Doch auch Sander glaubt, dass Nintendo vorerst beruhigt sein kann.

Nicht anders kommentieren auch die Third-Party-Publisher die Preisreduzierung auf 249 Euro. "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, der für mich jedoch nicht weit genug gegangen ist", sagt Dr. Dietrich Meutsch, GF THQ Deutschland. Im Hinblick auf die konjunkturelle Lage äußerte er Zweifel, ob diese Maßnahme ausreiche, um die Kaufdynamik zu erreichen, die sich die Branche wünscht.

"Schritt in die richtige Richtung"

"249 Euro ist noch immer sehr viel Geld für eine Spielekonsole", sagt Meutsch. In Gesprächen mit dem Handel habe THQ mehr als einmal herausgehört, dass der Handel mit einer weiteren Preisrunde vor Weihnachten rechnet. Er persönlich könne sich dies jedoch nicht vorstellen, so Meutsch. Nicht anders reagiert Odile Limpach, Geschäftsführerin Ubi Soft. Auch sie habe sich niedrigere Preise gewünscht. "Allerdings bin ich zuversichtlich, dass die neuen Preise für eine Belebung des Markts sorgen werden."

Dem kann Lars Winkler, Marketing Director von Eidos Interactive, nur zustimmen: Beide Konsolen seien nun für potenzielle Käufer attraktiver geworden. "Es würde uns kaum wundern, wenn die Branchenweisheit 'Software zieht Hardware' nun auch umgekehrt werden kann in 'Hardware zieht Software'", freut sich Winkler auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Als gutes Signal zur richtigen Zeit wertet auch Frank Holz, Marketing Director von Infogrames, die vollzogene Preissenkung. Auf beiden Konsolen stünden zudem Topreleases bis Weihnachten an, was zusammen mit dem neuen Preis zu einem Push der Hardwareverkäufe führen werde. "Ich denke, dass viele Käufer auf einen Preispunkt von 199 Euro warten", gibt Holz jedoch zu bedenken. Eine erneute Preisrunde vor Weihnachten hält er indes für "unrealistisch".

"Ich vermute, dass dies nicht die letzte Preissenkung vor Weihnachten war", meint hingegen Odile Limpach. Allerdings lässt die Ubi-Soft-Chefin offen, ob sie damit auch weitere Preisreduzierungen bei PS2 und Xbox meint. "Ich wünsche mir, dass nun auch möglichst schnell auch der Preis vom Game Boy Advance gesenkt wird", mahnt sie in Richtung Nintendo-Handheld an. "Dies wäre wohl die einzige Maßnahme, um die installierte Basis der mobilen Konsole zu erhöhen." Mit den GBA-Zahlen sei Ubi Soft - immerhin der führende Third-Party-Publisher bei GBA - definitiv nicht zufrieden.

"Der Markt und die Regale sind voll. Die Spiele fließen nicht schnell genug ab", sagt Limpach. Während Industrie und Handel also sehr unsicher sind, inwieweit die Maßnahmen von SCED und Microsoft den Dritten im Bunde unter Druck setzen, rät Manfred Gerdes dem Mitbewerber zur Rückbesinnung: "Die Durchverkäufe waren zum Launch gigantisch, sind jedoch im gleichen Maße wieder abgesackt", resümiert er den GameCube-Start aus seiner Sicht. "Ich glaube, dass Nintendo eine durchaus gute Ausgangsposition hat, wenn sie sich auf ihre ehemalige und angestammte Zielgruppe besinnen."

Nachgefragt: Hans Stettmeier, Microsoft

GamesMarkt.de sprach mit Hans Stettmeier, Director Home and Retail Division von Microsoft Deutschland, auf der GC - Games Convention über die ersten Reaktionen auf den neuen Xbox-Preis, die Auswirkungen auf das Saisongeschäft und darüber, was Microsoft im Marketing noch "nachlegen" wird.

GamesMarkt.de: Wie waren die bisherigen Reaktionen auf den neuen Preis?

Hans Stettmeier: Alle Reaktionen, die wir gehört haben, waren positiv. Je attraktiver der Preis für eine leistungsfähige Konsole ist, desto besser ist dies für den Verbraucher. Wir haben den neuen Preispunkt gesetzt, um dem Markt einen neuen Impuls für das Saisongeschäft zu geben. Und ich glaube, dass wir in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis nun eine phänomenale Dimension erreicht haben."

GM: Wie wird sich die Preisreduzierung auf das Weihnachtsgeschäft auswirken?

Stettmeier: In diesem Jahr wird niemand eine annähernd exakte Aussage über den Verlauf des Weihnachtsgeschäfts machen können. Die Marktschwäche in Deutschland ist in der gesamten Nachkriegszeit beispiellos. Welche Impulse möglicherweise von der Bundestagswahl ausgehen werden, ist ebenso wenig vorhersehbar wie der genaue Zeitpunkt, an dem das Weihnachtsgeschäft einsetzen wird. Die Marktgröße kann Microsoft nicht allein beeinflussen, da ist Engagement aller drei Konsolenanbieter gefordert. Mein Ziel muss der Ausbau und die Sicherung des Marktanteils von Microsoft sein.

GM: Welche Marketingaktionen haben Sie für den Herbst geplant?

Stettmeier: Wir werden sehr offensiv agieren. Wir haben interessante Kooperationen geplant und werden intensiv mit unseren Partnerpublishern zusammenarbeiten. Wir haben nicht nur exklusive, sondern auch einzigartige Spiele. Ohne Zahlen nennen zu wollen, kann ich zudem versprechen, dass wir richtig Geld, bspw. für eine starke TV-Kampagne, in die Hand nehmen werden.

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