Gut vorbereitet ist der Einzelhandel in die erste Handelswoche mit dem Euro gestartet. Rechtzeitig waren EDV-Systeme umgestellt, Mitarbeiter geschult und ausreichend Wechselgeld eingelagert worden. Und offensichtlich nutzen bereits zahlreiche Kunden die neue Währung für ihren Einkauf.

Von langen Warteschlangen, unzufriedenen Kunden und verunsicherten Mitarbeitern kaum eine Spur. Das befürchtete Chaos zum Start der neuen Währung Euro ist im Handel ausgeblieben. "Die erste Handelswoche mit dem Euro hat gezeigt, dass der Einzelhandel den Anforderungen gewachsen ist. Er hat seine Feuerprobe bestanden", sagte Robert Weitz, Chefvolkswirt des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE.

Nach einer Blitzumfrage, die die Branchenvereinigung unter Einzelhandelsunternehmen durchführte, hielten sich in der ersten Handelswoche mit dem Euro alle Geschäfte an die freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, sowohl D-Mark als auch Euro anzunehmen. Unabhängig vom Einkauf habe ein Viertel der Unternehmen den Kunden sogar Geldwechsel ermöglicht. Bei den Zahlungsgewohnheiten der Endverbraucher haben sich nach Aussage Weitz' bereits Änderungen ergeben. Am 2. Januar hätten die meisten Kunden noch mit D-Mark bezahlt, tags darauf habe bereits die Hälfte der Verbraucher zum Euro gegriffen.

Ein Trend, den Karstadt -Pressesprecher Michael Scheibe bestätigt: "Am ersten Handelstag des neuen Jahres bezahlte jeweils ein Drittel unserer Kunden mit Mark, Euro oder EC-Karte bzw. Schecks. Am zweiten Tag bezahlten bereits wesentlich mehr Kunden mit Euro." Ähnlich habe es in den Kaufhof-Filialen ausgesehen, sagte eine Mitarbeiterin der Zentralverwaltung des Warenhauskonzerns. Die meisten Kunden hätten vergangene Woche bereits mit Euro bezahlt. Die EC-Karte sei beim Einkauf kaum häufiger zum Einsatz gekommen als sonst. Der HDE-Umfrage zufolge nahmen bei 16 Prozent der Einzelhändler bargeldlose Zahlungen mit EC- oder Kreditkarte zu.

Für den Handel zahlt sich die Vorbereitung auf den Euro nun aus. Wochen bevor Euro und Cents in den Kassen der Einzelhändler lagen, wurden EDV-Systeme umgestellt, Mitarbeiter geschult und ausreichend Wechselgeld eingelagert. "Deswegen hat in unseren Filialen nun alles reibungslos geklappt", so die Kaufhof-Mitarbeiterin. Warteschlangen an den Kassen seien ausgeblieben. Nach Auskunft von Weitz kam es vergangene Woche durch komplizierte Kassenvorgänge bei 36 Prozent der Geschäfte zu Warteschlangen. Ein Grund dafür war, dass sich die Kunden Kassenbons und herausgegebenes Wechselgeld häufiger erklären ließen als sonst. Auch die Zusammenarbeit mit den Banken ließ offensichtlich zu wünschen übrig. "Besonders mittelständische Einzelhandelsbetriebe konnten sich am ersten Tag nur sehr schwer Nachschub an Euro-Wechselgeld beschaffen, weil viele Kreditinstitute keine eigenen Schalter für Firmenkunden eingerichtet hatten", moniert Weitz.

Für die Großhändler verlief die Währungsumstellung völlig ruhig. Zum Beispiel beim Rackjobber ak tronic: "Wir hatten das Unternehmen bereits Ende September komplett auf Euro umgestellt", sagt Geschäftsführer Peter Schroer. Daher habe es vergangene Woche keine Rückfragen von Kunden gegeben. So auch bei Vitrex. "Das Einzige, was sich geändert hat, ist, dass unsere Partner nun nicht mehr nach D-Mark-, sondern nach Euro-Preisen fragen", so Vertriebs- und PR-Mitarbeiter Jens Hildebrandt.

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By Marcel Kleffmann 3 min read