Die GC 2007 umgarnte vor allem den Casual Gamer - ohne dabei jedoch Hardcorespieler zu vernachlässigen.

Der Gamer als solcher ist eine arme Kreatur. Auf der Reise zur gesellschaftlichen Integration musste er in ca. 25 Jahren Spielegeschichte viele Hürden nehmen. Erst als weltfremder Technikfreak bemitleidet, führte sein Weg danach zum sozial inkompetenten Nerd - der nichtsdestotrotz bei Bedarf als potenzieller Killer herhalten muss. Aktuell hat er angeblich ein kleines Onlinesuchtproblem, gepaart mit Realitätsverlusten. Mist!

Die ultimative Attacke hat jetzt aber die Spielebranche selbst in Angriff genommen: Sie will ihm auch noch Geschlecht und Jugend rauben. Der typische Gamer soll in Zukunft verstärkt weiblich und tendenziell betagter sein. Statistisch jedenfalls. Gelegenheitsspiel - Casual Gaming - hieß daher das Trendwort der diesjährigen Games Convention, die Leipzig wieder für vier Tage zum Brennpunkt für Europas Joystick-Jockeys machte. Rein mit Spaß und Bedienkomfort, raus mit kompliziert.

Frauen erobern virtuelle Welten

Wii jetzt? Genau! Spätestens seit Nintendos weiße Zauberkonsole den Next-Gen-Boliden verkaufstechnisch die Show gestohlen und dank rapider Lernkurve bisher resistente Menschheitsteile zu Remote und Nunchuk greifen ließ, weiß die Branche: Da geht was. Und da geht sogar allerhand: Neue Controller ermöglichen noch umfassenderen Körpereinsatz, kaum ein Musikstil mit dem Mann/Frau sich nicht zum Partysingstar trällern kann. Kein Wunder, dass so gut wie jede Softwareschmiede Richtung Wii und Casual Gaming schielt.

Auch PC, Xbox, PlayStation & Co. setzen softwaretechnisch Segel Richtung nice&funny: Effizienter Hirne, bessere Augen - kein Organ, dass noch nicht per Mausklick gepimpt werden kann. Auch Sudoku und so fort entpuppen sich als Dauerbrenner - eine Eco-Nische, die speziell von Nintendos DS extrem erfolgreich besiedelt wurde.

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Und wo vergangenes Jahr Xbox 360 und PS3 noch durch reine Kraftmeierei beim Publikum punkten wollten, ist jetzt die Kombination von Herz und Hirn Trumpf. Bestes Beispiel: Sonys Kreativknuddelei "Little Big Planet". Dank simpler Bedienung, kombiniert mit fast unendlichem schöpferischen Potenzial, wird der Titel nach Erscheinen wohl gleich die Herzen der kompletten Familie brechen.

Damit wären die Konsolen genau da angekommen, wo sie verzweifelt hin wollen. Ins Wohnzimmer - statt nur im Arbeitszimmer dem Herrn des Hauses die Freizeit zu versüßen.

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Natürlich bekamen auch Hardcoregamer, deren Welt von fps und Gigahertz bestimmt wird, vor manch Monitor feuchte Augen. Hightechhämmer wie "Crysis", "The Witcher", "Assassin's Creed" oder "Pro Evolution Soccer 2008" hängen die Latte für zeitgemäßes Gameplay auch 2007 ein ganzes Stück höher.

Zugleich geht der Trend zum vernetzten Spiel unaufhaltsam weiter: Kaum eine erdenkbare Welt, die noch nicht online abgebildet wurde und versucht, dem Chef im Ring, "World Of WarCraft", virtuelle Bevölkerung abspenstig zu machen. Dort verbirgt sich angeblich bereits hinter jedem dritten Charakter eine Frau.

Ganz so weit war die GC dieses Jahr noch nicht. Immerhin lag der Anteil weiblicher Spielefans bereits bei 20 Prozent - und satte 52 Prozent der Besucher waren über 20 Jahre alt. So lautet jedenfalls die offizielle Statistik der Messeleitung. Ob diese vorhat, kommendes Jahr Seniorentarife anzubieten, ist noch nicht bekannt. Aber wenn die Entwicklung so weitergeht, wäre es eine Überlegung wert.

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