Höllische Action in der Stadt der Engel
Nach der Trendsportflut konzentriert sich Activision auf wenige Titel und breite Genreabdeckung. "True Crime" zieht vor allem die Fans der maßlos populären "Grand Theft Auto"-Reihe an.
Auch wenn man dem Activision-eigenen US-Entwickler Luxoflux Unrecht tun mag: Spielt man das action- und gewaltreiche Cop-Abenteuer "True Crime - Streets Of L.A.", so drängt sich der Vergleich mit Rockstars abgeschmackter Kriminellensaga "Grand Theft Auto" einfach auf. Zu zahlreich sind die Parallelen: Zwar steht Hauptfigur Nick Kang als Undercover-Polizist auf der richtigen Seite des Gesetzes, nach seinem Alltag zu urteilen, würde er sich aber in Vice City bestimmt ebenso wohl fühlen wie in Los Angeles.
Die Fahrzeugselbstbedienung aus dem fließenden Verkehr heißt nun nicht mehr Car-Napping, sondern Beschlagnahme, das bunte Schusswaffenarsenal richtet sich bevorzugt gegen böse Buben, statt selbst von einem benutzt zu werden. Zwar kann Kang aus Versehen oder in menschenverachtender Absicht unbeteiligtes Volk via Pistole und Fahrzeug niederstrecken. Zu häufig sollte der Vertreter des Gesetzes dieses aber nicht brechen, sonst wird er vom Jäger zum Gejagten.
Zudem lohnt sich ein Verhalten im Sinne Justizias: Gesetzestreue Verhaftungen und Shoot-Outs verschaffen Bonuspunkte, die in Kampf-, Schieß- oder Fahrtraining investiert werden und so der Verbesserung der Zielgenauigkeit oder der Verinnerlichung einer Prügel-Kombo dienen. Und an seinen Fähigkeiten sollte der Spieler ständig arbeiten, denn der Weg zu einem der drei Finale führt über 100 Missionen. Trotz der starken Betonung auf eine durchgehende, in Zwischensequenzen erzählte Story legen die Entwickler Wert auf spielerische Freiheit - und folgen damit einem "GTA"-Erfolgsrezept.
Auf der Fahrt zu Missionszielorten ereignen sich z. B. stetig Zufallsverbrechen: Über Funk und Radar wird Kang auf randalierende Basketballfans, streitende Familien oder prügelnde Zuhälter aufmerksam gemacht - der Spieler darf, muss sich aber nicht, um derlei Alltagskriminalität kümmern. Auch die obligatorischen Aufträge werden mit einem Höchstmaß an (Frust-)Freiheit durchgeführt. Bei Versagen in einer Teilsequenz kann sich der Spieler entscheiden, die Szene zu wiederholen oder unter veränderten Vorzeichen weiterzumachen.
Beinahe jeder Aspekt von "True Crime" offenbart den Wunsch, das bessere "GTA" auf den Markt zu bringen: Eine 240 Quadratmeilen große, lebendige Stadtlandschaft lädt zur ausgedehnten Spazierfahrt ein, variantenreiche Prügeleien, samt zuschaltbarer Zeitlupenfunktion, sorgen für das typische Flair eines Hongkong-Actionfilms. Zur Erstklassigkeit in Umfang, Optik und Handhabung gesellt sich eine professionelle Akustik: Hollywoodmimen wie Gary Oldman, Christopher Walken oder Ron Perlman leihen den Charakteren ihre Stimme, über 80 Musiktitel, von Snoop Dogg bis Ice T., formen einen mächtigen Soundtrack. "True Crime" erscheint am 13.11. für PS2, Xbox und GameCube.