Im Gespräch: Andreas Stock, GF Activision
Activision performed seit geraumer Zeit sehr gut. Weitere Umsatzpotenziale sieht das Unternehmen im Bereich Filmlizenzen. Im Gespräch mit GamesMarkt.de verrät Andreas Stock, Geschäftsführer Activision Deutschland, das Erfolgsrezept und legt seine Ziele und Pläne offen.
GamesMarkt.de: Steigen wir gleich mit einem Superlativ ein: Activision hat im 3. Quartal (Oktober bis Dezember) des laufenden Geschäftsjahrs das erfolgreichste Quartal in der Firmengeschichte eingefahren.
Andreas Stock: Das stimmt. Wir haben in besagtem Zeitraum bei Umsatz und Profit das stärkste Ergebnis seit Firmengründung erzielt. Sehr hohen Anteil daran Tony Hawk's Pro Skater 3" für PS2, der seit Release im November mehr als 120.000 Units verkauft hat. Das gleiche Volumen haben wir übrigens auch mit dem PC-Titel "Return To Castle Wolfenstein" erreicht, der erst im Dezember veröffentlicht wurde. Übrigens ein zweiter Rekord, den ich hier für unsere Firmenhistorie reklamieren darf: Auf das Konto von "Wolfenstein" geht die höchste Sellthroughrate von allen Activision-Produkten ever. Auch "Star Trek Armada 2", unser zweiter starker PC-Titel, ebenfalls im November in den Handel gebracht, hat über 50.000 Stück verkauft. Damit hatten wir gleich drei überaus erfolgreiche Titel in der umsatzstärksten Saison optimal platziert. Dieses Spiel beherrschen wir mittlerweile perfekt: Die Veröffentlichung der Produkte in der High-Peak-Time, also im November, Dezember, oder zu Ostern. Movie-Releases bilden hier natürlich die Ausnahme, weil wir dabei an die Kino- beziehungsweise Videostarttermine gebunden sind.
GamesMarkt.de: Activision ist seit Jahren ein zuverlässiger Lieferant von qualitativ hochwertigen Spielen...
Andreas Stock: Ja, unsere Multiplattformstrategie zahlt sich aus. Das spiegelt auch die Tendenz von Activision in den vergangenen Jahren, was sich auch in unserem Aktienkurs niederschlägt. Vor drei Jahren lagen wir bei sechs Dollar die Aktie, heute kostet sie über 30 Dollar. Wir hatten immer ein, zwei Titel im Portfolio, die nach Verkaufszahlen stets in der obersten Liga rangierten. Dabei sind wir nie zu früh auf neue Plattformen aufgesprungen, wie auch das Beispiel PlayStation 2 wieder einmal gezeigt hat, sondern haben stets den Hype abgewartet, um dann zu punkten. Was uns dann in der Regel auch gelungen ist. Bei Xbox und GameCube sind wir von Anfang an mit Launchtiteln dabei, deren Durchverkauf sich nach den aktuellen Preisreduzierungen der Hardware besser gestalten dürfte.
"Das Produkt steht im Vordergrund"
GamesMarkt.de: Die Performance von Activision Inc. ist, objektiv betrachtet, sehr beeindruckend. Im Unterschied zu anderen Firmen macht Activision aber relativ wenig Aufhebens darum. Warum?
Andreas Stock: Was die Außendarstellung anbelangt, sind wir in der Tat ruhiger als andere Firmen. Das werden wir aber in Zukunft ändern. So haben wir in der jüngsten Vergangenheit einige Finanzleute in das Unternehmen geholt. Das hatte mehrere Gründe, einer war die Optimierung der Investor Relationships. Das positive Activision-Bild wollen wir nun auch in Deutschland stärker kommunizieren. Ein Ziel, das wir uns fürs laufende Jahr gesetzt haben, ist etwa die Verbesserung des Handelsmarketings. Einige sehr gute Aktionen haben wir bereits durchgeführt, beispielsweise die in Kooperation mit dem Cypress Verlag veranstaltete "King Of Style - Championship 2002", die in Handelsoutlets stattfand. Der Titel wurde zwar bereits Ende letzten Jahres gestartet, wir unterstützen ihn aber weiterhin mit Marketing und Promotion, um die Marke länger am Leben zu erhalten, zumal der Titel auch noch als Xbox- und GameCube-Version herausgekommen ist. Mit dieser Aktion haben wir den Händlern, die einbezogen waren, Frequenz verschafft und Käufer erreicht, die zu großen Teilen keine Hardcoregamer waren.
GamesMarkt.de: Handelsmarketing gab es auch für "Star Wars Jedi Knight 2: Jedi Outcast".
Andreas Stock: Für diesen Titel, der am 28. März veröffentlicht wurde, haben wir rund 100 Geschäfte bundesweit mit einem Dekorationsteam besucht. Im Mittelpunkt der Deko stand dabei ein Regiestuhl, der unter anderem mit Plakaten drapiert war. Eine Aktion, die ebenfalls sehr gut angekommen ist, auf kleinster Fläche zu realisieren war und im Schnitt zwei bis drei Tage, gelegentlich auch bis zu einer Woche, stand. Aber selbst danach verschwinden die Materialien nicht vollständig, sie werden vielmehr an anderer Stelle im Laden wieder eingesetzt. Der große Erfolg von "Star Wars: Jedi Knight II" hat uns dann selber überrascht. Das Produkt war sehr schnell ausverkauft. Leider konnten wir nicht sofort nachliefern, da wir Out of Stock waren. Diese beiden Beispiele machen deutlich, dass wir als Industrie wie als Activision sehr wohl Handelsmarketing betreiben. Mehr noch: Wir werden unsere Aktivitäten in diesem Bereich noch weiter ausbauen.
GamesMarkt.de: Mit diesen Aktionen rücken sie auch Activision als Absendermarke stärker in den Vordergrund.
Andreas Stock: Sicher, das ist aber nicht unser genuines Ziel. Im Unterschied zu anderen Firmen stellen wir nicht uns, den Publisher, in den Vordergrund, sondern das Produkt. Dass der Bekanntheitsgrad von Activision in Deutschland nicht so hoch ist, hängt aber auch damit zusammen, dass die meisten Händler unsere Produkte über NBG beziehen, mit uns direkt also kaum Kontakt haben. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen: Ein Kultprodukt wie "Wolfenstein" etwa wird in erster Linie mit Activision identifiziert.
GamesMarkt.de: Wenn ich das richtig beobachtet habe, baut Activision den Bereich Filmlizenzen sehr stark aus.
Ausbau des Bereichs Filmlizenzen
Andreas Stock: Das stimmt. Activision Inc. ist gerade in den USA in vielen Segmenten sehr stark positioniert. Mit dem O2 Sports-Brand hat Activision beispielsweise einen fast genauso großen Marktanteil wie EA mit allen Sports-Titeln. Speziell im Bereich Actionsports sind wir mit deutlichem Abstand US-Marktführer. Um zusätzliches Wachstum zu generieren, müssen neue Potenziale erschlossen werden. Potenzial sehen wir etwa im Bereich Filmlizenzen. Es gab und gibt immer wieder Produktbeispiele zu Filmen, die sich nicht verkauft haben; wir haben indes gezeigt, dass Filmlizenzen sehr gut funktionieren können.
Ich denke dabei z. B. an "Star Trek". Wir werden gleich mehrere Filmthemen releasen, darunter "Spider Man - The Movie" (GCN, PS2, Xbox, GBA, PC), "Blade II" (PS2, Xbox) und "Stuart Little" (GBA, PSone). "Spider-Man" ist das Highlightprodukt im Portfolio des 1. Quartals. Dieser Film wird gleichzeitig auf fünf Plattformen - PC, PS2, Xbox, GBA und GC -, und das bereits kurz vor dem Kinostart, veröffentlicht. Hierfür ziehen wir alle Werberegister. Das Marketing reicht von Crosspromotions mit Columbia TriStar und McDonald"s bis hin zu TV-Spots.
GamesMarkt.de: Lassen Sie uns ein wenig über die Hardware reden. Was sagen Sie zu den Preisreduzierungen bei Xbox und GameCube?
Andreas Stock: Ich begrüße natürlich den neuen Preispunkt für die Xbox. Dass die Reduzierung so schnell nach dem Launch gekommen ist, war für mich überraschend. Ganz offensichtlich hat Microsoft europaweit nicht die Stückzahlen erzielt, die sie sich vorgestellt hatten. Die besonderen Umstände auf dem deutschen Markt mögen bei einer solchen Entscheidung eine gewisse Rolle gespielt haben, den Ausschlag haben sie aber mit Garantie nicht gegeben. Der Einstiegspreis war schlichtweg zu hoch. Denn an der Konsole kann es nicht gelegen haben, die ist ohne Zweifel sehr gut. An der Software ebenso wenig, im Gegenteil, es hat noch nie so viele und qualitativ gute Launchtitel zum Start einer neuen Plattform gegeben. Wie dem auch sei, wir als Publisher können uns über den neuen Preispunkt nur freuen, schließlich dürfte er den Abverkauf der Hardware deutlich steigern. Und damit wird die Nachfrage nach Produkten ebenso deutlich steigen, wovon wir als 3rd Party nur profitieren können.
GamesMarkt.de: Und GameCube?
Andreas Stock: Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Damit sind jetzt alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Business geschaffen. Wenn sich die Hardware jetzt nicht verkauft, dann bin ich mit meinem Latein am Ende, denn an der Hardware kann es nicht liegen und an der Software auch nicht.
GamesMarkt.de: Wie schätzen Sie die Entwicklung des Gesamtmarkts in diesem Jahr ein?
Andreas Stock: Insgesamt wird der Markt für Unterhaltungssoftware stark zulegen. Im PC-Spielesegment werden wir das Vorjahresniveau halten. Der Konsolenbereich dürfte deutliche Zuwächse verzeichnen. Schließlich resultierten die negativen Vorzeichen in der Jahresbilanz 2001 einzig und allein aus den Plattformwechseln mit den typischen Nebeneffekten, wie sinkende Durchschnittspreise bei der Software.
GamesMarkt.de: Die Gamesbranche ist in Folge der Erfurter Tragödie ins Fadenkreuz der Kritik geraten. Insbesondere Ego-Shooter stehen unter Beschuss, für die gerade auch Activision bekannt ist. Wie ist Ihre Meinung? Hat die Tragödie möglicherweise Auswirkungen auf Ihre VÖ-Planung?
Andreas Stock: Die Spiele von Activision richten sich nach den Altersfreigaben der Spieleindustrie und werden alle entsprechend gekennzeichnet. Uns ist sehr daran gelegen, dass der Kunde bereits beim Kauf erkennt, wovon ein Computerspiel handelt. Jeder Erwachsene sollte ganz persönlich für sich entscheiden können, welche Unterhaltungsprodukte er konsumieren will.
GamesMarkt: Herr Stock, vielen Dank für das Gespräch.