Seit 2. September zeichnet Volker Neumann: als Direktor für die weltweit größte Buchmesse verantwortlich. GamesMarkt.de sprach mit Neumann: über seine erste Buchmesse als Direktor, die Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr sowie über seine Strategie im Bereich Neue Medien.

GamesMarkt.de: Was können Aussteller und Besucher von der Buchmesse 2002 erwarten?

Volker Neumann: Natürlich alles das, was die Buchmesse auch schon bisher attraktiv gemacht hat: Autoren, Verlage, Bücher und multimediale Produkte - von der Lern-CD bis zum Onlineinformationsdienst. Dazu viele, viele Events: Unser Veranstaltungskalender listet rund 2500 Ereignisse auf der Messe, in Frankfurt und darüber hinaus im gesamten Land. Insofern unterscheidet sich die Messe nicht von dem, was sie schon seit 1949 zu einem so wichtigen Ereignis gemacht hat.

GM: Wie hat sich die Buchmesse gegenüber 2001 verändert?

Neumann: Die Messe ist ein wenig kleiner geworden, was ihre Struktur angeht. Die Halle 1, in der wir im vergangenen Jahr die Electronic Media untergebracht hatten, fällt weg. Dafür finden Sie diese Unternehmen in Halle 4.0, wo wir ja auch ein neues, thematisches Zentrum zu Wissensvermittlung auf digitale Art, das ICICOM, präsentieren.

Elektronische Medien sinnvoll präsentieren

GM: 2001 ging die Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr um 40.000 zurück. Was setzen Sie heuer dem Rückgang entgegen?

Neumann: Nun, für das vergangene Jahr muss man die Ereignisse vom 11. September als besonderen Einfluss nennen. Deshalb war der starke Besucherrückgang sicherlich ein negativer Ausreißer. Wir sind davon überzeugt, dass wir einen guten Teil der Besucher zurückgewinnen können. Genaue Prognosen werde ich allerdings nicht abgeben. Was wir dem Rückgang der Besucher entgegenstellen? Attraktive Programme und Veranstaltungen, von Comics bis "Bridges for A World Divided" - unser Veranstaltungszentrum samt Buchausstellung, wo wir uns mit Globalisierung und Fragen zur Gerechtigkeit im Zusammenleben auf dieser Welt auseinander setzen.

GM: Multimediahersteller müssen auf Grund ihres Portfolios im Multimediabereich ausstellen und können nicht auf die Flächen im jeweiligen Sachbereich ausweichen. Warum wird diese Regelung nicht gelockert, und welche Auswirkungen hätte dies auf die Multimedia Halle?

Neumann: Wir haben seit 1993 bei der Buchmesse ein eigenes Präsentationsforum für digitale Medien geschaffen, das insgesamt sehr gut funktioniert hat. In den vergangenen Jahren allerdings sind uns hier die Aussteller ein wenig abgebröckelt: Viele unserer Kunden sind ja ganz klassische Verlagshäuser - denken Sie an Unternehmen wie Klett oder Cornelsen -, die sich einige Jahre lang zwei Präsenzen auf der Buchmesse gestattet haben. Diese Unternehmen haben, sicherlich sehr zu Recht, ihre elektronischen Produkte in den letzten Jahren wieder zurückgeholt in den Hauptausstellungsbereich auf der Messe. Das heißt für uns, dass wir in der Statistik einen Ausstellerschwund verzeichnen - die Produkte sind allerdings natürlich trotzdem vorhanden. Wir werden uns deshalb ein paar neue Dinge überlegen, um elektronische Medien sinnvoll zu präsentieren und in die Messe zu integrieren. Das ICICOM ist da sicherlich schon ein richtiger Schritt, dem wir natürlich weitere folgen lassen werden. Genaue Konzepte kann ich allerdings noch nicht benennen, Sie werden verstehen, dass ich, der ich erst seit dem 2. September als Messedirektor agiere - mir zunächst einmal die Buchmesse 2002 genau anschauen möchte, bevor ich mit meinen Mitarbeitern und auch unseren Kunden in die Konzeption für die kommenden Jahre einsteige.

GM: Glauben Sie, dass die Buchmesse durch die GC - Games Convention Aussteller verlieren wird?

Neumann: Nein, das nehme ich nicht an. Wir sind zeitlich zwar nicht optimal getrennt, und die GC erfüllt für ihr Segment sicherlich einen bedeutenden Zweck. Man kann sich als Messe - zumal als Universalmesse, wie wir das sind - nicht anheischig machen, auf irgendeinem Gebiet als Monopolist dastehen zu wollen. Was aber nicht heißt, dass wir nicht froh wären, die Aussteller der GC auch für uns zu gewinnen.

Signal zum Aufbruch aus der Krise

GM: Wie wirkt sich die Wirtschaftslage auf die Messe aus?

Neumann: Natürlich kriegen wir auch etwas ab, wenn die Medienmärkte weltweit in die Flaute rutschen. Aber ich denke schon, dass die Buchmesse in diesem Jahr auch ein Signal zum Aufbruch aus der bleiernen Zeit des Krisengeredes bringen wird. Unsere Aussteller haben zum größten Teil ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Geschäftspolitik den veränderten Zeiten angepasst. Aber diese Leute sind ja doch allesamt im Grunde ihres Herzens Unternehmer und keine Unterlasser. Nur mit Kostenmanagement können sie keine Geschäfte machen, keine Kunden begeistern. Allein mit Begeisterung ist allerdings auch kein Unternehmen wirtschaftlich zu führen. Ich bin sicher, dass hier inzwischen die richtige Balance gefunden ist und wir dazu beitragen können, dass es in unserer Branche aufwärts geht. Ob das allerdings als Ruck durch die Landschaft geht oder sich in behutsamen Schüben zeigen wird, kann ich jetzt nicht sagen.

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