Im Gespräch: Hans Stettmeier, Microsoft
In den USA hat jede Xbox eine "Kindersicherung". Technisch sind auch alle europäischen Xbox-Konsolen damit ausgerüstet. GamesMarkt.de sprach mit Hans Stettmeier, Director Home & Retail Division, über die Jugendschutzdebatte und warum die "Kindersicherung" bisher nicht eingesetzt wird.
GamesMarkt.de: Wie haben Sie die anhaltende Diskussion über Gewaltdarstellung in Games erlebt?
Hans Stettmeier: Grundsätzlich empfinde ich diese Diskussion als außerordentlich positiv, da wir hier die Chance erhalten, das Thema Videogames von mehreren Seiten kritisch und fair zu hinterfragen. Zudem zeigt die Debatte die für uns erfreuliche Tatsache, dass Videospiele Kultur sind - ob akzeptiert oder nicht.
GM: Wie sollte sich die Debatte aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?
Stettmeier: Ganz entscheidend ist, dass Gesprächspartner zusammenfinden, denen an einer seriösen Auseinandersetzung mit dem Thema gelegen ist. Dazu gehört auch die Bereitschaft, die Inhalte der Spiele differenziert und zumindest ansatzweise selbst anzusehen, bevor pauschalisierte oder vorschnelle Aussagen in Unkenntnis des Mediums getroffen werden. Nur das bringt uns auch in Dingen Jugendschutz den entscheidenden Schritt nach vorn.
"Wir wollen Rechtssicherheit"
GM: Wie muss sich die Branche in dieser Debatte darstellen?
Stettmeier: Als Videospieleindustrie müssen wir es schaffen, auch gutes, actionorientiertes Entertainment seriös zu positionieren. Dazu müssen alle Beteiligten jedoch viel und vor allem kompetent miteinander sprechen. Von Verbandsseite führen wir diese Gespräche ja bereits. Allerdings könnten wir hier vielleicht ein wenig lauter und intensiver diskutieren. Schließlich gibt es in Deutschland viele gute und intelligente Köpfe, die wir nur zusammenbringen müssen.
GM: Reichen Diskussionen aus?
Stettmeier: Nein, wir müssen auch im Bereich der politischen Überzeugungsarbeit auf allen gesellschaftlich relevanten Ebenen konsequent weiterarbeiten. Wir müssen die Politiker dazu bringen, sich qualifiziert mit diesem Thema auseinander zu setzen. Wir müssen Studien ins Spiel bringen. Zusammengefasst: Wir müssen ein Netzwerk spinnen, in dem vernünftig und sachlich das Thema Jugendschutz behandelt wird.
GM: Was kann Microsoft als Plattformanbieter tun?
Stettmeier: Wir beziehen öffentlich klar Stellung. Wir stehen zu guter und auch actionorientierter Unterhaltung. Gewaltverherrlichung lehnen wir jedoch strikt ab. Und wir wollen bei der Alterseinstufung Rechtssicherheit haben. Dann könnten wir auch unsere Technologien im Sinne des Jugendschutzes einsetzen, beispielsweise die aus den USA bekannte Kindersicherung.
GM: Warum wird sie nicht schon jetzt in Deutschland eingesetzt?
Stettmeier: Die technischen Voraussetzungen sind gegeben: Das System ist in jede Xbox in Deutschland integriert und könnte jederzeit aktiviert werden. Allerdings ist diese Form von Jugendschutz nur dann wirklich sinnvoll, wenn die Alterseinstufungen Rechtssicherheit geben und es klare Richtlinien gibt.GM: Wie funktioniert die Kindersicherung?
Stettmeier: Sie stellen die Kindersicherung der Xbox auf ein bestimmtes Alter ein. Das Rating des jeweiligen Spiels wird wiederum wie ein Kopierschutz auf die Spieledisc gebrannt. Beim Laden erkennt die Xbox das eingebrannte Rating, überprüft es und stoppt gegebenenfalls den Ladevorgang. Wenn Sie selbst zum Beispiel ein Game für Erwachsene spielen wollen, müssen Sie die Kindersicherung per PIN-Code vorher ausschalten.
GM: Klingt relativ einfach übertragbar...
Stettmeier: Ja und nein. Da auf jede Disc nur ein Rating gepresst werden kann, wäre für uns und die Publisher natürlich eine europaweite Lösung am besten. Wir müssen sonst für jedes Land, das über ein eigenes Ratingsystem verfügt, eigene Discs herstellen. Multilinguale Versionen, die in verschiedenen Ländern verkauft werden können, würden der Vergangenheit angehören.
GM: Wird Microsoft die Kindersicherung in Deutschland dann überhaupt aktivieren?
Stettmeier: Ja, sie war von Anfang an Teil unserer Pläne. Das zeigt schon, dass die Kindersicherung in alle ausgelieferten Xbox-Konsolen nicht etwa in Englisch sondern in Deutsch implementiert ist. Sobald wir in Deutschland Rechtssicherheit haben, werden wir die Kindersicherung auch aktivieren.
GM: Was kann Microsoft darüber hinaus unternehmen?
Stettmeier: Wir unternehmen ja bereits viel. So finden Sie bei jedem Xbox-Spiel, gleich welchen Herstellers, das USK-Rating immer an der gleichen Stelle. Weiterhin könnten wir auch die Altersfreigabe, sofern sie Rechtssicherheit bietet, analog zu Videos und DVDs vor jedem Spiel auf den Bildschirm bringen.
GM: Müssen die Third-Parties ihre Xbox-Titel denn bei der USK prüfen lassen?
Stettmeier: Ja, das ist eine Voraussetzung. Sie sehen also, dass wir sehr gut vorbereitet sind. Wir benötigen nur noch eine detaillierte gesetzliche Grundlage, mit der wir arbeiten können. Dann können wir mit der Kindersicherung einen wesentlichen Baustein zu einem vernünftigen Jugendschutz liefern.