Seit 18 Monaten ist Flipside, das Onlinegaming-Portal von Vivendi Universal, in Europa tätig. GamesMarkt.de sprach mit Jean-Marc Montguillet, CEO von Flipside Europe, über die Geschäftsentwicklung in Europa, Pay-per-Play und die Bedeutung von Content Licensing.

GamesMarkt.de: Zum einjährigen Jubiläum hatte Flipside Europe eine Million User. Wie viele Nutzer zählen Sie heute?

Jean-Marc Montguillet: Derzeit haben wir etwa 1,5 Mio. registrierte Nutzer. Da wir Portale in Großbritannien, Frankreich und Deutschland betreiben, verteilen sie sich auf diese Territorien.

GM: Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für Sie?

Montguillet: Wir haben in Deutschland 400.000 registrierte Nutzer, also etwa ein Drittel unserer Gesamtzahl. Seit Jahresbeginn kommen im Schnitt 15.000 User pro Monat hinzu.

GM: Sind Sie damit zufrieden?

Montguillet: Ja, wir sind sehr zufrieden mit diesen Zahlen. Die Entwicklung bestätigt, dass unsere User mit Flipside.de zufrieden und entsprechend loyal sind. Außerdem zeigt uns die Zuwachsrate, wie wichtig Mundpropaganda bei der Erweiterung einer Community ist. Es kommen monatlich 15.000 User hinzu, ohne dass wir eine breit gestreute Werbekampagne durchgeführt haben.

GM: Welche Themen kommen auf Flipside bis Jahresende zu?

"Die meisten Spiele bleiben kostenlos"

Montguillet: In Europa gibt es drei Hauptthemen: Pay-per-Play, Mobile Gaming und Content Licensing. Wir wissen, dass Onlinegaming nicht allein durch Werbung finanziert werden kann, deshalb haben wir unser Geschäftsmodell verändert. Pay-per-Play ist ein klar definierter Weg, um Umsätze zu generieren. Wir bieten exklusive, ansprechende Inhalte an. So haben wir im Februar mit "Herr der Kelten" das erste Bezahlspiel gestartet. Im Bereich Mobile Gaming investieren wir in die Entwicklung und Weiterentwicklung, wobei Innovation für Flipside Europe Priorität hat. So hatten wir bereits im Mai 2000 das WAP-Game "Cosmic Consensus" gestartet, das erste Multiplayer Mobile Game. Last but not least stellt die Lizenzierung von Inhalten ein großes Potenzial für das Spielegeschäft dar. Wir bieten Internet Service Providern (ISP) und Onlineportalen bereits unsere Inhalte an. Allerdings fokussieren wir die Aktivitäten auf unserem eigenen Portal. Die Erfahrungen, die wir dabei sammeln, kommen letztlich auch unseren B2B-Kunden zugute.

GM: Stichwort "Herr der Kelten". Wie ist die Resonanz der User?

Montguillet: "Herr der Kelten" ist ein perfektes Beispiel für das neue Geschäftsmodell: Zuerst haben wir die Teilnahme am Betatest angeboten. Dieser war mit 15.000 registrierten Nutzern sehr erfolgreich. Dann haben wir das Pay-per-Play-Spiel gestartet. Heute zählen wir mehrere tausend Nutzer. Und wir haben seitdem viel hinzugelernt, so dass die Partner, denen wir das Spiel anbieten, von unserer Erfahrung profitieren.

GM: Wie viele Partner haben das Spiel bis jetzt lizenziert?

Montguillet: Wir haben einen Deal mit T-Online, einem der wichtigsten Akteure überhaupt im deutschen Internetmarkt. Natürlich führen wir Gespräche mit anderen ISP und Onlineportalen, allerdings werde ich vor Vertragsunterzeichnung keine Namen nennen.

GM: Welche Bedeutung wird die Lizenzierung von Content für Flipside in Zukunft haben?

Montguillet: Content Licensing ist eine große Herausforderung. Es ist eine stabile Umsatzquelle mit viel Potenzial. Und es ist der effizienteste Weg, Kapital aus unseren eigenen Portalaktivitäten zu schlagen. Unser Wissen und unsere Erfahrung bei der paneuropäischen Vermarktung von Onlinespielen ist einzigartig. Doch noch wichtiger ist, dass wir über einen umfangreichen und differenzierten Katalog von mehr als 200 Onlinespielen verfügen. Wir können also unseren Partnern für deren Bedürfnisse maßgeschneiderte Angebote zusammenstellen. Neben Content Licensing werden auch Mobile Games für uns sehr wichtig. Ende 2003 wollen wir damit etwa die Häfte unseres Umsatzes generieren.

Pro Monat kommen 15.000 User hinzu

GM: Es wird viel vom Ende der Ära des kostenlosen Internets gesprochen. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Montguillet: Wie viele andere Dotcoms haben auch wir mit ausschließlich kostenlosen Inhalten begonnen. Die Rezession bei Onlinewerbung, die wir miterlebt haben, hat jedoch zu einem Umdenken geführt. Wir sind überzeugt, dass das Pay-per-Play-Konzept bei Flipside Europe aufgehen wird, da die Inhalte von hoher Qualität sind und den User fesseln. Der Zugang zu den Casual Games-Portalen und zu den meisten Spielen wird aber kostenlos bleiben.

GM: Wann wird Ihrer Meinung nach Onlinegaming in Deutschland zu einem Massenmarkt?

Montguillet: Casual Online Gaming ist bereits ein Massenmarkt. Unser Publikum ist sehr breit gefächert und stellt einen guten Querschnitt der deutschen Bevölkerung dar. Der Frauenanteil ist bei unseren registrierten Usern überdurchschnittlich hoch: In Deutschland liegt er bei 56 Prozent, während nur 46 Prozent der Gesamtheit deutscher Internetnutzer Frauen sind.

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