Im Gespräch: Manfred Gerdes, GF SCED
Mit der GC - Games Convention beginnt die "heiße Phase" des Jahres. GamesMarkt.de sprach mit Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony Computer Entertainment Deutschland, über den Istzustand der PS2-Abverkäufe, die Verkaufs- und Marketingpläne im Herbstgeschäft, den im Vergleich zu Frankreich und Großbritannien schwächelnden deutschen Markt und über die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Onlinegeschäft.
GamesMarkt.de: Im Lauf des Jahres haben Ihre Mitbewerber ihre jeweiligen Next-Generation-Konsolen auf den Markt gebracht. Wie hat sich das auf die wöchentlichen Abverkäufe der PS2 ausgewirkt, und wie sind die PS2-Abverkäufe derzeit?
Manfred Gerdes: Unsere Absatzsteigerung liegt bei 115 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Januar bis Juni und hat selbst zu den Kernzeitpunkten der Markteinführungen nicht unter Druck gestanden. Der TV- Home-Konsolenmarkt ist im gleichen Zeitraum um 40 Prozent angestiegen, und in den letzten Wochen hat sich das Absatzverhältnis gegenüber unseren beiden neuen Wettbewerbskonsolen auf eine Faktor von 1:2,5 und 3,5 erhöht. Somit haben wir unsere gesetzten Ziele realisieren können.
115 Prozent mehr PS2 verkauft
GM: Wie werden sich die Abverkäufe Ihrer Meinung nach im Herbst- und Weihnachtsgeschäft entwickeln?
Gerdes: Wenn die Steigerung beibehalten werden kann, dann liegen wir optimal im Rennen. Allerdings wollen auch unsere Wettbewerber mehr verkaufen. Aber das kann sich meines Erachtens weiterhin nur positiv auf unsere Vermarktungschancen auswirken, wie die letzten Monate ja deutlich gezeigt haben.
GM: Die GC - Games Convention läutet das Herbstgeschäft, die "heiße Phase" des Jahres, ein. Was bedeutet dieses Auftaktevent für Sie?
Gerdes: Volle Kraft voraus und mit guten Produkten unsere Marktposition weiter ausbauen! Die Voraussetzungen sind geschaffen, da unsere Third-Party-Freunde hervorragende Softwareprodukte für die Saison an den Start bringen. Die GC wird sicherlich zum Videogamesevent des Jahres, denn noch nie haben so viele Unternehmen so engagiert an einem Messeauftritt gearbeitet, und die Akzeptanz des Handels ist wirklich besser, als wir es erwartet haben. Auch die konsequente Teilung der Messe in Business- und Konsumentenbereich wird zum Erfolg beitragen, da der Handel in ruhiger Atmosphäre mit uns über die Saison sprechen und der Konsument Entertainment pur erleben kann.
GM: Welche Themen wird SCED auf der GC mit dem Handel besprechen?
Gerdes: Warenverfügbarkeit für die Saison, unsere Prognosen und natürlich über die Dispositionen unsere Produkte, um Bestandslücken möglichst zu verhindern. Außer auf Hardware und Zubehör liegt ein weiterer Schwerpunkt auf den Themen Softwareneuheiten und Vermarktungschancen der PSone, wo wir in den nächsten Monaten verstärkt auf die Präsenz von Platinumtiteln setzen werden. Eigentlich schon fast nicht mehr erwähnenswert, aber immer noch ein Punkt, der uns sehr am Herzen liegt, ist die Warenpräsentation, die zwar schon besser geworden ist, aber weiter optimiert werden kann.
GM: Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten der GC - Games Convention?
Gerdes: Schon heute, knapp zwei Wochen vor der GC, können wir in unseren Terminkalendern über 200 Termine verbuchen. Alle Key-Account-Kunden werden kommen und sehen, wie beliebt die Gamesprodukte beim Konsumenten sind Mehr kann man nicht erwarten. Persönlich glaube ich an einen hervorragenden Impuls durch die Messe für unsere Branche, da keine andere Industrie einen solchen Auftritt zum Saisonauftakt hat wie wir.
Vermarktung über die ganze Saison
GM: Im Herbst ist mit einem Marketingfeuerwerk aller Hardwarehersteller zu rechnen. Welche Marketingaktionen plant SCED, und wie groß wird die Außenwirkung sein?
Gerdes: Ein Feuerwerk ist immer gut, weil jeder dem Spektakel Beachtung schenkt. Wir fackeln aber kein Marketingfeuerwerk ab. Wir werden über alle Bereiche unseres Unternehmens konsequent an einer exzellenten Vermarktung unserer Produkte arbeiten, und das geht nur über durchgängige Aktivitäten, vom Produkt bis zu Marketing und Sales, unter Einbindung des Handels, denn erst dann ist die Kette zum Konsumenten geschlossen. Feuerwerke sind oftmals imposant anzusehen, geraten aber schnell in Vergessenheit. Deshalb ist unsere strategische Ausrichtung über die ganze Saison angelegt.
GM: Wie wichtig wird Onlinegaming auf Konsolen mittelfristig in Deutschland werden?
Gerdes: Ich will ja nicht schon wieder in die vor mir sichtbar aufgestellten Fettnäpfchen treten und dem Onlinegaming keine Zukunft versprechen. Nur dürfen wir die Realität nicht aus den Augen verlieren, obwohl nach eigenen Umfragen über 60 Prozent der PS2-Besitzer an Onlinegaming interessiert sind, also theoretisch um die 600.000 Gamer. Natürlich kann man hier ansetzen, nur die Erwartungshaltung der Konsolengamer ist sicherlich wesentlich differenzierter als die eines PC- Gamers. Die Erfahrungen mit Dreamcast haben gezeigt, wie sensibel das Thema zu behandeln ist, und ich vermute hier sehr stark, dass Qualität und Geschwindigkeit, verbunden mit einem attraktiven Softwareportfolio, den Durchbruch bringen können. Allerdings sollte niemand an den Start gehen und ähnliche Dreamcast-Frustsituationen heraufbeschwören. Denn eines ist der Konsolengamer nicht gewohnt: zu warten. Bei uns geht bisher alles auf Tastenklick, und dafür benötigen wir schnelle Netzwerke. Wir müssen unser Versprechen halten, ansonsten floppt die Onlinethematik sehr schnell!
Schneller Netzwerke für Online notwendig
GM: Im Sommer kam es sowohl in den USA als auch in Europa zu Preissenkungen. SCEE hat sich daran jedoch nur mit der PSone beteiligt. Wäre eine PS2-Preisreduzierung nicht ein hervorragender Impuls für das diesjährige Weihnachtsgeschäft?
Gerdes: Genau das ist jetzt unser Ansatz. Der Euro bringt uns in eine gute Ausgangsposition, die Wahl im September wird hoffentlich den Kaufzurückhaltungsknoten zum Platzen bringen, und die Mechanik attraktiver Preis und attraktiver Software ist einfach ein Erfolgsgemisch.
GM: Bei der Original-PlayStation wurde der Massenmarkt bei einer Preisgrenze von 299 Mark "geknackt". Wo liegt dieser massenmarktaffine Preispunkt Ihrer Meinung nach bei den neuen Konsolen, und wann wird er erreicht?
Gerdes: Ich denke, wir bewegen uns schon im Massenmarkt- denn wir haben wohl nicht nur eine Million Freaks... Wobei der Preis allein nicht den Absatz fördert, denn ein Produkt muss zu jeder Zeit auch seinen Preis wert sein - kleines Wortspiel! Heute liegen wir mit unserer Strategie nach einer Million noch immer oberhalb des Markteinführungspreises der PlayStation von 599 Mark. Ich gebe keine Prognosen ab, da auch hier die frühe Vergangenheit gezeigt hat, dass es mit dem Preis allein nicht getan ist. Eines kann ich aber versprechen: Wir wollen mehr mit PS2 in Deutschland verkaufen, als wir mit der PlayStation verkauft haben. Somit werden wir auch in Zukunft zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Preispunkt besetzen.
Zur richtigen Zeit den richtigen Preis
GM: Was passiert mit der PSone, wenn die Next-Generation-Konsolen zunehmend in die Preisregion einer PSone vordringen?
Gerdes: Dann wird die Luft dünner. Aber noch haben wir genug zum Atmen.
GM: Deutschland lag zu Hochzeiten der PSone im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Warum rangiert Frankreich, zumindest im Konsolengeschäft, derzeit wieder vor Deutschland?
Gerdes: Weil die Konjunkturentwicklung in den einzelnen Ländern unterschiedlich verläuft. Im Augenblick haben wir insgesamt ein Problem in Deutschland und bilden konjunkturell das Schlusslicht in Europa. Davon sind wir dann auch betroffen, obwohl bei uns das Gesamtergebnis zählt. Denn diese Situation werden wir auch wieder in anderen Zusammenhängen erleben.
GM: Welchen Einfluss hat die wirtschaftlich eher pessimistische Grundstimmung in Deutschland darauf?
Gerdes: Sicherlich hat die Grundstimmung eine Auswirkung, allerdings möchte ich jetzt nicht in Daten und Fakten den Grad darstellen wollen, weil ich ihn auch ganz einfach nicht ermessen kann. Es gibt auch keinen Grund zum Klagen, denn die Entwicklungen des ersten Halbjahrs zeigen deutlich positive Tendenzen auf. Welches Produkt kann schon mit Steigerungsraten zum Vorjahr von über 100 Prozent aufwarten, und bei der Software sogar um die 250 Prozent!?
GM: Glauben Sie, dass Deutschland wieder an Frankreich und eventuell auch an Großbritannien vorbeiziehen kann? Und wenn ja, wann?
Gerdes: Gute Frage. Frankreich halte ich noch für möglich, Großbritannien erscheint mir allerdings auf Sicht von zwei Jahren nicht einholbar.
GM: Aller Voraussicht nach wird 2005/2006 der nächste Generationswechsel im Konsolenmarkt stattfinden. Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Markt dann im Vergleich zum Zeitpunkt der Einführung der PS2 darstellen?
Gerdes: Entweder sind wir alle noch da, oder einer macht das Rennen. Die Tendenz kann ich heute nicht genau abschätzen, dazu sind unsere Wettbewerber zu frisch auf dem Markt. Da ich aber auch noch 2005/2006 meine Brötchen verdienen will, werden wir schon sehr darauf bedacht sein, im Rennen zu bleiben.
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