Mit rund 50 Mio. Euro Jahresumsatz zählt NBG zu den größten Spieledistributoren Deutschlands. GamesMarkt.de sprach mit Geschäftsführer Markus Biehl über die Marktentwicklung, die zuletzt immer wieder abrupt aussetzenden Verkäufe von PC-Spielen sowie die Langzeitstrategie bei der Port-foliozusammensetzung.

GamesMarkt.de: Das Geschäftsjahr von NBG endete am 31. März. Sind Sie zufrieden?

Markus Biehl: Mit den Zahlen sind wir durchaus zufrieden. Wir bewegen uns umsatzmäßig um die 50-Millionen-Euro-Grenze. Sehr zufrieden können wir damit aber nicht sein, weil sich der Umsatz insgesamt rückläufig entwickelt hat, was sich aber bereits Mitte letzten Jahres abzeichnete und uns nicht unvorbereitet traf. Das heißt: Wir haben unsere Einsparpotenziale genutzt. Angesichts dieser Entwicklung rechnen wir auch im neuen, bereits laufenden Geschäftsjahr mit keiner Steigerung. Wenn doch, dann dürfte sich diese nur im einstelligen Prozentbereich bewegen.

GM: Warum so vorsichtig oder skeptisch?

Biehl: Das hat verschiedene Ursachen, zum Beispiel die langfristigen Folgen des Krieges im Irak, die vielleicht noch versteckt auftauchen können. Keiner weiß heute zu sagen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen uns der Irakkrieg noch bescheren wird. Dann ist die allgemeine ökonomische Situation zu nennen sowie der ausgeprägte "Geiz" der deutschen Endverbraucher, die sich zu wahren Sparmeistern aufschwingen. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich der Konsolenmarkt weiterhin entwickelt. Und der PC-Markt, der etwas kränkelt, wie die Zahlen der ersten drei Monate dieses Kalenderjahres gezeigt haben, was auch der VUD bereits bestätigt hat.

Einsparpotenziale genutzt

GM: Woran machen Sie das fest?

Biehl: Wir mussten die Erfahrung machen, die wir mit Publishern teilen, dass die so genannten Megaseller unter den PC-Spielen nach einer gewissen Zeit im Abverkauf abrupt stoppen. Selbst bei PC-Actiongames, bei denen wir traditionell immer sehr stark waren, ist derzeit bei einem Volumen von rund 150.000 Units Schluss. Man geht davon aus, dass dies auf das Konto der Brenner geht. Wir haben das etwa bei "Mafia" beobachtet oder auch bei "Jedi Knight II". Glücklicherweise gibt es noch Ausnahmen wie "Anno 1503" oder "Sims Deluxe", die zeigen, dass im PC-Bereich noch mehr Potenzial steckt.

GM: Nun ist NBG einer der Exklusivdistributoren der Xbox in Deutschland. Wie hat sich diese Plattform aus Ihrer Sicht entwickelt? Alles im grünen Bereich?

Biehl: In diesen unsicheren Zeiten setzen wir ganz stark auf die Xbox, die sich im letzten Weihnachtsgeschäft gigantisch verkauft hat. Im Zeitraum davor waren wir schon zufrieden, aber was sich dann mit der entsprechenden Marketingunterstützung seitens Microsoft im Markt bewegt hat, hat uns vollends von der Konsole überzeugt. Auch der Software- und Zubehörverkauf gestalteten sich hervorragend. Nicht zu vergessen der Robbie-Williams-Deal, der ein deutscher Alleingang und sehr förderlich war. Er hat die Zielgruppe definitiv erweitert.

GM: Wie sieht denn die grundsätzliche Ausrichtung von NBG aus? Da hat sich ja in den letzten Jahren doch einiges getan.

Biehl: Ja, unsere zahlreichen Standbeine, auf denen wir zu unseren Großhandelszeiten fußten, haben wir vor zwei Jahren drastisch zu reduzieren begonnen und beschränken uns nun auf einige wenige Hersteller. Unsere aktuellen Schwerpunkthersteller sind Microsoft, Activision TDK, Creative Labs, Dartmoor und ITE im Bereich Kindersoftware. Wobei auch Kindersoftware relativ zäh läuft, zumal der Markt immer weiter schrumpft, weiß jedenfalls der Handel zu berichten. Eine Ursache hierfür ist sicher, dass Kinder- und Lernsoftware in Schule und Elternhaus noch nicht auf die Akzeptanz stoßen, die sie eigentlich verdient hätten. Und natürlich die Brennerei, die auch in diesem Segment ihre Spuren hinterlässt, vielfach auch aus der blanken Unwissenheit der Erziehungsberechtigten oder Lehrer heraus, die gedankenlos kopieren. Ein weiteres Geschäftsfeld von uns, in dem wir im letzten Geschäftsjahr Zuwächse hatten und auch in diesem Jahr noch einiges erwarten, ist der Bereich Zubehör für alle Konsolen. Im Moment vertreiben wir die Produkte der Firma MadCatz, es könnte sein, dass wir diesen Bereich ein wenig erweitern, weil das Zubehörbusiness ein sehr schönes Geschäft ist und weil es uns als Xbox-Distributor die Möglichkeit bietet, gerade zur Xbox entsprechendes Zubehör zu liefern. Außerdem vertreiben wir für Creative die Lautsprechersysteme für die Xbox, eigentlich für alle Konsolen, aber der Umsatzanteil von Xbox liegt hier bei rund 98 Prozent. Von Microsoft vertreiben wir hingegen alles, von Mäusen und Tastaturen über PC-Spiele bis hin zum kompletten Konsolenzubehör. Eine weitere Partnerschaft, über die wir im Moment sehr glücklich sind und für die wir einen großen Teil des Markts abdecken, ist TDK. Mit dem Spiel "WorldRacing", das auf den Fuhrpark von Mercedes-Benz zurückgreift, konnten wir bereits die ersten Erfolge feiern.

GM: Wie sieht es mit möglichen neuen Herstellern für den Vertrieb aus?

Biehl: Da die Distributionslandschaft immer kleiner wird, gibt es reichlich Anfragen von diversen Herstellerfirmen. Es kann aber nicht unser Interesse sein, möglichst alles zu vertreiben, schließlich wollen wir unseren Partnern das sichere Gefühl geben, dass wir sie ernst nehmen und uns gut um ihre Produkte kümmern. Außerdem wollen wir uns auch nicht verzetteln, darunter würden alle leiden. Die Zahl der Hersteller, die wir aktiv vertreiben, soll maximal bei fünf bis sieben liegen.

GM: Ist der Deal mit der Detmolder Firma Dartmoor Softworks dann als Ausnahme zu verstehen?

Biehl: Hier handelte sich um einen größeren Exklusivvertriebsdeal, der fünf Brettspielumsetzungen umfasst, die bis zum Ende dieses Geschäftsjahres veröffentlicht werden sollen. Alle Spiele waren das Spiel des Jahres oder haben den Deutschen Spielepreis erhalten. Hier können wir sogar helfen, die Spiele weltweit zu vermarkten. Das Spiel "Euphrat & Tigris" macht den Auftakt, es wird im Juni veröffentlicht. Hier sehen wir durchaus Potenzial, wie das Beispiel "Catan" positiv gezeigt hat.

"Wir wollen uns nicht verzetteln"

GM: NBG war einmal sehr stark im Bereich Lösungsbücher. Haben Sie hier kein Eisen mehr im Feuer?

Biehl: Davon lassen wir definitiv unsere Finger. Lösungsbücher sind ein sehr schweres Geschäft. Zunächst einmal muß man die Entscheidung treffen, zu welchem Produkt man ein Lösungsbuch anbietet. Ist die Entscheidung dann gefallen, wird das Produkt unterstützt, und dann floppt das Spiel, womit das Schicksal des Lösungsbuchs besiegelt wäre. Wie gesagt, wir waren hier einmal sehr engagiert, auch erfolgreich, das Risiko ist aber zu groß, das Geschäft zu schwierig.

GM: Ein echter Glücksgriff von NBG ist die "ProTrain"-Reihe, die Add-Ons für den "MS Train Simulator" von Microsoft.

Biehl: Das ist wohl wahr. Von allen Add-Ons haben wir bereits über 125.000 Stück verkauft. Mit anderen Worten: "ProTrain" sind unsere "Sims". Ich wusste, dass es sehr viele Eisenbahnfans in Deutschland gibt. Dass diese Gemeinde aber so groß ist, die den Bahnverkehr "live" nachspielen will, hat uns total überrascht. Dies unterstreicht auch die Platzierung von "ProTrain Vol. 3" in den Media Control Charts (bis 28 Euro), hier stieg der Titel auf Platz 2 ein und hielt sich auch noch fünf Wochen in den Top 20. Bewertungen der Fachpresse mit "87%" und "Gut" sprechen ebenfalls für sich.

GM: Wenden wir uns mal von der Unternehmensausrichtung und den Produkten ab und der Firma NBG selbst zu. Wie ist NBG heute aufgestellt?

Biehl: Wir beschäftigen aktuell 60 Vollzeitmitarbeiter. Daneben beschäftigen wir noch Merchandiser und Teilzeitkräfte.

GM: Wie setzt sich der erwähnte Mitarbeiterstamm heute zusammen?

Biehl: Der Vertrieb stellt mit 17 Mitarbeitern den größten Block, fünf davon im Außendienst, der Rest im Innendienst. Im Logistik- und Lagerbereich beschäftigen wir 14 Mitarbeiter. In der Finanzbuchhaltung, die wir extrem verstärkt haben, arbeiten derzeit neun, im generell-administrativen Bereich vier Mitarbeiter. Dann haben wir noch eine Person für Endkundenservice, fürs Internet eine Person, eine weitere Servicekraft für Retouren, Gutschriften etc., für Einkauf und Beschaffung drei Personen und meine Person als Geschäftsführer.

GM: Wer sind Ihre Vertriebspartner in Österreich und der Schweiz?

Biehl: Wir haben uns in Österreich neu aufgestellt. Seit 1. Mai haben wir dort einen neuen Mitarbeiter, der ausschließlich die Media-Markt- und Saturn -Filialen betreut. Ansonsten kooperieren wir in Österreich, ebenfalls seit diesem Monat, mit der Ubi Soft-Tochter Gamebusters in Salzburg. In der Schweiz arbeiten wir mit der EA Tochter ABC zusammen.

Wettbewerb nimmt spürbar zu

GM: Zum Schluss ein Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf.

Biehl: Zunächst ein paar allgemeine Beobachtungen: Die so genannte Spaßgesellschaft, wie sie vor wenigen Jahren noch in aller Munde war, wird zunehmend ernster. Die strukturellen und konjunkturellen Rahmenbedingungen haben sich sehr verändert, der Wettbewerb untereinander nimmt spürbar zu, jeder ist heute mehr denn je gezwungen, seine Position zu verteidigen. Auf wirtschaftlicher Seite deutet vieles darauf hin, dass ein immer stärkerer Verdrängungswettbewerb stattfindet. Die Großen werden immer größer, den Kleinen geht es zusehends an die Substanz. Die Folge davon sind weitere Insolvenzen, von denen wir in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe erleben mussten. Diese Entwicklung wird sich auch 2003 fortsetzen. Eine bedauerliche Entwicklung, weil der Gesamtmarkt dadurch natürlich verliert, weil er um bestimmte Produkte beschnitten wird, die es dann einfach nicht mehr gibt. Ich hoffe, dass der Konsolenmarkt sich in der Breite weiterentwickelt, wie wir sie heute haben. Und dass sowohl der PC- wie auch der Videospielemarkt weiteres Wachstum ausweisen werden, wobei ich beim PC-Segment, wie gesagt, meine Bedenken habe. Von Seiten des Handels wünsche ich mir, dass sich seine Einstellung gegenüber Computer- und Videospielen zuversichtlicher gestaltet. Die Neuerungen im Jugendschutzgesetz könnten hierbei Hilfestellung leisten. Ganz gleich, wie man das Gesetz im Detail beurteilt, fest steht, dass es dem Gesamtmarkt Rechts- und Planungssicherheit bringt. Damit fühlen wir uns auch sicher und müssen nicht befürchten, wie es in der Vergangenheit mitunter der Fall war, dass ein Polizist in den Laden stürmt und Spiele beschlagnahmen lässt oder ähnliche Dinge. Unterm Strich hoffe ich trotz allerSchwierigkeiten und Probleme auf einen wachsenden Markt. Die Zeit, denke ich, arbeitet hier für uns. NBG ist gut aufgestellt und wird die Herausforderungen der Zukunft annehmen Wir freuen uns auf alle Fälle auch auf die 2. GC, wo wir wieder im Business Center (A16) vertreten sein werden.

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Geoffroy Sardin, Chief Executive Officer of Pullup Entertainment, formerly Focus Entertainment / RoadCraft © Sardin, Pullup Entertainment / Saber & Focus

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By Marcel Kleffmann 3 min read