Im Gespräch: Matthias Kurwig, CEO Mightygames
Mightygames ist einer der wenigen unabhängigen Onlinegaming-Anbieter aus Deutschland mit langfristigem Überlebenspotenzial. GamesMarkt.de sprach mit Geschäftsführer Matthias Kurwig über die Perspektiven von Onlinegaming in Deutschland und die Chancen als Independent.
GamesMarkt.de: Sie starteten im Oktober 2000 - der Markt hat sich inzwischen konsolidiert. Wie hat Mightygames überlebt?
Matthias Kurwig: Wir haben von Anfang an ein Businessmodell verfolgt, bei dem der Hauptumsatzträger kostenpflichtige Premiumspiele waren. Ausschlaggebend war für uns das Erstehen von Exklusivlizenzen für den europäischen Markt, und wir hatten offensichtlich auch ein gutes Gespür entwickelt, welche Spiele wohl in der Zielgruppe ankommen würden. Ferner sind wir in der Finanzierung und dem Ausbau unseres Geschäfts sehr konservativ vorgegangen. Wir hatten damit gerechnet, dass die Entwicklung dieses jungen Markts Zeit und Geld braucht und haben unsere Planung darauf ausgelegt.
Erfahrung macht den Unterschied
GM: Wie ist Mightygames heute positioniert?
Kurwig: Wir haben unser Kerngeschäftsmodell natürlich beibehalten. Allerdings erlaubt die Marktentwicklung mittlerweile eine breitere Zielgruppenansprache. Onlinegaming ist nicht mehr nur etwas für Hardcoregamer. Das zeigt sich deutlich bei unserem Lead Game "Jumpgate": Ein nicht zu unterschätzender Anteil unserer Kunden hat seit Jahren kein PC-Spiel mehr gespielt, war aber damals Fan von "Elite". Mit "Jumpgate" wurde die Spielidee, die hinter "Elite" stand, ins Internet transportiert, für Tausende von Spielern angelegt, und für diese Kunden ist sozusagen ein Jugendtraum wahr geworden.
GM: Mit Stand Juni 2002 zählte Mightygames mehr als 120.000 User, davon mehr als 30.000 "Jumpgate"-Spieler. Sind Sie damit zufrieden?
Kurwig: Wenn man die zum Teil doch etwas schwierige Marktentwicklung berücksichtigt, kann man sagen, dass wir sehr zufrieden sind. Wir haben unsere wirtschaftlichen Ziele erreicht und glauben, die richtigen strategischen Entscheidungen für die Zukunft getroffen zu haben, um unsere Marktführerschaft in Europa weiter ausbauen zu können.
GM: Mit welchem Wachstum rechnen Sie mittelfristig?
Kurwig: "Jumpgate" wird Ende des Sommers mit dem Release einer umfangreichen Erweiterung noch attraktiver werden. Wir rechnen deshalb bis Jahresende mit rund 50.000 "Jumpgate"-Spielern. Für 2003 denken wir durch eine Erweiterung des Spieleangebotes ein gravierendes Wachstum erreichen zu können. Zufrieden wären wir mit einer Verdopplung der Userbasis im Allgemeinen. Für eine exakte Prognose ist es leider noch etwas zu früh, da es hier ganz stark auf die tatsächlichen Releasetermine ankommt. In unserer Branche greift einfach der Spruch "It"s done when it"s done".
GM: Wie wollen Sie diese Ziele erreichen und welche Rolle spielt dabei die Community?
Kurwig: Neue Spiele aus unterschiedlichen Genres sind ausschlaggebend. Mit "Jumpgate" haben wir das erste Science-Fiction-MMOG, und wir wollen nun das Portfolio in Richtung Fantasy und/oder Action erweitern. Und wir werden uns auch weiterhin stark auf Games mit Communitybildung konzentrieren, da wir hier bereits unsere Stärke bewiesen haben.
GM: Längst haben auch alle internationalen Majors ambitionierte Pläne im Onlinegeschäft. Wie beurteilen Sie die Konkurrenz?
Kurwig: Wir haben gelernt, dass es wirklich gewaltige Unterschiede zwischen einem klassischen Publisher und einem Onlinepublisher gibt. Die Anforderungen im gesamten Marketingmix, aber auch in der Technik und beim Personal sind zum Teil gravierend anders. Allerdings hat gerade die namhafte Konkurrenz das Potenzial, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Wir sind sehr gespannt, wie sich der Onlinegamingmarkt in der nächsten Zeit verändern wird.
GM: Was zeichnet Mightygames im Onlinesektor gegenüber den "traditionellen" Herstellern aus?
Kurwig: Auf jeden Fall unsere langjährige Erfahrung in diesem Bereich. Besonders unsere konkreten Learnings bezüglich effizienter Kundengewinnung und -bindung im Internet geben uns einen Wettbewerbsvorsprung, der nicht so einfach einzuholen ist.
Kooperationen auch mit Majors interessant
GM: Wird das Geld der Majors langfristig zum "Zünglein an der Waage"?
Kurwig: Einen gewissen Vorteil kann das schon darstellen. Allerdings gibt dieser doch recht junge Markt auch neuen Marktteilnehmern wie Mightygames die Chance, mit anderen strategischen und operationalen Vorteilen ein potenzielles Defizit auszugleichen bzw. können die neuen Marktteilnehmer mit dem entsprechenden Wachstumspotenzial in die Rolle versetzt werden, hier auch finanziell mithalten zu können.
GM: Könnte Mightygames durch Kooperationen mit den Majors vielleicht sogar profitieren?
Kurwig: Kooperationen wären generell für beide Parteien interessant, da ja häufig Onlinespiele auch klassisch distribuiert werden, und hier haben wir natürlich nicht den optimalen Background. Das jeweilige Kern-Know-now zu vereinen würde aus unserer Sicht eine dominante Stellung im Markt sehr begünstigen.