S.A.D. hat in den vergangenen zwölf Monaten einschneidende Umstrukturierungen vollzogen. So wurde komplett auf Eigenproduktion umgestellt und der Außendienst ausgegliedert. GamesMarkt.de sprach über die Veränderungen im Unternehmen mit Robert Knapp, Leiter Produktmanagement und Unternehmenskommunikation.

GamesMarkt.de: Wie ist S.A.D. im Moment personell aufgestellt?

Robert Knapp: Im vergangenen Jahr haben wir stark umstrukturiert und von 37 auf knapp 20 Mitarbeiter abgebaut. Der komplette Außendienst wurde aufgelöst, es wird nun nur noch im Innendienst verkauft. Die Betreuung der Kunden wurde Schritt für Schritt an Dienstleister abgegeben. Das Produktmanagement, so in den Bereichen Entwicklung und Marketing, wurde indes aufgestockt. Hier sind nun statt zwei Personen schon sechs am Werk. 2001 konnten so über 60 Eigentitel auf den Markt gebracht werden. Schon jetzt stehen 27 Titel auf der Releaseliste für das 1. Quartal 2002.

"Starke Stellung im Fachhandel"

GM: Wie sieht die vertriebliche beziehungsweise logistische Seite aus? Welchen Anteil nehmen Fremdproduktionen ein?

Knapp: Die bestehende Lagerfläche von 1200 Quadratmeter reichte aus, um die steigenden Umsätze zu realisieren. Vor allem, weil weniger Retouren abzuwickeln waren und Sonderposten schnell weiterverkauft werden konnten. Insgesamt zeigt diese Entwicklung die strategische Ausrichtung der Firma S.A.D. auf ihr Kerngeschäft auf, den Verlagsbereich. Die Distribution von CD-ROM-Titeln spielt bei S.A.D. überhaupt keine Rolle mehr. Der Gesamtumsatz wird mittlerweile zu 100 Prozent mit Eigentiteln realisiert.

GM: Welche Schwerpunkte setzen Sie dabei im Produktportfolio?

Knapp: Ein Schwerpunkt bildet der Bereich Software für Handy & Co. Hier spielen wir mit der Marke "HandyTuner" in der ersten Liga. Wir bieten dem Handel ein komplettes Sortiment, wir decken zwischenzeitlich die Handymarken Nokia, Siemens, Sagem und Motorola ab. Eigene Präsentationsmöbel wie der HandyTower sichern uns eine starke Stellung im Fachhandel. Unsere Recordinganwendungen drehen sich um das Thema Brennen & Kopieren. Auch hier spielen wir mit der Brennsoftware "CDRWIN" ganz vorn mit. "MovieJack" kommt ebenfalls aus dem Hause S.A.D. und ist der Topseller schlechthin. Ausgebaut wird die Serie noch mit den Produkten "GameJack" und "AudioJack". Mit "SimDisc" und dem "Padus DiscJuggler" führen wir Produkte mit hohem Verkaufspotenzial. Weitere Produkte im Recordingbereich sind in Planung. Das dritte Standbein sind Produkte aus den Bereichen Tools & Utilities, wo wir immer wieder für Überraschungen gut sind. Produkte wie "XP-Antispion", "WinTuner" und "XP-Tuner" verkaufen sich derzeit in sehr guten Stückzahlen. Das restliche Sortiment teilt sich auf die verschiedensten Bereiche auf, wie Lerntitel, Low-Budget-Games und Infotainment. Dieser Bereich macht immer noch rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus und sorgt dafür, dass wir letztendlich nicht abhängig sind von schnellen Änderungen der Anwendertrends.

GM: Welche Titel sind aus dem Segment Info-/Edutainment zu erwarten?

Rückbesinnung aufs Verlagsgeschäft

Knapp: Wir haben erst kürzlich mit dem Titel "WISSEN - Das Internet" eine brandneue Infotainment-CD-ROM abgeliefert. Die Software bringt auf unterhaltsame Art und Weise das komplizierte Thema Internet näher. Die Verkäufe sind bisher mehr als zufrieden stellend.

GM: Welchen Titeln gilt im 1. Quartal 2002 weiterhin besonderes Augenmerk?

Knapp: Wir setzen im ersten Quartal auf den Ausbau der Jack-Reihe. Mit dem Titel "GameJack" bringen wir ein revolutionäres Brennprogramm, das jeden Anwender in die Lage versetzt, eine Sicherheitskopie einer CD-ROM zu erstellen, auch wenn diese durch diverse Kopierschutzsysteme gesichert ist. Ein spezielles Know-how oder eine spezielle Hardware ist nicht erforderlich. Danach kommt "AudioJack", ein Programm, das garantiert jede Audio-CD kopieren wird - ob kopiergeschützt oder nicht. Mit großem Aufwand kommt die lang ersehnte Version 5.0 unseres Klassikers "CDRWIN". In Planung ist ebenfalls eine neue Generation von Handysoftware, die unter der starken Marke "HandyTuner X-tream" vermarktet wird. Mit dieser Softwaregeneration werden wir unseren Spitzenplatz in diesem Marktsegment ausbauen. Alle neuen Titel werden begleitet von einer Printwerbekampagne mit ganzseitigen Motiven in der Fachpresse und verfügbaren Demoversionen im Internet und auf Magazin-CD-ROMs.

"Was legal ist, definiert der Gesetzgeber"

GM: Nach wie vor ist die Frage des Vervielfältigens von Softwareprodukten, ob legal oder illegal, eines der Hauptthemen der Branche. Wie positioniert sich S.A.D.?

Knapp: Die Antwort ist ganz einfach: Eine legale Kopie ist in Ordnung, eine illegale Kopie nicht. Was legal ist, definiert der Gesetzgeber und nicht die Firma S.A.D. Dabei ist eindeutig geregelt, was legal ist und was nicht. Legal ist die Erstellung einer Sicherungskopie, so weit dies nach den Umständen erforderlich ist. Die Erforderlichkeit wird man wohl bejahen müssen, weil CDs oder DVDs nach einiger Zeit stets verkratzen. Also ist im Umkehrschluss jeder ein Raubkopierer, der eine kopierte CD-ROM besitzt und nicht gleichzeitig im Besitz der Original-CD-ROM ist. Raubkopierer müssen strafrechtlich verfolgt und belangt werden.

GM: Wie hat sich "Movie Jack" in seiner Produkthistorie entwickelt?

Knapp: Wir wollten schon lange eine Software auf den Markt bringen, die es dem Verbraucher ermöglicht, eine Kopie seines DVD-Films zu erstellen, so wie dies auch bei Musik-CDs oder VHS-Videos möglich ist. Die Kopie sollte dort abspielbar sein, wo auch das Original abgespielt werden kann, nämlich auf dem DVD-Player und nicht auf dem PC. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir auf den Dreh mit der Video-CD gekommen sind und die Software so einfach zu bedienen war, wie sie es heute ist. Die Arbeit hat sich aber gelohnt. "MovieJack" ist fast einstimmiger Testsieger in den Medien und verkauft sich bis heute, trotz Konkurrenz durch "DaViDeo", in sehr guten Stückzahlen. Allein die Demoversion wurde über 1,5 Mio. Mal verbreitet.

GM: Welche Vertriebskanäle nutzt S.A.D. für den Absatz?

Knapp: Die wichtigste Vertriebsschiene ist nach wie vor der klassische Handel, wie Kaufhausketten, Fachmärkte, Versandhändler und andere. Wo es um zentrale Belieferung geht, arbeiten wir direkt mit dem Handel zusammen. Die dezentrale Kundenbetreuung vor Ort übernehmen Dienstleister, die auf Rackjobbing ausgelegt sind und mit denen wir nicht konkurrieren können und wollen. Ebenfalls wichtig und stetig wachsend ist das Geschäft mit Lizenzen in Form von OEM-Verträgen oder Zweit- und Drittvermarktungen unserer Programmrechte. Hier sind unsere Partner die Hersteller von Hardware und die so genannten Nebenmärkte, wie Tankstellen oder Lebensmitteldiscounter.

GM:Wie sieht die internationale Präsenz aus?

Knapp: Wir legen sehr großen Wert auf Internationalisierung. So sind wir derzeit schon in Frankreich und Belgien, Niederlande und Luxemburg präsent und liefern in den nächsten Wochen nach Spanien und Italien. Bis Mitte des Jahres werden wir in allen Euro-Ländern Software vertreiben können. Das versetzt uns in die glückliche Lage, am Releasetag mit anderen Stückzahlen rechnen zu können als Mitbewerber, die nur im deutschsprachigen Raum vertreiben.

GM: S.A.D. setzt mit seinem Angebot verstärkt auf das Handy. Wie entwickelt sich derzeit dieses Marktsegment? Der große Hype scheint etwas abzuflauen...

Knapp: Der große Hype in Sachen Hardwareverkäufe flaut etwas ab, das ist richtig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Verkauf von Software abnimmt. Titel wie "HandyTuner 3", "1.111 SMS-Sprüche" oder der "MobilBox-Tuner" verkaufen sich weiterhin solide in sehr hohen Stückzahlen. Bei der verbreiteten Anzahl an Handys in Europa ist in Sachen Software für Mobiltelefone das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Zumal unsere kommende Software "HandyTuner X-tream" nicht nur auf dem PC laufen wird, sondern auch auf CE-Geräte installiert werden kann.

GM: Gerade bei Mobiltelefonen wird die Softwareentwicklung durch unterschiedliche Standards erschwert. Was halten Sie von Initiativen wie das Mobile Games Interoperability Forum?

Knapp: Nichts würde uns mehr freuen, als eine Standardschnittstelle für den Datenaustausch bei Mobiltelefonen. Dies wird jedoch noch Jahre brauchen, bis aus diesem Wunsch Wirklichkeit wird. Zu unterschiedlich sind die Anwenderwünsche und Handytypen. Bis dahin müssen unsere Entwickler noch mit den verschiedensten Zutaten würzen, bis ein kompakter HandyTuner auf den Markt kommt. Das haben wir in der Vergangenheit bewältigt und werden es noch so lange bewältigen, bis uns die Handyhersteller das Geschäft einfacher machen.

GM: Insgesamt hat der Softwaremarkt stagniert. Wie sehen Sie die derzeitige Situation?

"Der Markt ist mehr als gesättigt"

Knapp: Trotz eines stagnierenden Softwaremarkts hat S.A.D. im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent zugelegt. Das hat einen Grund. Der Handel mit Software aus dem Backsortiment ist stark eingebrochen. Die zehnte Visitenkartendruckerei, die zwanzigste Ahnenverwaltung, das zigmal produzierte Kochbuch oder der x-te Routenplaner reizen den Kunden nicht mehr zum Kauf. Erstens hat er die Software schon, zweitens bekommt er sie spätestens auf der Magazin-CD-ROM seiner Computerzeitschrift als Vollversion, oder er lädt sich die Programme als Freeware aus dem Internet. Der Markt ist mehr als gesättigt. Wir haben 2001 auf Anwendungen fokussiert, für die der Kunde bereit ist, Geld auszugeben. Produkte mit einer hohen Qualität, die mit einer umfangreichen Dokumentation versehen sind und hinter denen eine hauseigene Hotline steht, die von 8 bis 20 Uhr werktags zu erreichen ist. "HandyTuner", "MovieJack" und "CDRWIN" sind solche Titel. Hier ist der Kunde auch bereit, um die 40 Euro in den Kauf zu investieren. Insgesamt konnten wir also unsere Umsätze gegen den Trend steigern. Das Rezept hört sich einfacher an, als es ist: "Gute Titel, die der Anwender kaufen will."

GM: Der stationäre PC soll nach dem Willen von Bill Gates spätestens in fünf Jahren von mobilen Geräten abgelöst werden. Wird der Hardwaremarkt mobil?

Knapp: Nicht jede von Bill Gates" Visionen wird Wirklichkeit werden. Der Markt wird aber sicherlich ganz unterschiedliche Richtungen einschlagen. Das fängt beim Mobiltelefon mit PDA-Qualitäten an und hört beim portablen PC mit Telefonfunktion auf. Eine Standardlösung wird es nicht geben. Dazu sind die Anwenderwünsche zwischen Lifestyle und praktischem Nutzwert viel zu unterschiedlich. Wichtig ist, dass der Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Geräten mit einer Software aus der "HandyTuner"-Reihe erledigt wird und die Daten mit "CDRWIN" gesichert werden.

GM: Herr Knapp, herzlichen Dank für das Gespräch.

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