Im Gespräch: Sandy Duncan, Vice President EMEA Xbox
Während des X02-Events stand Sandy Duncan für Fragen zur Verfügung, die sich in erster Linie aus den Ankündigungen des Onlineservice "Xbox Live" ergaben. Nachfolgend ein Auszug aus dem Gespräch.
GM: Mit dem Onlineservice "Xbox Live" ist Microsoft Vorreiter im derzeitigen Konsolenbusiness. Mit welchen Schwierigkeiten sahen bzw. sehen Sie sich bei dessen Etablierung konfrontiert?
Duncan: Wenn wir über "Xbox Live" sprechen, müssen wir v. a. die länderspezifischen Gegebenheiten berücksichtigen und mögliche Probleme aus dem Weg räumen, die sich in erster Linie aus den unterschiedlichen Netzwerkinfrastrukturen ergeben. Bestehende Netzwerke sind meist darauf ausgerichtet, Daten nur in eine Richtung zu senden. Eine Zweiwegekommunikation wie bei "Xbox Live" sorgt häufig für Überlastung. Sind die erforderlichen technischen Voraussetzungen gewährleistet, unterhalten wir uns in einem zweiten Stadium über Marketingvereinbarungen mit den jeweiligen Providern. Im Falle Deutschlands als einem der weltweit technologisch am weitesten entwickelten Länder sind wir sehr optimistisch, dass der Betatest von "Xbox Live" bereits Mitte bis Ende November online gehen wird.
"Xbox Live" als Low-Cost-Service
GM: Wie werden die Nutzungsgebühren für "Xbox Live" aussehen?
Duncan: Sie werden für die ersten zwölf Monate im Preis für das Starterkit enthalten sein; das gilt ab dem 14. März 2003. Wenn Sie also das Starterkit bereits im November dieses Jahres erwerben, können Sie "Xbox Live" fast 15 Monate kostenlos nutzen. Und dazu erhalten Sie auch noch das Headset und die beiden Spiele "Whacked!" und "Moto GP Online".
GM: Und nach Ablauf dieser zwölf Monate?
Duncan: Eine Entscheidung, wie hoch die Nutzungsgebühren dann ausfallen werden, ist noch nicht gefallen. Lassen Sie mich aber auf jeden Fall versichern, dass diesmal niemand über unsere Preise enttäuscht sein wird. Schließlich wollen wir einen Low-Cost-Service anbieten.
Wir werden mit "Xbox Live" jedenfalls kein Trojanisches Pferd ausliefern!
GM: Gibt es Pläne für eine Internetanbindung innerhalb von "Xbox Live"?
Duncan: Nein. Wir werden sicherlich nicht die Fehler von Sega mit Dreamcast wiederholen, die meiner Meinung darin bestanden, dass Sega sich nicht sicher war, welchen Mehrwert sie mit der Onlinefähigkeit wirklich bieten. Geht es ums Spielen, ums Einkaufen oder darum, nur durchs Internet zu surfen? Brauchen wir ein Keyboard etc.? Sega beschäftigte sich mit sehr vielen Extrafragen - "Xbox Live" beschäftigt sich ausschließlich mit Onlinegames.
GM: Werden künftig alle Xbox-Spiele über Onlinefunktionen verfügen?
Duncan: Das ist das eigentlich Witzige daran. Entwickler haben bereits von Anfang an die Möglichkeit gehabt, Spiele für den Systemlink zu entwickeln, also Xbox-Konsolen via Kabel zu verbinden. Spiele dieser Machart sind bereits "Xbox Live"-fähig. Die Entwickler von "MotoGP" beispielsweise haben dieses Linkfeature bereits genutzt - die Umsetzung für "Xbox Live" hat dann nur eine Woche gedauert.
GM: Für den von Microsoft zur Verfügung gestellten "Xbox Live"-Service müssen Entwickler oder Publisher keine Extralizenzgebühren entrichten. Wie sieht es mit Downloads aus? Können Publisher Zusatzmaterialien wie Level oder Mods kostenlos über Microsoft anbieten?
Duncan: Für die erste Version von "Xbox Live" sind derzeit keine Royalties seitens der Publisher fällig, und auch die User müssen für Downloads vorerst nicht extra zahlen. Aber es wird weitere Versionen von "Xbox Live" geben, und wir befinden uns natürlich in Gesprächen mit den Publishern, wie man mögliche Umsatzpotenziale ausschöpfen kann.
GM: Wird "Xbox Live" das Gaming auf ein neues Level heben, oder sehen Sie den Service nur als einen zusätzlichen Mehrwert an? Werden die Spieler bald ohne "Xbox Live" nicht mehr leben wollen?
Duncan: Ich liebe diese Vorstellung! Ich persönlich habe eine Leidenschaft für Onlinegaming. Bis jetzt spiele ich nicht online, da muss ich ehrlich sein. Auch verschafft mir die Vorstellung, von irgendeinem Kid aus Düsseldorf gefragged zu werden, keinen übermäßig großen Kick. Mein Interesse liegt hier mehr auf episodenbasierten Onlinespielen. Spiele, die langsam eine Geschichte entwickeln und in einer gewissen Weise auch mit dem Spieler wachsen, und mit denen der Spieler mitwachsen kann. Leute wie Peter Molyneux sind begeistert, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten, auf welche Art und Weise sie ihre Welten den Spielern darbringen, und wie sich ihre Spielcharaktere entwickeln können. Charaktere, in die sich der Spieler vielleicht auch verlieben kann...
Marktführerschaft neu definiert
GM: Bei Ihrer Eröffnungsrede zu X02 haben Sie gesagt, Sie seien stolz, dass Microsoft mittlerweile die Nummer zwei im Konsolenbusiness ist. Wollen Sie die PS2 noch innerhalb des derzeitigen Produktzyklus überholen? Und wann wollen Sie die Nummer eins werden?
Duncan: Die PlayStation 2 ist seit zwei Jahren auf dem europäischen Markt. Sie über Nacht von der Spitzenposition verdrängen zu wollen, wäre utopisch. Unser Ziel ist es in erster Linie, uns als Konsolenhersteller zu etablieren. Langfristig haben wir sicherlich die Möglichkeit, die Marktführerschaft zu übernehmen. Marktführerschaft bedeutet aber letzten Endes nicht nur, mehr Konsolen als die Mitstreiter zu verkaufen. Microsoft hat bewiesen, dass Marktführerschaft auch bedeutet, Standards zu setzen. Besonders im Onlinegeschäft werden wir dies auch beweisen.