Im Gespräch: Thorsten Reuber, Amazon.de
Amazon, vor wenigen Jahren als reiner Buchhändler gestartet, zählt in den Segmenten Musik und Video/DVD zu den Big-Playern im Handel. Jetzt schickt sich der Internethändler an, auch die Gamessparte zu erobern. Darüber sprachen wir mit Thorsten Reuber, Senior General Manager Media bei Amazon.de.
GamesMarkt.de: Was verbirgt sich hinter dem Gameshop-Konzept? Welche Intentionen und Ziele verfolgt Amazon damit?
Thorsten Reuber: Amazon hat 1998 als Buchhändler angefangen. Auf dieser Basis haben wir unser Angebot konsequent auf andere Medien ausgeweitet: 1999 mit dem Musikshop und im Jahr 2000 mit dem Videoshop. Mitte 2000 haben wir den Bereich Computerspiele eröffnet. Dabei haben wir von den Erfahrungen der anderen Launches profitiert. Deswegen waren wir mit dem Gameshop von Anfang an sehr erfolgreich. Wir sind mit einem umfangreichen Angebot und einer professionellen Darstellung gestartet. Nicht zuletzt wird die Qualität unseres Dienstes von seiner funktionierenden Beschaffungs- und Verteilungslogistik bestimmt.
GM: Welche Unterschiede gibt es zu einem herkömmlichen Einzelhändler?
Reuber: Vom Angebot her kann man einen Internetshop mit einem klassischen Geschäft durchaus vergleichen. Der Unterschied ist, dass im Onlineshop die Verkaufsfläche unendlich groß ist. Im Bereich Games gibt uns das die Möglichkeit, alle Produkte anzubieten, die es auf dem deutschen Spielemarkt gibt - Games für den PC oder die Konsole, aus der Frontlist und den gesamten Backkatalog und darüber hinaus eine große Auswahl an Zubehör. Die Breite des Angebots verbinden wir mit einer Fülle an Informationen über jedes einzelne Produkt. Das heißt, in unserem Gameshop findet der Kunde neben handelsüblichen Informationen, wie Namen und Abbildung eines Produkts, noch weitere technische Details, beispielsweise, welche Voraussetzungen nötig sind, um das Spiel zu betreiben. Zudem bieten wir Informationen über das beste Zubehör und Rezensionen der Profis aus unserem Redaktionsteam sowie aus unserem Kundenstamm. Das ist so ähnlich, als würde man sich in einem herkömmlichen Laden ein Produkt anschauen, und gleichzeitig würden einem ein Verkäufer & ein Nutzer etwas darüber erzählen. Nur empfindet es der Kunde als angenehmer, etwas über ein Produkt zu lesen als zu hören und sich dann gezielt für ein Produkt zu entscheiden.
GM: Welche Vorteile hat das Onlineshop-Konzept gegenüber dem klassischen Einzelhandel?
Reuber: Für einen erfolgreichen Verkauf ist das Internet ideal, gerade im Bereich Games. Denn nicht jedes Spiel kann mit jeder Hardware kombiniert werden. Man muss darauf achten, dass man die richtige Software kauft. Zudem will der Kunde nicht nur wissen, was der Hersteller über das Produkt verspricht, sondern auch, was andere Kunden darüber sagen. Das sind Vorteile, die der klassische Handel in dieser Breite und Tiefe nicht bieten kann.
Von der Koexistenz überzeugt
GM: Wie wichtig ist den Kunden Ihr Informationstool?
Reuber: Das kommt auf den Kunden an. Der Bereich Navigation ist dafür ein gutes Beispiel. Wie in einem klassischen Laden haben wir zum Beispiel eine Abteilung für Konsolenspiele. Innerhalb dieses Bereichs gibt es einen Gang nur für Xbox-Spiele, einen anderen nur für PS2-Spiele. Innerhalb dieser Abteilung haben wir den Shop weiter nach Genre untergliedert und bieten weitere spezialisierte Inhalte an, wie zum Beispiel stündlich aktualisierte Verkaufscharts. Damit bedienen wir nicht nur die Kunden, die gezielt nach einem speziellen Titel suchen, sondern geben Kunden auch die Möglichkeit, in unserem Angebot zu stöbern. Das ist für jene Kunden wichtig, die sich beispielsweise einen GameCube kaufen und einfach mal schauen wollen, welche Titel es für diese Konsole gibt. Generell ist unser Angebot sehr klar und übersichtlich gegliedert. Unsere Kunden nutzen beide Informationsmöglichkeiten.
GM: Worin liegt für den Verbraucher die besondere Attraktivität des Gameshops?
Reuber: Wir haben an diesem Bereich sehr intensiv gearbeitet. Unser Angebot besteht aus verschiedenen reizvollen Komponenten. Eine ist die Sektion "Preishits", in der wir laufen günstige Angebote offerieren. Neben der Vollständigkeit unseres Portfolios legen wir außerdem besonderen Wert darauf, unseren Kunden auch Angebote zu unterbreiten, die preislich attraktiv sind. Zudem können wir vor Produktveröffentlichung bereits Vorbestellungen entgegennehmen - gegenüber dem klassischen Handel ein weiterer strategischer Vorteil. Dem Kunden geben wir die Gewähr, dass er das Produkt am Tag der Veröffentlichung im Briefkasten hat. Ein sehr attraktiver Service, zumal nicht in jedem Fall die vollständige Belieferung von allen Neuheiten in allen Kanälen gewährleisten werden kann. Mit all diesen Komponenten können wir den Freak, den Casual Gamer und den Schnäppchenjäger zufrieden stellen. Daher glauben wir, mit unserem Konzept inhaltlich und ökonomisch sehr erfolgreich sein zu können - und die bisherigen Erfahrungen geben uns Recht.
GM: Wie sieht das für die Bereiche Hardware und Zubehör aus?
Reuber: Interessant ist die Kombination von Soft- und Hardware. Aktuell kann man bei uns die drei Konsolen der neuen Generation kaufen. Unsere Kunden können auch hier unsere Vergleichsengine nutzen. Sie können mit ein paar Mausklicks feststellen, welche Vor- und Nachteile die Produkte in den relevanten Bereichen haben. Damit helfen wir dem Kunden bei der Auswahl von Produkten. Entsprechend verfahren wir beim Zubehör, etwa im Bereich Joysticks, bei denen die Kaufentscheidung aufgrund der Fülle des Angebots nicht leicht fällt. Wir versuchen, den Kunden so umfangreich wie nötig und so konstruktiv wie möglich zu unterstützen.
GM: Wie sieht der typische Amazon-User im Bereich Games aus?
Reuber: Der typische Amazon-User hat - logischerweise - einen PC. Mit dem wachsendem Erfolg der PS2 und der Einführung der Xbox und des Nintendo GameCubes nimmt der Verkaufsanteil der Konsolentitel stetig zu. Unsere Kundschaft kommt aus allen Bereichen des Gamessektors. Ein großer Teil sind Core Gamer. Viele unserer Kunden bestellen aber auch Bücher, CDs, Videos und Games gemischt. Auch haben wir unter unseren Kunden einen beachtlichen Anteil von Casual Gamern und Usern, die Games für ihre Kinder kaufen. Der Anteil von Kindertitel im Gamesrepertoire von Amazon steigt ständig.
GM: Wie wird das Vorverkaufsangebot angenommen?
Reuber: Es wird je nach Segment innerhalb des Gamesangebots unterschiedlich stark angenommen. Aber grundsätzlich ist es ein Feature, das die Kunden lieben.
GM: Warum?
Reuber: Man wirft dem Internet oft vor, es wäre ein kalter Raum und könnte den Verkäufer nicht ersetzen. Das ist so nicht richtig. Wir pflegen über ein sehr breit gestreutes Newsletterangebot die Kommunikation mit den Kunden. Ingesamt haben wir derzeit mehr als ein Dutzend Newsletter im Gamesbereich. Die sind bei den Kunden beliebt, weil diese selbst darüber entscheiden, ob sie dieses Angebot annehmen oder nicht. Newsletter sind eine gute Möglichkeit, sich von unserer Redaktion über ein Thema, wie zum Beispiel PC-Spiele oder das GameCube-Angebot, über unsere Preishits oder ein bestimmtes Spielegenre regelmäßig informieren zu lassen. Unsere Redakteure sorgen dafür, dass unsere Produkte zum richtigen Zeitpunkt und mit den passenden Rezensionen präsentiert werden, und erstellen dazu Newsletter. Gerade die Newsletter im Gamesbereich haben eine sehr gute Subskriptionsrate. Darüber hinaus haben wir Personalisierungsfeatures, mit denen wir unseren Nutzern ein auf ihre Interessen zugeschnittenes Angebot erstellen können, so dass sie sofort finden, was zu ihnen passt, und neue Anregungen bekommen, welche Titel oder welches Zubehör ihnen gefallen könnte. Unser Kunde erhält schon auf der Shop-Homepage persönliche Produktvorschläge. Und diese Auswahl kann der Nutzer selbst verbessern: Er kann unsere Vorschläge bewerten, wodurch unser intelligentes System lernt, noch besser auf die individuellen Interessen des Kunden einzugehen. Die wachsende Nachfrage nach Newslettern geht mit unserem Umsatzwachstum einher. Denn in Deutschland wächst das Segment Games ähnlich gut wie der Bereich DVD. Für uns ergänzen sich damit zwei positive Faktoren: das Marktwachstum und die Tatsache, dass immer mehr über das Internet bestellt wird - und das vorzugsweise bei uns.
GM: Von "Der Herr der Ringe" etwa gibt es ja nicht nur Spiele, sondern auch Comics und eine DVD-Video. Weisen Sie im Rahmen des Gameshops Kunden, die sich generell für "Herr der Ringe" interessieren, auf alle Angebote zu diesem Thema hin?
Reuber: Ähnliches planen wir zunächst für DVD, Games und den fünften Band von "Harry Potter". Dafür werden wir eine medienübergreifende "Harry Potter"-Plattform einrichten. Ziel ist es, den Kunden, die sich für dieses Thema interessieren, zu zeigen, welche Produkte wir zu "Harry Potter" anbieten. Die "Harry Potter"-Plattform wird aber erst der Anfang sein. Sie steht stellvertretend für andere Projekte, zu denen künftig auch "Der Herr der Ringe" gehören könnte.