In den vergangenen zwei Jahren fand bei Acclaim ein Umbruch statt. GamesMarkt.de sprach mit General Manager Uwe Fürstenberg über die Marktgegebenheiten, die Marktaussichten sowie über die mittel- und langfristigen Ziele des Publishers.

GamesMarkt.de: Wie hat sich Acclaim in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt?

Uwe Fürstenberg: Nachdem Acclaim auf internationaler Ebene bereits das siebte Quartal in Folge mit Gewinn abgeschlossen hat, kann nun auch die deutsche Niederlassung, Acclaim Entertainment GmbH, trotz der schwierigen Marktsituation den Anschluss an diesen Erfolg vermelden und wird zum Ende des Fiskaljahrs 2002 Ende August ein positives Ergebnis bekannt geben.

GM: Worauf ist das zurückzuführen?

Fürstenberg: Zum einen begründet sich der Erfolg durch das verbesserte Produktportfolio, zum anderen durch massive Kostenreduzierungen im operativen Geschäft. Die Einsparungen bezogen sich auf alle Geschäftsebenen, u. a. auch auf die Personalkosten.

GM: Wie stark wurde die Mannschaft reduziert?

Fürstenberg: Aktuell bauen wir unseren Personalstamm aus. Aber im Vergleich zum Jahr 2000 beschäftigt Acclaim Deutschland heute knapp die Hälfte an Mitarbeitern. In den schwierigen letzten beiden Jahren musste der Gürtel enger geschnallt werden. Das ist jetzt jedoch vorbei.

GM: Sie blicken also optimistisch nach vorn...

Fürstenberg: Man muss die Zukunft von Acclaim, aber auch der gesamten Branche, optimistisch sehen. Die Kehrtwende ist geschafft, die rezessive Phase des Generationswechsels der Hardwareplattformen ist überwunden, und die Weichen für den Aufschwung sind gestellt.

GM: Wie äußert sich das?

Fürstenberg: Die installierte Basis der PlayStation 2 hat ein Niveau erreicht, das massenmarktfähig ist. Aber auch GameCube und Xbox zeigen erfolgreiche Tendenzen, was ihre Marktetablierung betrifft, so dass es rentabel ist, Konvertierungen für alle Plattformen umzusetzen. Aktuell zeigt der GameCube in Deutschland einen leichten Vorsprung, aber auch die Xbox wird durch ihre Qualität und Beständigkeit aufholen.

GM: Wie wichtig sind Konvertierungen für Acclaim?

Fürstenberg: Gerade für einen internationalen Softwarepublisher stellt die Möglichkeit, Produkte für die drei Next-Generation-Plattformen gleichzeitig zu entwickeln, eine attraktive Option dar. In den USA ist die Xbox sehr stark und liegt vor dem GameCube. In Europa ist die Verteilung der Marktanteile noch nicht entschieden, wird sich jedoch vermutlich im Vorweihnachtsgeschäft klarer herauskristallisieren. Global betrachtet kommt jede Konsole jedoch auf eine installierte Basis, die eine Entwicklung jeweils profitabel macht.

GM: Es wird also immer besser?

Fürstenberg: Nach unseren Planungen ist die nächste Konsolengeneration in etwa 2005 zu erwarten. Bis dahin können wir sicher mit einem ständig wachsenden Markt rechnen.

GM: Wie stark genau wird der Markt Ihrer Meinung nach wachsen?

Fürstenberg: Wir rechnen mit einer Steigerung von etwa 40 Prozent im Hardware- und über 60 Prozent im Softwaresektor, bezogen auf die Next-Generation-Konsolen. Das heißt, am Ende des Lebenszyklus von PS2, GCN und Xbox werden welt-weit 40 Prozent mehr Hardware-units verkauft worden sein, als Ende 2001 zusammen von den Konsolen PSone, N64 und Saturn.

GM: Was bedeutet diese Planung für das derzeitige Geschäft?

Fürstenberg: Acclaim wird am Gesamtwachstum bis zur nächsten Transitionphase im Jahr 2005 überproportional partizipieren. Unser Line-up für die nächsten zwölf Monate sieht für Acclaim viel versprechend aus. Wir haben etwa doppelt so viele Spiele wie im Vorjahr, viele starke Brands und gute Filmlizenzen. Zudem können wir die Entwicklungen für alle Spieleplattformen umsetzen. All diese Faktoren geben uns das Potenzial, stärker als der Gesamtmarkt zu wachsen.

GM: Wie werden die einzelnen Plattformen aus Acclaims Sicht abschneiden?

Fürstenberg: Europaweit wird 2002 der PC mit etwa 50 Prozent nach wie vor die stärkste Plattform sein, allerdings mit abnehmender Tendenz. PS2 liegt bei etwa 20 Prozent und wird hinzugewinnen. GameCube und Xbox dürften sich knapp die Waage halten und jeweils auf etwa fünf Prozent kommen. Der Rest wird sich auf die übrigen Plattformen verteilen.

GM: Und welche Verschiebungen wird es mittelfristig geben?

Fürstenberg: Die PS2 wird auf internationaler Ebene ihren Marktanteil sicherlich ausbauen und etwa 25 Prozent anstreben. In gleichem Maße werden auch Xbox und GameCube wachsen, wobei wir die Xbox durch den starken Start im US-Markt zunächst leicht im Vorteil sehen. Beide werden zum nächsten Generationswechsel auf knapp über zehn Prozent kommen.

GM: Und wie beurteilen Sie den Konsolenmarkt in Deutschland in diesem Herbstgeschäft?

Fürstenberg: Normalerweise höre ich nicht auf Gerüchte, jedoch gibt es Indikatoren auch seitens des Handels, dass die allgemein von Sony erwartete Preissenkung nicht, wie gewohnt, nahe am Weihnachtsgeschäft, sondern vielleicht schon im September erfolgt. Der Handel baut Ware ab, um größere Mengen für die Folgemonate zu ordern. Auch ist durch die momentane Eurostärke ein Preisunterschied zum US-Markt nicht gerechtfertigt. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, müssten auch die Mitbewerber nachziehen. Diese Konstellation kann für einen Softwarepublisher nur von Vorteil sein. So könnten die Umsatzzuwächse im Jahresendgeschäft noch weit höher ausfallen als erwartet. Würde eine Hardwarepreisreduzierung mit dem Launch unseres Titels "Turok" einhergehen, wäre dies natürlich ideal für die Vermarktung. GM: Doch das allgemeine Konsumklima bleibt auch mit Preisreduzierungen gedämpft...

Fürstenberg: Acclaim profitiert stark davon, ein internationaler Publisher zu sein. Die Rezessionsstimmung ist eher auf Deutschland beschränkt. Hierzulande wird typisch deutsch und besonders gründlich gehandelt, das heißt, eine Gefahr wird bedrohlicher empfunden, als sie vielleicht tatsächlich ist. Amerikaner nutzen in Krisenzeiten ihre Kreditkarte und sehen weniger Anlass, den Konsum einzuschränken. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in Deutschland diese Krise überwinden werden.

GM: Sie sagten, dass Acclaim in den nächsten Jahren überdurchschnittlich zum Markt wachsen wird. Wie wollen Sie das erreichen?

Fürstenberg: Zwei Voraussetzungen müssen hierzu erfüllt sein: zum einen qualitativ hochwertige Produkte, zum anderen ein starkes und erfahrenes Team, das den Titeln bei der Vermarktung zum Erfolg verhilft.

GM: Und wie sieht es im nächsten Weihnachtsgeschäft aus?

Fürstenberg: Unser Line-up verteilt sich gleichmäßig auf die kommenden zwölf Monate. Wir werden also zu Weihnachten nicht überproportional viele Releases haben. Allerdings sind fünf absolute Highlights dabei: "Turok Evolution", "Aggressive Inline", "Burnout 2" "Vexx" und "BMX XXX". Bei "Turok" handelt es sich sicherlich um das stärkste und Acclaims populärstes Brand. Doch auch "Aggressive Inline" hat als Trendsporttitel ein sehr gutes Verkaufspotenzial und kann sich leicht qualitativ gegenüber den Wettbewerbsprodukten behaupten.

GM: Mit welchen Stückzahlen rechnen Sie bei "Turok Evolution"?

Fürstenberg: "Turok" war bislang ein N64-Brand und hat auf dieser Plattform im gesamten Lebenszyklus wohl rund 30 Prozent aller Hardwarebesitzer erreicht. Wir glauben deshalb, dass "Turok Evolution" auf GameCube überproportional performen wird, auch wenn der GameCube noch nicht die optimale installierte Hardwarebasis hat. Endlich können wir aber auch dem Wunsch aller anderen Konsolengamer nachkommen und mit dem Brand "Turok" auch die Xbox- und die PS2-Besitzer faszinieren. Unser Ziel ist es, zwischen acht und zehn Prozent aller PS2-Spieler mit "Turok Evolution" zu begeistern.

GM: Im Juni hat Acclaim einen Vertriebsdeal mit Mitsui und Stadlbauer unterzeichnet. Warum?

Fürstenberg: Die deutsche Handelskarte ist für Acclaim momentan in die vier klassischen Vertriebsregionen Nord, Süd, West und Ost unterteilt und wird von vier Außendienstmitarbeitern betreut. Selbst bei fünf Kundenbesuchen am Tag ist da Unterstützung notwendig. Diese haben wir in Mitsui und Stadlbauer gefunden. Wir haben uns viel von der Zusammenarbeit erhofft. und die ersten Ergebnisse haben unsere Erwartungen sogar übertroffen. Es war die richtige Entscheidung, für den Fachbereich Nintendo, bei ausgewählten Handelskanälen auf externe Unterstützung zu setzen.

GM: Sind weitere Partnerschaften geplant?

Fürstenberg: Für definitive Aussagen ist es jetzt noch zu früh. Wir planen, langfristig in allen Segmenten unsere Marktanteile zu steigern. Dies Ziel erreichen wir mit zusätzlicher Manpower. Es wird notwendig sein, unsere Kernbereiche Marketing und Vertrieb weiter auszubauen. Dabei denken wir unter anderem an internes oder auch externes Telesales und weitere Vertriebspartner, bis hin zu zusätzlichen Außendienstmitarbeitern. Eine Entscheidung wurde jedoch noch nicht getroffen.

GM: Was erwarten Sie sich von der GC?

Fürstenberg: Die Organisatoren haben es geschafft, fast ausnahmslos die in Deutschland vertretene Branche zusammenzutrommeln. Das ist ein bisher unerreichter Erfolg. Die Voraussetzungen für ein Gelingen der Messe sind geschaffen. Nun liegt es an jedem Einzelnen, durch Einladungen und Aktionen für Publikum zu sorgen, so dass die Messe auch in Zukunft ein Highlight bleibt und vielleicht auch auf internationaler Ebene Anklang findet. Acclaim trägt seinen Teil dazu bei und engagiert sich mit drei verschiedenen Aktionsprogrammen. Neben traditionellen Produktpräsentationen am Hauptstand wird es ein sportliches Highlight im Zusammenhang mit dem Titel "Aggressive Inline" geben: Weltbekannte Inlineskater werden auf einer Half-Pipe ihr Können zeigen. Zusätzlich werden alle Messebesucher auf der separaten Turok-Aktionsfläche in den Bann unserer lebensgroßen Raptoren gezogen.

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By Marcel Kleffmann 2 min read