Seit Anfang des Jahres vertreibt Bigben Interactive den französischen PC-Gamespublisher Arxel Tribe in Deutschland. Jüngst wurden dort die Weichen für die Entwicklung von für Xbox-Spielen gestellt. GamesMarkt.de porträtiert den ungewöhnlichen Werdegang, wie aus einem Grafik-dienstleister der Autoindustrie zunächst ein Spieleentwickler, später ein Publisher wurde.

Gegründet wurde Arxel Tribe bereits 1991 in Ljubljana, Slowenien. Zu dieser Zeit dachte allerdings niemand bei Arxel Tribe an die Entwicklung von Spielen, obwohl das Unternehmen in erster Linie Computergrafiken herstellte. "Wir haben mehrere Jahre in der Autoindustrie gearbeitet", erinnert sich Guillaume de Fondaumière, President und CEO von Arxel Tribe. Zwei Jahre nach der Gründung eröffnete Arxel Tribe ein Büro in Paris, das neue Kunden gewinnen sollte. Schon bald kam es zu einer Zusammenarbeit mit L"Oreal und damit zum Einstieg in die Multimediawelt: Arxel Tribe erhielt den Auftrag Multimediakioske auf CD-i.-Basis für L"Oreal zu erstellen.

In die Gameswelt drang Arxel Tribe erst durch eine zufällige Begegnung mit dem Bestsellerautor Paulo Coelho ("Der Alchemist") vor. In einem nicht geplanten Messegespräch wurde die Idee eines gemeinsamen Computerspielprojekts geboren. Coelho war es auch, der Stardesigner Jean Giraud, besser bekannt als "Moebius", zu dem Projekt brachte. Ein Jahr später, 1997, war es dann so weit: Infogrames brachte mit "Pilgrim" das erste Spiel aus dem Hause Arxel Tribe auf den Markt.

Auch wenn das Spiel in Deutschland kein Renner war, erreichte es auf dem französischen Markt mit über 50.000 verkauften Units doch eine Auszeichnung mit einer "Goldenen CD-ROM". Über "Moebius" entstand zudem der Kontakt zu einem anderen Designer, Philippe Druillet.

Geschäft Schritt für Schritt ausbauen

Auch mit ihm wurde Arxel Tribe schnell handelseinig und ging das gemeinsame Projekt "Der Ring des Nibelungen" an. Damals wechselte Arxel Tribe auch den Vertriebspartner und ging ein weltweites Copublishing-Abkommen mit Cryo Interactive ein. Das Spiel "Ring des Nibelungen" wurde in 17 Sprachen übersetzt und verkaufte sich weltweit rund 450.000 Mal. "Zu diesem Zeitpunkt wurde uns klar, dass wir ein Spieleentwickler geworden waren", sagt de Fondaumière. Ein äußerst wichtiger Meilenstein in der Historie von Arxel Tribe folgte 2001. Nach mehreren Adventurespielen beschloss das Unternehmen, das zwischenzeitlich seinen Hauptsitz endgültig nach Frankreich verlegt hatte, die Bandbreite des Portfolios zu erweitern.

Vom Dienstleister zum Publisher

Gleichzeitig sei es schwieriger geworden, Publisher zu finden, erklärt de Fondaumière. Und so kam es zu einer weiteren wichtigen Entscheidung bei Arxel Tribe: Das Unternehmen beschloss, künftig selbst als Publisher aufzutreten, mit dem Ziel, wenige, dafür qualitativ gute Titel herauszubringen. Doch selbst bei einem anvisierten Produktausstoß von vier bis sechs Spielen hat Arxel Tribe laut de Fondaumière eingesehen, dass nicht alle Entwicklungen "inhouse" gemacht werden können. Verschiedene Projekte wurden ausgelagert. Auch wurde in diesem Jahr ein richtungweisender Vertrag unterzeichnet.

Durch eine exklusive Vertriebsvereinbarung mit Strategy First konnte sich Arxel Tribe die europäischen Rechte an einem Teil des Portfolios des amerikanischen Independentpublishers für Europa sichern. So fanden Spiele wie "Trainz" oder "Disciples 2" ihren Weg ins Arxel-Tribe-Programm. Der Status quo ist für Arxel Tribe eine gute Ausgangsbasis für kommende Aufgaben. Zu diesen zählt auch der Einstieg ins Konsolengeschäft - ohne dies jedoch zu überstürzen.

Erst kürzlich wurde Arxel Tribe ins offizielle Developer-Programm von Microsofts Xbox aufgenommen. "Unsere Philosophie ist, das Geschäft Schritt für Schritt auf- und auszubauen", sagt de Fondaumière. "Arxel Tribe existiert bereits über zehn Jahre, und wir wollen auch in zehn Jahren noch tätig sein."

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