Steam, Epic Games, Origin, Battle.net und viele weitere Tech- und Gaming-Seiten sind in Indonesien nicht mehr erreichbar. Die Blockade geht auf eine verweigerte Registrierung der Unternehmen beim Info-Tech-Ministerium zurück. Die Folgen für Südostasiens größten Gamingmarkt könnten fatal sein.

Seit kurzem sind diverse Tech- und Gaming-Seiten in ganz Indonesien nicht mehr verfügbar. Der südostasiatische Staat blockierte die Webseiten im Zuge seiner Regulation über Private Electronics System Providers. Diese ist seit 2020 in Kraft und fordert betroffene Unternehmen auf, sich beim indonesischen Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie (Kominfo) zu registrieren. Das Kominfo möchte damit eine Übersicht der im Staatsgebiet operierenden Unternehmen schaffen und so die Transparenz erhöhen. Kritik an der Regulation wird jedoch laut, weil die Regulationen ein Absatz zur Bestrafung der "Störung der öffentlichen Ordnung" enthält, der missbrauchsanfällig formuliert ist. Der indonesische Staat ist eine stark auf das Staatsoberhaupt fokussierte Präsidentialdemokratie und geht derzeit unter anderem gegen Präsidentenbeleidigung und die Menschenrechte von LGBTQIA+-Bürger:innen vor. Wohl auch aus diesem Grund haben sich nicht alle in Indonesien operierenden Tech-Unternehmen in der Datenbank gemeldet.

Kominfo, übersetzt durch Niko Partners, meldete in der letzten Woche 8,276 gemeldete Provider, davon 207 Meldungen von großen globalen Unternehmen. Nicht gemeldet haben sich unter anderem Opera, LinkedIn, PayPal, Amazon, Alibaba, Yahoo, Bing, Steam, Epic Games, Battle.net und Origin. Deren Services sind nun in Indonesien nicht mehr erreichbar, gleichzeitig geht eine formelle Warnung und eine Geldstrafe bei den Unternehmen ein.

Niko Partners schätzt die Regulation als zweischneidiges Schwert für die indonesische Gaming-Industrie ein, wobei die negativen Punkte derzeit deutlich überwiegen. Einerseits schafft ein Branchenregister Transparenz, bessere Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten und einfachere Vernetzung von kleineren Unternehmen zur Nachwuchsförderung. Andererseits kann der Paragraph zur öffentlichen Ordnung laufende Gaming-Produktionen im Keim ersticken oder zu vorauseilendem Gehorsam führen, wodurch neue Gaming-Projekte, insbesondere queere, nicht in die Produktion gelangen. Der wegfallende Zugang zu Gaming-Plattformen wird zudem sowohl Spieler:innen als auch Entwickler:innen davon abhalten, Spiele auf legalem Weg zu kaufen beziehungsweise mit der Spiel-Community in Kontakt zu treten.

Indonesien ist derzeit der größte Gamingmarkt Südostasiens, mit etwa 170 Millionen Spieler:innen und einem Umsatz von über einer Milliarde Dollar in 2021, also etwa 974.555.000 Euro. Drei Viertel davon entfallen auf Mobile Gaming.

Pascal Wagner

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Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.