Mit der Ankündigung von ProMarkt, künftig selbst Spiele in Lizenz im Budgetbereich veröffentlichen und vermarkten zu wollen, könnte sich in der Softwarebranche ein neuer Trend hin zu Handelsmarken abzeichnen, der sich im Foodbereich längst durchgesetzt hat.

Vor allem aus dem Foodsegment sind Handelsmarken bekannt. Schon seit Jahren stellen Supermarktketten günstig Produkte unter eigenen Brands in die Regale. Mit Erfolg - solange das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Seit Bekanntgabe der Pläne der Firma Wegert, zu der einige ProMarkt- und Makro Markt-Filialen gehören, künftig in Eigenregie Software im Niedrigstpreissegment zu veröffentlichen und zu vermarkten, muß sich auch die Gamesindustrie intensiver mit dem Thema Handelsmarken auseinandersetzen.

Jörg Trouvain, Vertriebsleiter/Sales Director Kingsoft/Electronic Arts, kann aus Sicht von ProMarkt die Ambition, ein eigenes Brand aufzubauen, verstehen. Schließlich heiße die Strategie von Electronic Arts auch Branding, Branding, Branding. "Aus Sicht von Electronic Arts bin ich nicht glücklich über Handelsmarken, da eine Vielzahl von Brands die Endverbraucher nur verwirrt", so Trouvain. Zumal der Major natürlich auch im Low-Price-Segment seine eigenen Marken, wie EA Platinum, aufbauen will.

Und auch Andreas Müller, Geschäftsführer von Guillemot International, hält das Vorhaben generell für legitim. "Der Foodbereich macht das ja schon seit langer Zeit vor", so Müller. "Im Gegensatz zu Chips, Cola oder dergleichen bewegen wir uns in einem Produktbereich, in dem die Qualität des einzelnen Titels im Vordergrund steht." Betrachte man dabei die große Vielfalt aller Budgetprodukten, werde die Zielerreichung allerdings ein ehrgeiziger Weg, meint Müller. Letztlich entscheide aber auch hier der Endverbraucher über Erfolg und Mißerfolg.

Rike Everding, Vertriebsleiterin von TopWare, verweist auf die Praxis, in der der exklusive Verkauf von Lizenzen an bestimmte Kundengruppen durchaus üblich sei. "Eine Exklusivvermarktung über einen Anbieter versperrt die breite Streuung des Produkts in alle Zielgruppen", gibt Everding aber zu bedenken. "Nur über die Publisher ist ein zielgruppenorientierter Vertrieb möglich." Das Ziel dieser Vermarktungsschiene sollte ihrer Meinung nach im voraus gut überlegt sein. "Ein weiterer Aspekt für ProMarkt ist sicherlich Kundenbindung", wägt Jörg Trouvain Pro und Contra des Vorhabens ab. "Doch ProMarkt ist ein Handelsunternehmen." Und der Handel definiere sich beim Endverbraucher in erster Linie durch Faktoren wie Sortimentsgestaltung und Preispolitik." Zu bedenken ist weiterhin, daß ein Lizenznehmer natürlich auch zu 100 Prozent das Warenrisiko übernimmt und dementsprechend alle Einheiten, die produziert werden, auch verkaufen muß", so Trouvain.

Einwichtiger Faktor für das Vorhaben Handelsmarke dürfte demnach auch die Unterstützung seitens der Industrie sein. Nur wenn es gelinge, die Sahnehäubchen von einst für die ProMarkt-Marke zu gewinnen, würden sich ausreichend Kunden in die Outlets locken lassen. "Wir werden ProMarkt sicherlich in seinem Vorhaben nicht torpedieren", sagt Trouvain. "Aber Electronic Arts entscheidet - wie jeder andere Publisher auch - selbst darüber, welche Titel lizenziert werden, und wir sind in diesem Bereich sehr zurückhaltend." Die Lizenzpolitik der Publisher könnte seiner Meinung nach schon bald zum Knackpunkt für Handelsmarken werden: "Da ProMarkts Intention, eine eigene Handelsmarke aufzubauen, auch von anderen Händlern aufgegriffen werden könnte, wird sich vielleicht in absehbarer Zeit die Frage stellen, ob und weshalb die Publisher ihren gesamten Lizenzstock an den Handel herausgeben sollten", meint Trouvain.

Share this post

Written by