Karstadt und Quelle legen Konzernstrukturen fest
Die Strukturen des fusionierten Karstadt-Quelle-Konzerns nehmen Konturen an. Die Karstadt Quelle AG wird als Management- und Strategieholding fungieren, unter deren Dach die Konzernunternehmen als rechtlich selbständige Gesellschaften die operativen Geschäfte in Eigenverantwortung wahrnehmen. Die Einsparungen durch Synergie-Effekte weden bis 2002 auf 400 Mio. Mark geschätzt.
Der Karstadt-Quelle-Konzern wird als Management-Holding firmieren, unter deren Dach die operativen Gesellschaften selbständig agieren. Das Unternehmen wird sich zusammensetzen aus den Geschäftsfeldern stationärer Handel (Warenhäuser und Einzelhandelsketten), Versandhandel (Quelle und Neckermann mit ihren Tochtergesellschaften), Touristik (C&N-Beteiligung und konzerneigener Reisevertrieb) und Dienstleistungen. Das Warenhausgeschäft soll zum 1. Januar 2000 in die 100prozentige Tochter Karstadt Warenhaus AG ausgegliedert werden, die die Karstadt und Hertie-Filialen führt. Wolfgang Urban, Mitglied des Vorstands der Schickedanz Holding-Stiftung, wird zum Vorstandsvorsitzenden der noch zu gründenden AG bestellt. Die Bereiche stationärer Handel und Versandhandel werden im neuen Unternehmen annähernd gleiches Gewicht haben.
Doch Wachstumspotential sieht Dr. Walter Deuss, künftiger Vorstandsvorsitzender des fusionierten Konzerns, vor allem im Versandhandel: "Chancen für starkes expansives Wachstum bietet der Versandhandel, weil er mit seinem zeitsparenden Geschäftssystem der zunehmenden Wertschätzung frei verfügbarer Zeit entgegenkommt." Die Marken Neckermann und Quelle mit einem kumulierten Umsatz von 16,5 Milliarden Mark in 1998 sollen erhalten bleiben. "Im Warenhausgeschäft dagegen stößt expansives Wachstum in Deutschland generell auf Grenzen", sagt Deuss. Gründe seien die Verlagerung des privaten Verbrauchs auf nicht einzelhandelsrelevante Ausgaben und die überzogene Schaffung zusätzlicher Verkaufsflächen in Randlagen der Städte. Der Wettbewerb habe sich damit deutlich verschärft, und diese Entwicklung werde sich fortsetzen. Die strategische Antwort des Konzerns sei hier qualitatives, ertragsförderndes Wachstum. Die Angebote sollen sich in erster Linie auf "emotional gesteuerte" Konsumfelder im Bereich des gehobenen Bedarfs konzentrieren.
Potential sieht Deuss auch im E-Commerce: "Konzerneigener E-Commerce soll schon mittelfristig zusätzliches Wachstum bringen." Die Erfahrungen einzelner Konzernteile sollen in die Entwicklung einer konzernumfassenden Medienplattform eingehen, an der bereits gearbeitet werde. "Mit dem Zusammenschluß sind für den Karstadt-Quelle-Konzern erhebliche Synergien-Effekte verbunden", so Deuss weiter. Bis zum Jahr 2002 sollen 400 Millionen Mark eingspart werden, davon bereits 115 Millionen Mark im laufenden Jahr. Der größte Teil davon entfiele mit 96,5 Millionen Mark auf das Segment Einkauf, gefolgt von Logistik mit 84 und Datenverarbeitung mit 50 Millionen Mark. Der fusionierte Konzern will den Umsatz bereits im laufenden Jahr auf 32,8 Milliarden Mark steigern; bis 2002 wird ein Umsatz von 36,8 Milliarden Mark bei einem Vorsteuerergebnis von 1,42 Milliarden Mark angestrebt. Dem Vorstand des Karstadt-Quelle-Konzerns sollen neben Deuss und Urban die bisherigen Mitglieder des Karstadt-Vorstands, Manfred Ciesielski, Reinhard Koep, Heinz Plagge und Kart-Heinz Schmidt, angehören. Dem Aufsichtsrat wurde des weiteren vorgeschlagen, Willi Harrer, Vorstandsvorsitzender der Quelle AG, und Werner Piotrowski, Vorstandsvorsitzender der Neckermann AG, als Vorstände des fusionierten Konzerns zu bestellen.