Keine Talfahrt für die Branche
Die Nachrichtenagentur Reuters hat am 28. Oktober einen Artikel veröffentlicht, der mit seiner plakativen Überschrift "Schwaches Weihnachtsgeschäft bei Videospielen erwartet" Unmut in der Branche hervorgerufen hat. Ronald Schäfer, GF des VUD, nimmt gegenüber GamesMarkt.de Stellung.
Ronald Schäfer, Geschäftsführer des Verbands der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD), hat den pessimistischen Unterton in dem jüngst von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichten Artikel unter der Schlagzeile "Schwaches Weihnachtsgeschäft bei Videospielen erwartet" relativiert.
Schäfer, der in dem Artikel mehrmals zitiert wird, legte zunächst Wert auf die Feststellung, dass der Artikel sich ausschließlich auf die Hardware bezieht. "Der Videokonsolenmarkt befindet sich derzeit in einer Umbruchphase. In der Zeit zwischen den einzelnen Konsolengenerationen ist es ganz natürlich, dass der Konsument sich kaufzurückhaltend zeigt. Das ist ein für unsere Branche normaler Marktzyklus. Daraus den Schluss zu ziehen, dass sich die Branche derzeit auf Talfahrt befindet, ist so nicht zulässig."
Dies gelte auch, obwohl sich die Übergangsphase zwischen den Konsolen diesmal sehr lang hinziehe. "Bisher waren wir schnelle Übergänge gewöhnt, wie etwa zu Zeiten des Umbruchs von den Acht-Bit- auf 16-Bit-Geräte. Diesmal liegen zwischen der Markteinführung der PS2 einerseits und Xbox und GameCube andererseits mehr als 15 Monate."
Als weiteren Kritikpunkt fügt Schäfer an, dass sich die im Artikel verwendeten Zahlbeispiele nur auf den Bereich Konsolenhardware beschränken, der Bereich Software hingegen gänzlich ausgegrenzt wurde. Auch fehle es an der Darstellung der richtigen Relation zwischen den angegebenen Hardwareumsätzen der vergangenen Jahre - die durchschnittlich bei 1,7 bis 1,8 Mrd. Mark lagen - und dem prognostizierten Umsatz von 1,5 Mrd. Mark für dieses Jahr: "Natürlich wurde gerade im letzten Jahr mehr mit Konsolenhardware umgesetzt. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass im November mit der PS2 eine neue Konsole auf den Markt kam und der 'Pokémon'-Hype die Abverkaufszahlen des Game Boy nach oben getrieben hat."
Für das Weihnachtsgeschäft sehr zuversichtlich
Insgesamt sieht Ronald Schäfer den weiteren Geschäftsverlauf für die Unterhaltungssoftwarebranche positiv: "Die Unterhaltungssoftwareumsätze lagen im vergangenen Jahr mit etwa 2,5 Mrd. Mark - etwa gleichgewichtig auf die Bereiche PC und Konsolen verteilt - auf sehr hohem Niveau. Bisher verzeichnen wir bei den Stückzahlen in diesem Jahr deutliche Zuwächse", so Schäfer. "Das Umsatzvolumen wird sich nach unserer Einschätzung auf Vorjahresniveau einpendeln, wobei es Verschiebungen der Umsatzanteile zwischen den Teilmärkten geben wird. In einer technologischen Umbruchphase Umsatzvolumina zu halten, ist in einem ansonsten von Pessimismus geprägten Wirtschaftsklima ein positives Zeichen. Wer überdies die Releasepläne für die Software kennt, kann für das Weihnachtsgeschäft nur sehr zuversichtlich sein."