Koch plant Ausbau des Konsolensegments
Der kürzlich geschlossene Vertriebsdeal zwischen Cryo Interactive und Koch Distribution setzte einen weiteren Höhepunkt im expansiven Bestreben der Münchner Firma. Ein Ende ist nicht in Sicht: Bis zum Weihnachtsgeschäft will Koch weitere bekannte Lieferanten unter Vertrag nehmen.
Die Vertragsunterzeichnung mit Cryo Interactive ist für Koch gleichzeitig auch der Startschuß zum intensiven Auf- und Ausbau des Vertriebs von Konsolensoftware. Allein von Cryo verspricht sich Koch zwei Titel mit hohem Erfolgspotential im Weihnachtsgeschäft: "Atlantis 2" und "Asterix". Beide sollen im November, mit einen Budget von mehr als 500.000 Mark beworben werden. Neben Cryo ist der Münchner Distributor bereits mit Empire im Konsolensegment aktiv. "Ich sehe es als strategisch wichtigen Schritt in unserer Firmenentwicklung", begründet Dr. Klemens Kundratitz, GF Koch, das Engagement, mit dem sein Unternehmen im Wachstumsmarkt Konsole mitmischen will. Berührungsängste mit der Konkurrenz gebe es nicht. Koch sei belächelt worden, als vor drei Jahren der Vertrieb von Games angekündigt wurde. "Mittlerweile hat auch der letzte erkannt, daß man gleichzeitig sehr erfolgreich Games- und Non-Games-Vertrieb sein kann", so Kundratitz. Ähnlich werde es wohl jetzt auch im Konsolensegment verlaufen. Durch das verstärkte Engagement soll es bei Koch auch zu Umstrukturierungen und einer Erweiterung des Vertriebs kommen. Allerdings handle es sich um eine strategische Neuausrichtung, die innerhalb der nächsten zwölf Monate und nicht in zwei Wochen vonstatten gehe.
Der zwangsläufige Ausbau des Vertriebs habe nicht nur mit Cryo zu tun. "Über ungelegte Eier sollte man nicht reden, grundsätzlich wollen wir aber bis Weihnachten eine Liste weiterer, neuer, guter Lieferanten im deutschsprachigen Markt repräsentieren", kündigt Kundratitz an. Insbesondere das Gamessegment will der Koch-Chef ausbauen. Von einem Overkill an Labels könne dennoch keine Rede sein. Schließlich herrsche im Markt immer ein reges Kommen und Gehen. Und als Vertrieb habe man daher immer ausreichend Arbeit, die Lieferanten, die durch externe Faktoren wegfielen, durch neue Labels zu ersetzen. Unerwartete Schützenhilfe bekommt Koch aus dem Markt selbst. Koch ist nach eigenen Angaben der größte unabhängige Spielevertrieb im deutschsprachigen Raum. "Wir sind inzwischen der einzige Distributor, der in der ersten Liga spielt und nicht von außerhalb gesteuert wird. Diese Konstellation war eigentlich nicht unser Ziel, sie ist uns in den Schoß gefallen", so Kundratitz. Dadurch würden bereits viele Firmen von sich aus auf Koch zugehen. Ein weiterer Vorteil sei, daß Koch neben Deutschland auch die Schweiz und Österreich versorgt.
Da der Vertrieb in allen drei Ländern von München aus zentral gesteuert werde, könnten die Publisher mit nur einem Partner den gesamten deutschsprachigen Raum effizient erreichen. Die Expansionspläne von Koch gehen aber noch weiter. Obwohl sich Koch zunächst auf den europäischen Markt konzentrieren will, sei mit einer weiteren Internationalisierung zu rechnen. Kundratitz setzt dabei vor allem auf strategische Partnerschaften und qualifizierte Beteiligungen. Aber auch Übernahmen will er nicht ausschließen. Der Schritt nach Übersee hingegen werde wohl noch etwas auf sich warten lassen. "Wir sehen keine Notwendigkeit, möglichst viele Adressen in unserer Firmenbroschüre zu listen", schließt Kundratitz eine Internationalisierung im Schnellgang aus.