Konami of Europe beschreitet als erstes Unternehmen einen völlig neuen und sehr aufwendigen Weg hinsichtlich der Versorgung von PS2-Konsumenten mit Bonusmaterial: Das Unternehmen legt seinem Spiel "Silent Hill 2" eine ganze Bonus-DVD bei. Hans-Joachim Amann, European Product Manager, legt besonderen Wert auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

GamesMarkt.de: Warum hat Konami of Europe sich entschlossen, "Silent Hill 2" eine Extra-Bonus-DVD beizulegen?

Hans-Joachim Amann: Über viele Titel kann man einiges sagen, doch nur über einige vieles - "Silent Hill 2" gehört zu letzteren. Konami empfand es schlichtweg als wichtig, den Konsumenten einmal tiefer hinter die Kulissen blicken zu lassen. Denn dies hat zweierlei Nutzen: 1. erhält der Verbraucher eine Vielzahl interessanter Informationen zur Entstehung eines Spiels in Wort und Bild (alternative Spielabläufe, ob und welche Filme oder Personen als Inspirationsvorlagen dienten, Skizzen der entstehenden Welten und Monster, Interviews mit Entwicklern etc.). Somit kann er aktiv an der Entwicklungsgeschichte eines Videospiels teilnehmen. 2. wird dadurch (hoffentlich) ein Gefühl dafür entwickelt, wie aufwendig das Designen und Realisieren von erstklassigen Videospielen ist. Da wir uns bei der PlayStation 2 das Medium DVD zunutze machen können, lassen sich solche Bonusprojekte im Unterschied zu früher erstmals in entsprechendem Umfang und Qualität verwirklichen.

GM: Welche Art von Bonusmaterial halten Sie für sinnvoll und welche nicht?

Amann: Grundsätzlich ist jede Zugabe sinnvoll - solange sie gratis ist. Dann kann sich niemand beschweren. Doch wie mit vielen Dingen wird nie die gesamte Zielgruppe vollends zufrieden sein: Der eine hätte gern noch diese oder jene spielbezogene Hintergrundinformation, weil er sich für ein spezielles Thema interessiert; der andere möchte nur spielbare Demos anderer Produkte, weil ihn Making-of-Specials nicht interessieren; ein weiterer freut sich hingegen schon allein über selbstablaufende Trailer, die mit dem erworbenen Produkt gar nichts zu tun haben.

GM: Glauben Sie, dass Bonusmaterial bei PS2-Spielen bald ein Standardfeature sein wird?

Amann: Es kommt darauf an, wie wir Bonusmaterial definieren. Trailer sind sicherlich die einfachste Form von Zugaben; zudem machen sie aktiv Werbung für kommende Produkte. Diese künftig verstärkt einzusetzen, wäre clever. Allerdings können solche Trailer oder Videos ähnlicher Art nicht als umfangreiches Bonusmaterial bezeichnet werden und machen auch kaum eine Zusatz-DVD wie im Fall von "Silent Hill 2" notwendig. Zusatzvideos haben wir bereits vor einem Jahr bei "ESPN Winter X-Games Snowboarding" angeboten. Deutlich kostenintensiver, für den Verbraucher aber auch wesentlich interessanter sind spielbare Demos. Diese Möglichkeit hat Konami bereits 1998 bei "ISS Pro 98" genutzt und "Metal Gear Solid" zum aktiven Antesten beigelegt. "Richtiges" Bonusmaterial im Sinn von Making-of-Specials setzen viel Zeit und Geld voraus. Diese können allenfalls bei solchen Projekten zum Standard avancieren, die mit Sicherheit ein kommerzieller Erfolg werden.

GM: Wie müssen die Marketingdepartments der Publisher reagieren, falls Bonusfeatures zum Standard werden?

Amann: Ganz einfach: Ausreichend auf diese Bonusfeatures aufmerksam machen, damit sich diese bereits in der Produktwerbung dem Handel und Verbraucher erschließen und somit das Interesse steigern.

GM: Haben Sie bereits Response von ihren Handelspartnern erhalten, ob und wie dieser bereit ist, Bonusfeatures als zusätzliches Kaufargument einzusetzen?

Amann: Ja, und zwar durchweg positive. Gerade im Fall von unterschiedlichen Veröffentlichungsdaten in den NTSC- und PAL-Regionen können solch wertige Zugaben dafür sorgen, dass weniger Importversionen gekauft werden... oder sich der Konsument und Fan später noch einmal für die PAL-Fassung entscheidet. Darüber hinaus wirkt das gesamt Produkt im Fall von "Silent Hill 2" deutlich hochwertiger als andere PS2-Spiele: Dank DigiPack, des speziellen Matt-Glanz-Drucks des Covers, sowie der Bonus-DVD entsteht mit Sicherheit ein zusätzlicher Kaufimpuls.

GM: Rechtfertigt Ihrer Meinung nach der Nutzen von Bonusmaterial die entstehenden Mehrkosten in der Produktion?

Amann: Wie bereits gesagt, wenn es sich um einen prognostizierten Bestseller handelt, relativieren sich die Mehrkosten auf Grund der entstehenden Absatzmengen. Diese dann nur noch geringen Mehrkosten tragen wir gern und verstehen sie als Dienst am Kunden.

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