Game It ist ein Zusammenschluß selbständiger Gamesfachhändler, basierend auf einem freien Franchise-System. Die Mitglieder können die Vorteile der Einkaufsgemeinschaft in Anspruch nehmen, ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Doch noch haben viele Indies Bedenken: Sie fürchten eine Beschneidung ihrer Kompetenzen.

Im Januar 1995 begann Game It als klassischer Spieleversandhandel mit Schwerpunkt Endkundengeschäf. Im November 1996 startete Geschäftsführer Nicolaus Fäustle mit zwei weiteren Einzelhändlern die Testphase für eine Einkaufs- und Marketinggemeinschaft gleichen Namens: "Wir haben sehr vorsichtig begonnen und erst einmal befreundete Händler angesprochen, bis wir im Dezember 1998 offiziell auf den Markt gingen", so Fäustle. Die lange Vorbereitungsphase sei nötig gewesen, um sicherzugehen, daß das System auch funktioniere. Danach sei man mit Anzeigen in Handelsmedien an die Fachhändler herangetreten. Derzeit hätten sich bereits 32 Indies bei Game It zusammengeschlossen. Bedingung für die Aufnahme in das franchiseähnliche System sei, daß das Mitglied Gamesfachhändler ist und über eine bestimmte Geschäftsfläche, Artikelzahl und Umsatzvolumen verfüge. Es bestehe großes Interesse bei den Fachhändlern, momentan kämen kontinuierlich zwischen 80 und 100 Anfragen. "Wir haben aber eine relativ hohe Abweisungsquote", so Fäustle. Man wolle keine Videothek, Tankstelle oder Zeitungshändler als Mitglieder, die ein paar Spiele im Angebot hätten. "Wir wollen von der Industrie ernst genommen werden, mit derartigen Mitgliedern entsteht jedoch ein falsches Bild vom Verbund", so Fäustle weiter. Bei Game It handele sich nicht um ein klassisches Franchise-Modell. Das Mitglied verfüge über große Selbständigkeit. Es könne die Vorteile einer Einkaufsgemeinschaft nutzen, ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben. Das Konzept von Game It sieht eine einmalige Startgebühr von 1500 Mark vor, die Franchise-Gebühr beträgt drei Prozent der über Game It bezogenen Ware. Dafür könne der Händler die günstigen Einkaufskonditionen nutzen, die Game It mit der Industrie vereinbart habe. "Es gibt eine große Zahl von Anbietern mit unterschiedlichen Sortimenten. Das Mitglied muß sich nicht die Mühe machen, selbst auf die Suche nach bestimmten Produkten zu gehen", erläutert Fäustle. Man handele lediglich die Rahmenbedingungen für den Einkauf bei den Anbietern aus, wie Lieferkonditionen und Retourenrecht. Da der Verbund bundesweit inzwischen über einen Anteil von ein bis 1,5 Prozent am Gamesmarkt verfüge, sei man in der Lage, seinen Mitgliedern gute Einkaufsvorteile zu bieten. Auf dieser Grundlage könne der Indie dann eigenständig seinen Bedarf definieren und das Sortiment bei den Anbietern bestellen.

Game It ermögliche es, das gesamte Gamessortiment, vom Backkatalog bis zu den neuesten Titeln, zu beziehen. Des weiteren können die Mitglieder die überregionale Werbung in den einschlägigen Publikumszeitschriften in Anspruch nehmen. Insofern sei bei den Mitgliedern ein Mindestmaß an Übereinstimmung notwendig; dieses beschränke sich auf das Game It-Logo, das im oder am Laden angebracht werde. Die Werbung sei freiwillig und werde über eine Werbekostenbeteiligung finanziert, die sich in Höhe der Anzeigenselbstkosten bewege. Die Bindungsfrist über ein Jahr unterstreiche die Autonomie des Franchise-Nehmers. "Game It realisiert auf nationalem Niveau nur das, was der Verbund am besten kann. Es wäre Unfug, in die Kompetenz des Fachhändlers reinzuregieren", sagt Fäustle. Der Indie sei am besten über die Lage auf dem Markt vor Ort informiert und könne dementsprechend adäquat reagieren. Viele Indies trügen jedoch Sorge, durch eine Mitgliedschaft bei Game It ihre Unabhängigkeit zu verlieren. "Die Indies haben ihre eigene Kultur. Hinter der Theke stehen meistens Leute, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben", so Fäustle. Da könne man nachvollziehen, daß sie Angst hätten, zum Beispiel vor Kontrollen oder Kompetenzbeschneidungen. So komme es vor, daß Interessenten die Entscheidung beizutreten, monatelang vor sich herschieben. Eine bestimmte Reserviertheit sei zu erkennen. Bei vielen sei aber der "Leidensdruck" noch nicht hoch genug. Anderen Indies fehle es an Weitblick. Sie würden nicht erkennen, daß sich der Markt zu Ungunsten der Indies entwickle, und seien nicht bereit, die dementsprechenden Schlüsse zu ziehen, nämlich gemeinsam zu handeln. Viele würden erst motiviert, wenn ein großer Filialist ein Outlet an der nächsten Ecke eröffne.

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