Was Öl für das 20. Jahrhundert war, werden Kriege für das 21. Jahrhundert sein. So erzählt es "Metal Gear Solid 4", der neue Actionthriller des populären japanischen Gamedesigners Hideo Kojima.

In den letzten Wochen haben "Gran Turismo 5 Prologue" und "Grand Theft Auto IV" die Verkäufe der PlayStation 3 spürbar angekurbelt. Perfektes Timing für Konami: Jetzt kann man sich bei "Metal Gear Solid 4 - Guns Of The Patriots" zum Release am 12. Juni auf eine solide Verbreitung der einzigen Hardwareplattform verlassen, der Konami sein wichtigstes Softwareprojekt des Jahres anvertraut.

Erneut schlüpft der Spieler in die Rolle des beinharten Hightechsoldaten Solid Snake. Erste Auffälligkeit: Snake zeigt sich massiv gealtert. Ein klares Zeichen dafür, dass es diesmal wirklich sein letzter Einsatz sein könnte. Der Grund für die Reaktivierung: Im Jahr 2014 ist das Kriegsrecht aufgelockert. Private Militärorganisationen schießen wie Pilze aus dem Boden; sie wittern lukrative Gewinne. Die fünf größten Unternehmen beugen sich der Führung von "Outer Haven", der Organisation des berüchtigten Schurken Ocelot.

Kleiner Droide, ganz groß

Mit einer Armee, größer als die der USA, plant Ocelot einen gewaltigen Aufstand. Snake wird geschickt, dem bösen Buben das Handwerk zu legen. In einem Land im Nahen Osten beginnt der Einsatz, mitten im Gefecht zwischen mehreren Militärfirmen. Um nicht in die Schusslinie zu geraten, bedient sich Snake einer Vielzahl von anspruchsvollen Hilfsmitteln, wie des Octo-Camo-Tarnanzugs beispielsweise, in dem Snake mit dem staubigen Untergrund verschmilzt.

Zum eher behutsamen Vorgehen passt der Droide "Mk. II": Der kleine, radgestützte Helfer ist unglaublich wertvoll, wenn es darum geht, die Umgebung zu analysieren, Netzwerke zu hacken oder den Feind abzulenken. Über die linke Schultertaste ausgewählt, zieht der Droide die Aufmerksamkeit auf sich, während sich Snake ins Dickicht zurückzieht.

Wenn der Boss ruft

Auch wenn das vierte "Metal Gear Solid" mitten im Kriegsgebiet einsetzt, kann von blinder Action keine Rede sein. Nach wie vor ist Vorsicht geboten. Die Umgebung sondieren, Gefahren orten, die Lage überprüfen, erst dann den Abzug drücken - so pirscht Solid Snake von Etappenziel zu Etappenziel.

Das Gameplay gibt sich im Kern wie gehabt, aber der Spieledesigner Hideo Kojima verschafft einem wieder reichlich Aha-Momente. Darunter aufreibende Bossgegnerkämpfe - seit jeher ein Markenzeichen der "Metal Gear Solid"-Reihe. Dazu kommen Wiedersehen mit alten Bekannten und ein Willkommen für neue Figuren - vier schrägen Vögeln einer Einheit mit dem poetischen Namen "Die Schöne und das Biest" beispielsweise.

Die Legend lebt

Der Abrundung dient ein, der Spieleverpackung auf einer extra Blu-ray beiliegender Onlinemodus namens "Metal Gear Online". Hier machen Fans aus aller Welt ihre bevorzugten Figuren zum Helden und messen sich miteinander im direkten Kampf. Technisch und inhaltlich zählt "Metal Gear Solid 4" zum Interessantesten und Spannendsten, was in diesem Jahr auf der PlayStation 3 erscheint.

Das Team um Hideo Kojima hat einen nie enden wollenden roten Faden gestrickt um die komplexe Story, den der Spieler langsam entwirren muss. Wo in manchen Spielen Zwischensequenzen sonst eher stören, bleibt der Spieler hier staunend vor dem Fernseher sitzen. Großes Kino!

Nachgefragt bei Chefentwickler Hideo Kojima

» Der Markt tendiert in Richtung Casual Gaming. "MGS4" hingegen bietet viele Stunden Filmmaterial, komplexe Charaktere und eine tief gehende Story. Warum gehen Sie diesen Weg?

Natürlich gibt es den Casual-Trend auch in Japan. Ich habe schon von vielen Entwicklern gehört, dass sie in diese Richtung gedrückt werden. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass es da draußen viele Leute gibt, die wirklich etwas von einem Spiel mitnehmen wollen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich spiele sehr gern Nintendo Wii. Aber als Spieledesigner fühle ich mich für die Branche verantwortlich. Es gibt jede Menge kreativer Köpfe in der Welt, die großartige Ideen haben, aber diese mangels Budgets nicht umsetzen können.

» Wie fühlt es sich an, eine Serie zu erzählen, die sich über mehrere Konsolengenerationen vom MSX-Computer über die erste PlayStation bis zur PlayStation 3 zieht?

Großartig. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich diese Spiele machen durfte. Im Lauf der Zeit wurden die technischen Grenzen immer weiter ausgedehnt. Anfangs waren wir extrem limitiert. "Metal Gear" sah nicht so aus, wie ich es mir in meinen Träumen ausgemalt hatte. Aber das ist vollkommen normal, auch die PlayStation 3 bietet keine unendliche Performance. Ich vergleiche das gern mit der Entwicklung des Flugzeugs. Heute halten wir Jets für modern, aber in der Zukunft können wir uns vielleicht beamen.

» In "MGS 4" kommen viele bekannte Charaktere aus vorangegangen Missionen zum Einsatz. Aber die Nebenrollen sind ebenso detailliert ausgearbeitet. Woher kommen diese Ideen?

Während der Entwicklung dreht sich in meinem Kopf alles um dieses Spiel. Ich sitze im Park, mache Sport oder lese ein Buch, und plötzlich kommt mir wieder eine neue Idee. So geht es allen im Team; jeder macht sich seine Gedanken. Darüber reden wir dann stundenlang und wägen ab, was möglich ist und was nicht. Ideen haben ist das eine. Aber sie sammeln und sinnvoll auswerten, erst das führt zu interessantem Gameplay.

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