Neue niedersächsische Regierung prüft eigenen Games-Fördertopf
Die neue Regierung Niedersachsens aus SPD und Grünen unter Ministerpräsident Stephan Weil will einen eigenen Games-Fördertopf prüfen und das vorhandene Medien-Fördergeld aufstocken. Auch die Gemeinnützigkeit des E-Sports greift der gestern vorgelegte Koalitionsvertrag auf.
Der Koalitionsvertrag der neuen niedersächsischen Regierung verheißt potenziell Gutes für die niedersächsische Gamesbranche. Die Koalition aus SPD und Grünen unter dem bleibenden Ministerpräsidenten Stephan Weil veröffentlichte gestern das gemeinsame Papier, in dem auch die Gamingindustrie als politischer Faktor genannt wird.
Neben der Film-Förderung will sich die neue Regierung nun auch verstärkt auf eine Games-Förderung einlassen. "Auch die wachsende Games-Branche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wir wollen die darin liegenden Chancen für Niedersachsen nutzen und die Entwicklung von Games und die Games-Wirtschaft insgesamt nachhaltig stärken. Hierfür ist die Games-Förderung aufzustocken und es ist zu prüfen, ob es eine ergänzende Wirtschaftsförderung gezielt für die Games-Branche geben kann." Das Bekenntnis zum Wirtschaftsfaktor Games könnte aus der Not geboren sein - ein Blick auf die gamesmap des game-Verbandes zeigt, dass die Region Niedersachsen dünn besiedelt ist, wenn es um Spielefirmen geht. Selbst die Hauptstadt Hannover kann an größeren Playern nur das Studio Nukklear aufwarten, das derzeit gemeinsam mit Funcom ein Online-Rollenspiel im Dune-Universum produziert.
Sollte die erwähnte Prüfung positiv ausfallen, könnte die Landesförderanstalt nordmedia, die in Hannover sitzt und im Verbund mit Bremen Medienförderung betreibt, davon mit einem eigenen Fördertopf speziell für Games profitieren. Der Formulierung lässt sich zudem bereits jetzt der Wille entnehmen, dass die gesammelten Medien-Fördermittel für audiovisuelle Inhalte und Games aufgestockt werden sollen. Nordmedia gehört zum Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, das vom bisherigen SPD-Umweltminister Olaf Lies übernommen wird.
Im Bezug auf E-Sport ist der Koalitionsvertrag nicht ausdrucksstark, dass dieser allerdings überhaupt erwähnt wird, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. "Wir zeigen uns offen für die Bundesinitiative zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit des eSports" bekennen SPD und Grüne im Bereich Recht und Justiz des Koalitionsvertrages. Die Bundesinitiative, die im Koalitionsvertrag der Ampel-Bundesregierung postuliert wird, wurde auch auf der diesjährigen gamescom noch einmal von parteipolitischen Sprecher:innen bekräftigt. Details sind jedoch noch keine bekannt, und auch Niedersachsens neue Regierung liefert vorerst keine weiteren. Zwei Jahre zuvor hatte sich Ministerpräsident Weil der Definition des Deutschen Olympischen Sportbunds, der E-Sport nur gemeinnützig sieht, wenn es sich um digitale Formen realer Sportarten handelt - Shooter, MOBAs oder andere populäre E-Sport-Genres und -Titel wären damit außen vor.
Pascal Wagner