Wenn man aber darüber redet, breitere Märkte aufzubauen, müsse man auch über die Preise nachdenken. Mit 60 Euro für einen PS2-Titel fange man nicht an, einen Massenmarkt anzurühren, sagte Dietrich Meutsch, Geschäftsführer THQ Entertainment, im Interview mit MCVgamesmarkt, Ausgabe 8. Darüber kann man diskutieren, meinen einige Gameshändler.

Nur relevante Titel Ich teile diese Meinung nur bei wirklich relevanten Massenmarktthemen wie "Findet Nemo", "Harry Potter" etc., die durch ihre Aktualität wirklich in der Lage sind, eine breitere Zielgruppe für Gaming anzusprechen. Für ein Referenzprodukt wie etwa "Half Life 2" oder "S.T.A.L.K.E.R." ist ein Preis von 59,95 Euro weiterhin mehr als gerechtfertigt. Michel Wedler, Saturn Einkauf - Neue Medien - Software

100 Prozent Zustimmung Ich kann Dr. Meutsch zu 100 Prozent zustimmen. Um den Markt weiter zu entwickeln, ist es zwingend notwendig, neue "Schwellenpreise" zu definieren. 44,95 bis 49,95 Euro ist aus meiner Sicht die dazu nötige Verkaufspreisgestaltung. Thomas Güttler, Branchenmanager Musik & Film, Unterhaltungselektronik & Software Karstadt

Unstimmiges Preisgefüge Leider hat Dr. Meutsch Recht. Das Preisgefüge für Games stimmt nicht mehr, zumindest was den deutschen Markt betrifft. In anderen Ländern, wie z. B. England, spielt der Preis bei weitem nicht so eine große Rolle wie hierzulande. Sicherlich ist die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland ein Hemmschuh für jeden Markt. Aber ich glaube, dass sowohl der Handel als auch die Industrie mit Schuld daran tragen, dass immer weniger Endverbraucher bereit sind, etwa 60 Euro für ein PS2-Spiel auszugeben. Ein wesentlicher Fehler der Industrie sind m. E. die übermäßige Flut von B- und C-Titeln und die viel zu schnelle Zweitvermarktung, die daraus resultiert. Darüber hinaus schwächen die übermäßig vielen Hardwarebundles den Softwareabsatz und verunsichern den Kunden bei der Kaufentscheidung. Hier muss dringend wieder der "Normalzustand" hergestellt werden. Auf der anderen Seite hat es der deutsche Handel bis heute nicht geschafft, Videogames attraktiv genug zu präsentieren, diese mit mehr "Leidenschaft" zu verkaufen und die Produktvorteile in den Vordergrund zu stellen. Stattdessen versucht jeder, "der Günstigste" im Markt zu sein. Natürlich ist es wichtig, dem Kunden ein attraktives Angebot zu machen, aber es darf sich nicht immer nur auf den Preis reduzieren, weil der Kunde irgendwann das Gefühl für die Wertigkeit der Produkte verliert. Efthimios Sidiropoulos, Produktgruppen Manager McMedia

Wider die Selbstzerstörer Ich glaube, dass nur bei ganz wenigen Ausnahmetiteln ein Verkaufspreis von 59,95 Euro gerechtfertigt ist. Allerdings muss dann die Wertigkeit des Produkts an den Verbraucher kommuniziert werden. Meiner Meinung nach sollte die Masse der Spiele einen UVP von 49,95 Euro nicht überschreiten. Bei einigen Titeln sollte sicherlich auch ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob diese nicht von Anfang an in einer Preisschiene von 39,95 Euro oder gar 29,95 Euro vermarktet werden sollten. Als viel wichtiger erachte ich, dass die Industrie die Wertigkeit ihrer Software nicht selbst durch zu schnelle und zu häufige Preisreduzierungen kaputt macht. Nur die wenigsten Kunden sind bereit, für eine Software zum Release auch nur 39,95 Euro auszugeben, wenn dasselbe Produkt zwei Monate später bereits für 19,95 Euro zu bekommen ist. Hier sollte lieber von Anfang an ein marktgerechter Preis, der sicher in den wenigsten Fällen bei 60 Euro liegt, angeboten und dann auch konstant über mindestens sechs Monate gehalten werden. Wolfgang Myrth, Geschäftsführer Playcom Software Vertrieb

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